Sternberg : Fasching mit heiklen Personalien

Zum Finale des Abendprogramms kommen alle Akteure gemeinsam auf die Bühne des Sternberger Seehotels.  Fotos: Rüdiger Rump
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Zum Finale des Abendprogramms kommen alle Akteure gemeinsam auf die Bühne des Sternberger Seehotels. Fotos: Rüdiger Rump

Der Sternberger Carnevalklub stellt die Nachfolge von Bürgermeister Jochen Quandt in den Mittelpunkt. Sketche und rasante Tänze begeistern das Publikum.

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15. November 2015, 20:57 Uhr

Die Abendveranstaltung des Sternberger Carnevalclub (SCC) am Sonnabend im Seehotel begann anders als in allen 35 Jahren, seitdem der Verein besteht. Zeremonienmeister Eckardt Meyer bat darum, für Momente „inne zu halten“ und der Menschen zu gedenken, die am Abend zuvor in Paris ihr Leben durch Terrorakte verloren hatten. „Wir dürfen das nicht aus den Augen verlieren, aber wir werden unsere Werte in Europa wie unser Brauchtum nicht durch solche Verbrecher zerstören lassen, wir machen weiter.“ Das Publikum verdeutlichte mit Beifall, dass der SCC-Vize die richtigen Worte gefunden hatte.

Dann folgt ein abwechslungsreiches Programm, in dem Büttenreden und Sketche vor allem die Nachfolge des scheidenden Bürgermeisters Jochen Quandt aufs Korn nehmen. Dieser hatte den Narren am 11.11. freundlich Macht und Rathausschlüssel überlassen, wollte Letzteren nach der fünften Jahreszeit auch gar zurück haben, weil seine Dienstzeit am 30. April 2016 sowieso endet und er lieber die Welt umsegeln will.

Paul Fregien, mit zwölf Jahren der Jüngste in der Bütt, gibt zu, dass er als Bürgermeister noch zu klein ist, doch mit dem Chefposten bei den Karnevalisten könnte es doch klappen. Für ihn komme nur der SCC in Frage. Kein Wunder, seine Mutter Katja Fregien, Sekretärin im Rathaus, hat der Bürgermeister den Narren gleich mit abgetreten. An allen anderen Vereinen in der Stadt hat der Bursche in der Bütt was zu
mäkeln. Immerhin wird dabei bewusst, wie viele es in Sternberg gibt, die für Jung und Alt ein breit gefächertes Angebot bereit halten. So ganz kann sich Präsident Jan Markowski nicht damit anfreunden, das Feld zu räumen. Jetzt noch nicht, aber später könnte Paul sein Nachfolger sein. Dieser trage bereits die Jacke, die er einst als Gardeoffizier an hatte. Und die passe immer noch, aber das glaubt ihm keiner im Saal. Bei der Aufforderung, sie anzuziehen, kneift der Präsi.

Auf dem Marktplatz geht die Personaldebatte weiter. Holger, bürgerlich Mathias Krause aus Groß Görnow, hält eine flammende Wahlkampfrede. Er macht als Bürgermeister alles besser. Für Beutel, mit denen Hundehalter die Hinterlassenschaften ihrer lieben Vierbeiner entsorgen können, ist kein Geld, aber das Rathaus hat schon wieder neue Farbe bekommen. Und der Zebrastreifen im Finkenkamp ist noch überflüssiger, wenn der Edeka da erstmal weg ist. Dann müssten die älteren Herrschaften zum Einkauf über die Bundesstraße. Und für sie lasse er dort eine Brücke bauen. Holgers Anhänger auf der Bühne jubeln, singen und halten ein Plakat für ihn hoch. Die Reaktionen aus dem Saal sind dagegen, nett gesagt, verhaltener. Beim Bürgermeister, der unauffällig ganz am Rand sitzt, scheint ein wenig Schadenfreude aufzublitzen. Obwohl es ihm doch egal sein kann, wer sein Nachfolger wird.

Otto Melkmann alias Eckardt Meyer will der nicht sein . Zumindest macht er keine Reklame für sich, sondern für die Feuerwehr. Eigentlich dürfte er von den Einsätzen, die ganz schön pikant geworden sind, gar nichts erzählen, lässt sich aber doch überreden. Früher sind die Blauröcke ausgerückt, um Feuer zu löschen oder umgestürzte Bäume von den Straßen zu räumen. Aber jetzt müssten sie, kaum zu glauben, beispielsweise in eine Sauna, wo einem Herren was zwischen den Holzlatten eingeklemmt ist. Das gehe nicht mit der Kettensäge, sondern sei Laubsägearbeit. Oder die Feuerwehr werde gerufen, weil irgendwelche Typen mit Sadomaso-Neigungen nicht wieder frei kommen. Wohin das bloß noch führen wird.

Zwischen Büttenreden und Sketchen heizten Tänze mit origineller Choreografie die Stimmung im Saal an und forderten Zugaben heraus.

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