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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

15. Dezember 2017 | 14:55 Uhr

Trams : Experiment mit Hirse geht auf

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Beim Wariner Pflanzenbau läuft jetzt die Ernte parallel zum Mais. Die Hirse wird mit siliert. Der Ertrag ist ein Drittel geringer als bei Mais, angesichts des Klimawandels, könnte die Kultur aber an Bedeutung gewinnen.

svz.de von
erstellt am 26.Sep.2014 | 17:21 Uhr

Wer genau hinsieht, erkennt jetzt den Unterschied: Hirse hat keine Kolben wie Mais, dafür an der Spitze üppige Büschel, die voller winziger Körner sitzen. Die Stengel sind viel dünner, die Blätter schmaler. Im jungen Stadium sind beide Kulturen, die wie das Getreide zur großen Familie der Süßgräser gehören, vom Laien kaum zu unterscheiden.

Auf vier Feldern, zusammen rund 30 Hektar mit besonders leichtem Sandboden, hat die Wariner Pflanzenbau eG das zweite Jahr Mais durch Hirse ersetzt. „Hauptgrund ist, dass die Jäger in einigen Ecken Probleme haben, Wildschäden im Mais zu verhindern. Vereinzelt erreichten die Ausfälle bis zu 40 Prozent. Hirse dagegen mögen Wildschweine nicht. Das haben wir schon festgestellt“, sagt Vorstandsvorsitzender Wolf-Dietmar Vetter. „Sie laufen durch, suchen sich dort auch mal Schlafplätze, aber sie beißen keine Pflanzen ab, um die zu fressen , wie etwa Maiskolben. Ob ihnen Hirse nicht schmeckt oder ob es andere Gründe gibt, wissen wir nicht.“ Befinde sich in der Nähe Hochwald, würden zwar Hirsche in den Bestand gehen und „tüchtig darin toben“, die größte Sorge seien jedoch die Wildschweine.


Züchtung steckt noch in den Kinderschuhen


Das Experiment sei erst einmal auf drei Jahre angelegt. „Wir haben 2013 damit angefangen und machen nächstes Jahr weiter, das steht schon fest“, so Vetter. Obwohl der Ertrag auf vergleichbaren Flächen etwa ein Drittel unter dem von Mais liege. Dieser habe im Vorjahr 35 Tonnen pro Hektar gebracht, Hirse 22 Tonnen. Ähnlich sei es bislang in der laufenden Ernte. „Wir haben auch mal den Energiegehalt in der Trockensubstanz untersucht. Hirse lag über 90 Prozent im Vergleich zu Mais. Das ist gar nicht schlecht“, meint der Wariner Agrarchef. Zumal die Züchtung erst am Anfang stehe. „Die steckt bei Hirse noch richtig in den Kinderschuhen, Mais wird seit über 100 Jahren gezüchtet. Wenn die Sorten weiterentwickelt sind, könnte auch der Ertrag steigen. Uns ist wichtig, erst mal ein Gefühl für den Anbau zu bekommen.“

Angesichts des prognostizierten Klimawandels könnte Hirse enorm an Bedeutung gewinnen, ist Vetter überzeugt. Sie sei „eine der großen weltweiten Kulturen“ und in Afrika oder Südamerika, wo die Körner ausgedroschen werden, schon heute ein wichtiges Nahrungsmittel. Daher seien Züchter „ganz erpicht“, diese Kultur zu bearbeiten. „Sie lässt sich auch gut kreuzen. In Zuchtgärten Europas gibt es eine Vielzahl von Stämmen“, weiß Vetter. Ein großer Vorteil sei, dass die Pflanzen mit noch weniger Wasser als Mais auskommen, dessen Durst schon deutlich unter dem von Getreide liege.

Hirse werde später als Mais ab Mitte Mai gedrillt und benötige in der Jugendzeit bis Ende Juni vor allem Wärme, aber auch Feuchtigkeit. Wenn sich der Bestand gut entwickle, überstehe er später längere Trockenperioden. „Die Pflanzen wachsen nicht weiter, legen aber
sofort wieder los, wenn es regnet. Mais ist in dem Fall oft schon so stark geschädigt, dass er nicht mehr richtig in Gang kommt“, sagt Vetter.

Hirse wird derzeit genauso wie Mais mit dem Häcksler geerntet und kommt in das selbe Silo. Drei Viertel sind eingebracht. Gestern gab es
jedoch eine Zwangspause. Auf dem Heimweg vom Acker zersprang wie aus dem Nichts die riesige Frontscheibe der Fahrerkabine, erzählt der Agrarchef. Zum Glück sei dem Fahrer nichts passiert. Die Landtechnikfirma in Mühlengeez stelle nun eine Aushilfsmaschine zur Verfügung. „Wir wollten das Silo Sonntagabend zumachen, nun wird das wohl erst am Montag sein.“ Wolf-Dietmar Vetter bleibt dennoch gelassen. Gut eine Woche sei noch zu häckseln, die Herbstbestellung auch zu über drei Viertel fertig und das in hoher Qualität. „Der Boden hatte eine optimale Gare, war richtig krümelig. Das hängt von vie-len Faktoren ab. Der Landwirt kann nur durch gute Bodenfruchtbarkeit Einfluss nehmen, durch eine ausgewogene Humusbilanz und Nährstoffzufuhr und dass er nicht zur Unzeit, wenn es moddrig ist, auf den Acker fährt“, erklärt Vetter. „Wie ich gehört habe, sind alle Landwirte zufrieden mit dem Arbeitsstand.“ Dies sei wahrlich „ein goldener September“.

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