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Erhalt des kulturhistorisch wertvollen Gebäudes : Es rührt sich was im Gutshaus Keez

vom

Löcher im Dach. Fehlende Fenster und Türen. Ein verwilderter Garten. Das Gutshaus in Keez ist in einem desolaten Zustand. Seit Jahren ist das Gebäude der Witterung und Vandalismus ausgesetzt. Das soll sich nun ändern.

svz.de von
erstellt am 28.Aug.2012 | 06:23 Uhr

Keez | Löcher im Dach. Fehlende Fenster und Türen. Ein verwilderter Garten. Das Gutshaus in Keez ist in einem desolaten Zustand. Seit Jahren ist das Gebäude der Witterung und Vandalismus ausgesetzt. Das soll sich nun ändern. Private Initiatoren wollen am kommenden Sonnabend,

1. September, mit der Notsicherung des Gebäudes beginnen, gemeinsam mit den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Brüel. Dies geht aus einem Informationsblatt hervor, das die Keezer vor knapp drei Wochen erhalten haben. In dem Papier sind die Anwohner zudem dazu aufgerufen mitanzupacken.

Unterzeichnet ist der Aufruf von Raingard Berger und Dr. Felix Lüdemann. Sie stehen hinter dem Projekt. Sie sind es auch, die das Informationsblatt im Dorf verteilt und sich und ihr Anliegen bei einigen Bürgern persönlich vorgestellt haben.

Auch der Name des Brüeler Bürgermeisters Hans-Jürgen Goldberg steht auf dem Handzettel - aber ohne Unterschrift und Titel. Darin sehen einige Keezer Klärungsbedarf. So auch Klaus Dieter Kähler. "Das Kuriose ist: Der Bürgermeister wird zwar genannt, seine Unterschrift fehlt aber", äußert der 61-Jährige. Sein Nachbar Jan Schmidt ist ebenfalls skeptisch. Er hält nicht viel von der Aktion. "Von uns geht keiner hin. Warum auch. Wir wissen ja nicht mal, wem das Haus gehört", so der 41-Jährige.

Die SVZ hat nachgefragt. Bei den Initiatoren handelt es sich zum einen um Raingard Berger. Ihr gehören die Gutshäuser in Warkstorf und in Klein Grabow. Zudem ist sie Inhaberin eines Hotels in Wismar und seit 2009 als Parteilose für Bündnis 90/Die Grünen in der Wismarer Bürgerschaft vertreten. Dr. Felix Lüdemann zum anderen ist Eigentümer des Gutshauses in Weitendorf. Darüber hinaus ist er Mitglied der AG Gutsanlagen und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung Herrenhäuser und Gutsanlagen in Mecklenburg-Vorpommern. Beide Organisationen haben sich dem Schutz kulturhistorisch wertvoller Gebäude verschrieben. Ebenso wie Berger und Lüdemann. Sie setzen sich unentgeltlich dafür ein,

alte Gutshäuser, Wirtschaftsgebäude sowie andere schützenswerter Anlagen zu erhalten. Dafür wollen sie eine eigene Stiftung gründen, berichtet Berger. "Die Notsicherung des Gutshauses in Keez ist das Pilotprojekt der zu gründenden Stiftung", so die Wismarerin.

Ziel in Keez sei, das Gelände um das

Gebäude freizuscheiden, informiert Lüdemann. Des weiteren sei geplant, den Unrat im Haus zu beseitigen und Öffnungen im Dach sowie Fenster und Türen mittels Holzplatten und Planen zu verschließen, so Berger weiter. "Wichtig ist, dass das Wasser nicht mehr ins Haus kommt", sagt Berger. "Das Gebäude soll nicht länger der Witterung und dem Vandalismus preisgegeben werden", sagt sie.

Der Brüeler Bürgermeister Hans-Jürgen Goldberg bestätigt, dass er von den I nitiatoren über das Vorhaben informiert wurde. Er besichtigte sogar gemeinsam mit ihnen das Gelände. Außerdem habe er sich mit der Geschichte des Gebäudes

beschäftigt und sei zu der Überzeugung gekommen, dass die Bausubstanz des Gutshauses kulturhistorisch wertvoll ist. Das sei belegt, berichtet Goldberg. "Wir können nicht verantworten, dass das Haus weiter vernachlässigt wird", sagt er. Daher hat er seine Hilfe zugesagt - privat als Bürger, nicht in Funktion als Bürgermeister. "Das würde meine Zuständigkeiten überschreiten", erklärt Goldberg. Das ist auch der Grund, warum weder sein Amtstitel noch seine Unterschrift auf dem Informationsblatt vermerkt sind.

Die Freiwillige Feuerwehr Brüel hat sich bereit erklärt, beim Verschneiden der Bäume zu helfen. Die Maßnahme soll den Kameraden dazu dienen, den Umgang mit der Motorsäge zu üben. "Die Feuerwehr unterstützt das Vorhaben, soweit es rechtlich möglich ist", sagt Torsten Reiher, Wehrführer der Brüeler Blauröcke. Sorge machen ihm der Natur- und Umweltschutz. Denn nicht jeder Baum darf ohne weiteres gefällt oder zurückgeschnitten werden. Bisher sei dieser Sachverhalt

ungeklärt, so Reiher.

Bereits vor Monaten haben Berger und Lüdemann ihr Anliegen dem Eigentümer des Keezer Gutshauses vorgestellt. Dabei handelt es sich um die Firma HIT Holz industrie Torgau in Sachsen. Gesellschafter sind Karlheinz Lippmann sowie Günther Hilmer. HIT hat der geplanten Notsicherung zugestimmt.

Nach Angaben der Initiatoren haben auch einige Keezer ihre Mithilfe angeboten. In den Gesprächen vor Ort hätten zahlreiche Anwohner großes Interesse gezeigt sowie die Bereitschaft zu kommen, berichtet Berger als auch Lüdemann.

Bergers Aussage, Eigentümer Günther Hilmer würde ebenfalls vor Ort sein, konnte auf Nachfrage der SVZ nicht bestätigt werden.

Wie viele Helfer sich tatsächlich an diesem Sonnabend einfinden, ist für Berger nicht wichtig: "Auch wenn Herr Lüdemann und ich dort alleine stehen, werden wir trotzdem da sein und etwas machen", sagt sie. "Es ist Zeit, ein gutes Beispiel

abzugeben."

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