Fahrverbotsschilder an Warnow und Bresenitz : Falschpaddler riskieren Verwarngeld

<fettakgl>Naturparkranger</fettakgl> Mario Krüger (r.) und Egbert Rath vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg begannen gestern mit dem Aufstellen von Schildern im Warnowtal bei Karnin. <foto>Volker Brandt-Naturparkverwaltung </foto>
Naturparkranger Mario Krüger (r.) und Egbert Rath vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg begannen gestern mit dem Aufstellen von Schildern im Warnowtal bei Karnin. Volker Brandt-Naturparkverwaltung

Stopp für Paddler an der Warnow bei Karnin. Wer weiter fährt, riskiert ein Verwarngeld von 35 Euro. Für Unbelehrbare kann sich die Strafe bis zu 5000 Euro entwickeln. Gestern wurden die Verbotsschilder aufgestellt.

svz.de von
18. Juni 2012, 06:14 Uhr

Warin/Görnow | Stopp für Paddler an der Warnow bei Karnin. Wer weiter fährt, riskiert mindestens ein Verwarngeld von 35 Euro. Für Unbelehrbare kann sich die Strafe bis zu 5000 Euro entwickeln. Gestern begannen Ranger des Naturparks Sternberger Seenland mit dem Aufstellen der Verbots- und Hinweisschilder.

Für das Naturschutzgebiet bei Karnin hat das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (StALU) am Freitag ein Verbot für Bootstouren aller Art ausgesprochen (SVZ berichtete). Auch an anderen Abschnitten der Warnow und ihrer Nebenflüsse sollen Kanus bei dem derzeit extrem niedrigen Wasserstand an Land bleiben, um die Tier- und Pflanzenwelt nicht in Gefahr zu bringen. Das betrifft das Warnowtal bei Groß Görnow, das Warnowtal bei Gädebehn sowie Abschnitte auf der Bresenitz. Hier drohen derzeit allerdings noch keine Strafen.

Damit die Einschränkung für die Kanuten offensichtlich ist, werden sowohl direkt an den betroffenen Flussläufen als auch in ihrer Umgebung Schilder aufgestellt: u.a. im Warnowtal bei Görnow, an der Einsatzstelle bei Sternberger Burg, am Wasserwanderrastplatz Weitendorf, an der Rönkendorfer Mühle, am Woseriner See...

Möglich ist das Paddeln auf der Warnow derzeit nur noch zwischen Zaschendorf und Brücke Görnow/Sternberger Burg sowie weiter flussabwärts wieder ab Eickhof, erklärte gestern Jan Lippke, stellvertretender Naturparkleiter im Sternberger Seenland.

Das Verbot für Bootstouren aller Art im Naturschutzgebiet "War nowtal bei Karnin" soll kein Papiertiger sein, so Nils Meyer vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (StALU) . Meyer kündigte unregelmäßige Kontrollen an - auch an Wochenenden. Die Naturschutzbehörden haben für die Durchsetzung des Verbotes die Wasserschutzpolizei und das Polizeirevier Sternberg mit ins Boot geholt.

Ob es noch an weiteren Warnow-Abschnitten Verbote geben wird, lässt Meyer offen. Aussprechen kann das StALU diese ohnehin nur in Naturschutzgebieten. "Falls der Wasserstand allerdings noch weiter fällt, kann der jeweilige Landkreis eine Allgemeinverfügung erlassen", erläutert Meyer. Dann würde der Bootsverkehr auf diese Art und Weise untersagt.

Meyer hofft zugleich, dass es nicht so weit kommen muss. Natürlich würde jetzt ergiebiger Regen helfen. Ebenso wichtig ist Nils Meyer aber, dass Kanuten und Wassertouristen den Ernst der Lage erkennen. Da ist er zuversichtlich: "Schon am Wochenende gingen bei uns per Internet viele Anfragen ein, wo Bootstouren noch möglich sind. Die meisten haben Verständnis für die Sperrung." Und Nils Meyer setzt darauf, dass nun auch die im Vorjahr geschlossene "freiwillige Vereinbarung zum Kanutourismus im Bereich des Naturparkes Sternberger Seenland sowie dem Westteil des Naturparkes Nossentiner/Schwinzer Heide" im Bewusstsein der Wasserwanderer ankommt. "Nicht alle haben sich an diese Vereinbarung gehalten", stellt Meyer fest.

Kanuanbieter, die sich daran halten, ärgern sich über die schwarzen Schafe. Ihren Unmut äußerten Sven-Erik Muskulus, Wolfgang Klein und Brit Kulla am Sonntag in einem Brief an das StALU. "Als Kanuanbieter haben wir, die Firmen Wanderer-Aktivtour, Kanucamp Sternberger Burg und Naturdorf Eickhof, unsere Gäste informiert, Alternativstrecken und großen zusätzlichen Arbeitsaufwand in Kauf genommen und zu unserem schriftlichen Bekenntnis bezüglich der freiwilligen Vereinbarung gestanden", heißt es in dem Brief. "Unsere Gäste waren fast alle sehr kooperativ... Es war für uns jedoch schwer, unseren Gästen zu erklären, warum die Kanus anderer Anbieter die Strecke passieren dürfen, nur die bei uns gemieteten Boote nicht".

Muskulus, Klein und Kulla sind nach eigenen Worten enttäuscht, dass das "geschriebene Wort bei einigen Wettbewerbern keinen Stellenwert hat. Ebenso enttäuscht sind wir, dass Kanuanbieter, die sich nicht um jegliche Naturschutzbelange kümmern und sich der Vereinbarung nicht angeschlossen haben, nun davon profitieren und unseren Kundenstamm bedienen. Uns als Kanuanbieter, die in den Standort investiert haben und sich mit der freiwilligen Vereinbarung klar zum Naturschutz bekannt haben, ist die Bedeutung des Flusses mit seinen hochsensiblen Naturräumen bewusst". Die drei Unterzeichner des Briefes können derzeit nur ihre Gäste bitten, dass sie sich bei der Wahl des Kanuanbieters naturbewusst entscheiden.

"Wir wollen auf die Vernunft setzen", erklärt Jan Lippke. Wenn das nicht funktioniere, gebe es die Option einer staatlich verordneten Sperrung. Lippke erinnert daran, dass der Schutz der Bachmuschel in den hiesigen Gewässern von europaweiter Bedeutung sei. Wenn das Land nicht alles für deren Schutz unternimmt, riskiert es EU-Fördermittel. Es sei nicht im Sinne der Region, dass die Warnow möglicherweise ganz für Wassersportler dicht gemacht wird. "Wir werden verstärkt unterwegs sein und Gebietskontrollen machen", so Lippke gestern.

Für die Zukunft ist wichtig, dass sowohl Kanuverleiher als auch private Wasserwanderer die gefährdeten Flussabschnitte meiden, so Nils Meyer. In den beiden Durchbruchstälern bei Karnin und Groß Görnow sollen Behelfs pegel aufgestellt werden, um noch schneller an konkrete Zahlen zu kommen. Schon jetzt können im Internet unter www.sternberger-seenland.de die aktuellen Wasserstände der Warnow abgerufen werden. Die werden alle 15 Minuten elektronisch gemessen und weitergeleitet, so Meyer.

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