Ventschow : Es war eine 7,5 cm-Sprenggranate

Häufig kann ein Munitionsfund nicht abtransportiert werden und muss noch Ort gesprengt werden, wie hier bei den Panzerminen auf einer Wiese in Metelsdorf im April 2013.
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Häufig kann ein Munitionsfund nicht abtransportiert werden und muss noch Ort gesprengt werden, wie hier bei den Panzerminen auf einer Wiese in Metelsdorf im April 2013.

Fund auf einem Acker bei Ventschow vom Munitionsbergungsdienst gefahrlos abtransportiert. 2017 gab es in MV insgesamt 335 Fundfälle.

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02. Februar 2018, 20:45 Uhr

Auf einem Acker bei Ventschow wurde – wie berichtet – am 1. Februar eine Granate gefunden. Nach dem Hinweis eines Bürgers, der die Polizei informierte, wurde durch diese der Munitionsbergungsdienst eingeschaltet. Der barg die 7,5 cm-Sprenggranate, die in dem Fall gefahrlos durch die Experten abtransportiert und später vernichtet wurde.

Für den Munitionsbergungsdienst ist solch ein Fund wie bei Ventschow Alltag. „Auch wenn der Zweite Weltkrieg seit fast 73 Jahren beendet ist, kommt es doch immer noch jedes Jahr zu mehr als 300 Einsätzen des Munitionsbergungsdienstes, die dieser im Rahmen der Gefahrenabwehr durchführt“, so die Sprecherin des Innenministeriums, Marion Schlender. Da die Munition im Laufe der Zeit immer gefährlicher werde, muss dabei laut der Sprecherin „auch immer häufiger Munition vor Ort vernichtet werden, da ein Transport als zu gefährlich eingeschätzt wird“.

Ein Beispiel der notwendigen Sprengung vor Ort war der Panzerminenfund im April 2013 in Metelsdorf bei Dorf Mecklenburg. Bei Baggerarbeiten zum Abriss der alten Brücke für Fußgänger und Radfahrer über den Wallensteingraben förderte die Baufirma René Brüsewitz aus Neukloster seinerzeit drei Panzerminen der deutschen Wehrmacht aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges an die Oberfläche.

„Da war ein Griff dran, ich habe das erste Ding einfach an die Seite gelegt“, berichtete Brüsewitz seinerzeit gegenüber SVZ. Und sein Arbeitskollege Bernd Rekittke ergänzte: „Bei der Dritten war es blank neben dem Zünder.“ Während der Chef im Bagger saß, standen Rekittke und ein dritter Mann unten am Wasser.

Dann wurde den Männern die Sache zu heiß und Brüsewitz rief den Munitionsbergungsdienst in Schwerin an, der die drei Panzerminen noch am selben Tag etwa 200 Meter entfernt auf einer Wiese sprengte. René Brüsewitz hielt das Ganze mit der Handykamera fest.

2017 in MV: 3,78 Tonnen Kampfmittel geborgen

Der Firmenchef aus Neukloster und seine Mitarbeiter wussten spätestens bei der Sprengung:. „ Da waren neun Kilogramm Sprengstoff drin – pro Bombe!“, erfuhr René Brüsewitz von den Experten.

Brüsewitz wurde Monate später, im Januar 2014, beim Einhängen der neuen Brücke nochmals an den Panzerminenfund erinnert. Kurz zuvor war damals nämlich ein Baggerfahrer in Euskirchen bei Bonn durch eine explodierende Luftmine ums Leben gekommen. Nicht nur wegen dieses tragischen Unglücks warnen Munitionsbergungsdienst sowie Schweriner Innenministerium immer wieder: Wichtig sei es für den Bürger, wenn er etwas Verdächtiges finde, die Munition an Ort und Stelle liegen zu lassen und die Polizei zu informieren, wenn der Verdacht eines Munitionsfundes besteht.

Das immer noch genügend Kampfmittel aus Weltkriegstagen in Mecklenburg-Vorpommern im Boden stecken, beweist die taufrische 2017er-Bilanz. Wie SVZ auf Nachfrage von der Ministeriumssprecherin erfuhr, wurde der Munitionsbergungsdienst im Vorjahr landesweit 335-mal zu so genannten ungeplanten Soforteinsätzen bei zufällig gefundenen Kampfmitteln gerufen.

Dabei wurden sage und schreibe fast vier Tonnen (exakt 3,78) geborgen. In 170 Fällen handelte es sich dabei um „ehemals reichseigene Kampfmittel (Deutsches Reich bis 1945), in 15 Fällen einstige alliierte Kampfmittel und in den restlichen 134 Fällen sonstige Kampfmittel“, so Sprecherin Marlies Schlender.

Die „sonstigen Funde“ unterteilten sich in neuzeitliche Kampfmittel und zivile Munition sowie sichergestellte Pyrotechnik und anderweitige munitionsähnliche Gegenstände.

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