Nisbill : „Essen und Luft sind ganz frisch“

Aus dem Reich der Mitte als Arbeitskräfte in der Nisbiller Fachpflegeeinrichtung: (v. l.) Wang Yanan, Zhao Yangyang und Fu Xiaoting. Fotos: Roland Güttler
Aus dem Reich der Mitte als Arbeitskräfte in der Nisbiller Fachpflegeeinrichtung: (v. l.) Wang Yanan, Zhao Yangyang und Fu Xiaoting. Fotos: Roland Güttler

Seit gut einem Jahr leben und arbeiten chinesische Pflegekräfte im „Haus am Bibowsee“. Erfahrungen, Gewohnheiten und lustige Erlebnisse.

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28. Dezember 2016, 21:19 Uhr

„Deutsch ist eine schwere Sprache, vor allem, wenn in der Mundart gesprochen wird“, sagt Zhao Yangyang. Der 27-Jährige arbeitet seit zwölf Monaten  als Pflegeassistent in der Fachpflegeeinrichtung „Haus am Bibowsee“ in Nisbill – zusammen mit  seiner künftigen Braut  Fu Xiaoting (26) sowie der gleichaltrigen Li Bingxing und Wang Yanan (33).  Sie haben unterschrieben, in Deutschland für fünf Jahre zu arbeiten.  Eigentlich war man zu Fünft, doch Wen Zhu bekam großes Heimweh, sie  kehrte im August ins Reich der Mitte zurück.

Wie war das erste Jahr? Yangyang, der  auch schon mal  die Dolmetscherrolle  übernimmt, da er im Gegensatz zu den Frauen bereits sehr gut Deutsch spricht, freut sich über die Abwechslung und dass „ein kleiner Freundeskreis entstanden ist mit Katrin Niens sowie Gabi Waack von der Hausleitung. Katrin ist die wichtigste Bezugs- und Vertrauensperson für mich.“ Katrin Niens ist in der Einrichtung zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, unternimmt in der Freizeit so manches mit den Chinesen.

Man lernt sich so besser kennen und es gibt dabei unvergessliche Erlebnisse.  Etwa das gemeinsame Plätzchenbacken bei Familie Niens. „Bei uns ist es Tradition, dass jeder dazu einen Teig mitbringt. Ich habe den Chinesen dreimal erklärt, was ein Plätzchenteig ist. Doch was brachten sie mit? Hefeteig für Brötchen!“

Für die jungen Leute aus Fernost war 2016 auch sonst ein aufregendes Jahr – und das nicht nur wegen des erforderlichen und inzwischen bestandenen deutschen Abschlusses als Pflegekraft. „Wir essen eigentlich morgens, mittags und abends warm“, erklärt Fu Xiaoting. „Bei unsereins würde das sofort auf die Hüften schlagen“, entgegnet Katrin Niens. Bei der deutschen Küche sicherlich, der chinesischen indes ganz  offensichtlich nicht. China-Kohl steht bei Yangyang & Co. häufig auf der Einkaufsliste. „Der schmeckt ein bisschen süß“, so der 27-Jährige. Bittere Kohlsorten sind hingegen nichts für fernöstliche Zungen. Und auch Erbseneintopf aus der Gulaschkanone wie beim Besuch der Krassower Feuerwehr rührten die  Chinesen nicht an. „Meistens kochen wir selber, aber manchmal gibt es auch Kartoffelsalat mit Bockwurst. Aber ohne Senf“, erzählt Wang Yanan, die beim  Trinken auf „Kochwasser“ steht. „Warmes Wasser ist gut für’n Körper“, betont die 33-Jährige, die als einzige des Quartetts verheiratet ist. Ihr Mann und die fünfjährige Tochter Juli – in China ist das ein Blumenname (Lilie) – leben daheim. Der Kontakt besteht fast täglich per Skype, im November war sie für 15 Tage bei Mann und Kind. Sie möchte ihre Familie nachholen. Wang Yanan: „Die Schulbildung in Deutschland ist ganz gut; das Essen und die Luft sind ganz frisch. Hier ist es gesund und sicher.“ Beim Zuzug der Familie  „helfen wir“, merkt Katrin Niens an.

Umzug  in zwei eigene Wohnungen nach Warin Zukunftsmusik. Erst einmal steht ein ganz anderer  Umzug an, auf den sich die vier schon sehr freuen: Mitte Januar beziehen Zhao Yangyang und Fu Xiaoting sowie Wang Yanan und Li Bingxing jeweils eigene Wohnungen in Warin. Derzeit leben sie noch in der Nisbiller Einrichtung.

Auch an den hiesigen Autoverkehr hat sich Yangyang längst gewöhnt. Trotz Fahrerlaubnis ließ er sich noch im Januar zum Einkaufen fahren. „Die Deutschen fahren so schnell, rasen.“ Mittlerweile ist das kein Thema mehr. Der 27-Jährige war mit dem  Citroën C 1, den Dienstwagen möchte er gerne privat übernehmen, „schon in Prag“. Seine künftige Braut Xiaoting  erlebte  in Nisbill, dass „die  Deutschen anders als gedacht sind. Sie sind auch freundlich und höflich, anders als man das in China lernt, wonach die Deutschen keinen Respekt vor den Alten haben und kinderfeindlich  sind.“ 

In Deutschland stehe, so Yangyang, „die Grundpflege im Mittelpunkt der Pflege, die medizinische Behandlung eher weniger als in China“. Das seit 2004 bestehende „Haus am Bibowsee“ beherbergt 132 Bewohner. Über 100 Mitarbeiter betreuen Menschen mit schwerer Demenz, dem Korsakow-Syndrom sowie speziellen Krankheitsbildern rund um die Uhr. 

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