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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. September 2017 | 04:32 Uhr

Mustin/Trams : Ertrinkt das Getreide im Regen?

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

In der Löbel KG Mustin gibt es bislang keine Schäden – doch zum Erntebeginn in etwa zehn Tagen wird auf trockenes Wetter gehofft.

von
erstellt am 30.Jun.2017 | 21:00 Uhr

Was bislang vom Himmel kam, war gut für das Wachstum. Berthold Löbel, Landwirt in Mustin, bleibt auch angesichts der größeren Niederschlagsmengen in dieser Woche entspannt und zuversichtlich. Getreide und Raps hätten den Regen vertragen, für den Mais habe der sogar richtig gepasst. „So ein Frühjahr mit reichlich Niederschlägen hatten wir lange nicht“, sieht Löbel die Situation durchaus positiv. Wenn aber so viel heruntergekommen wäre wie in Berlin oder Teilen Brandenburgs sähe es hier anders aus, räumt der erfahrene Landwirt ein. „Das wäre eine Katastrophe. Doch was wir an Regen hatten, nehmen der Boden, die Gräben und Sölle auf.“

Nun hoffe er allerdings sehnlichst auf „ein paar trockene Tage, sonst bekommen wir Probleme mit der Ernte“. Die Wintergerste sei nach jetzigem Stand um den 10. Juli druschreif. Er spreche freilich nur für seinen Betrieb, bei anderen Bedingungen könne der Erntestart früher oder später liegen. Bei zusammenhängend trockenem Wetter wäre die Wintergerste etwa innerhalb von zwei Wochen vom Feld. Die Löbel KG hat das zuerst reifende Getreide auf 260 Hektar angebaut.

Bliebe es feucht, würde sich dadurch nicht nur die Ernte in die Länge ziehen und möglicherweise die Qualität des Korns leiden. Es werde dann auch die Gefahr größer, dass Pilzkrankheiten die Kulturen befallen, diese jetzt aber nicht mehr dagegen behandelt würden, und der Weizen zusammenbrechen, sind bei dem derzeitigen Schauderwetter die Sorgen doch nicht ganz aus dem Kopf.

Nach der Wintergerste reifen Raps und Weizen etwa zur gleichen Zeit. Wo es mit dem Mähdreschern losgehe, werde entschieden, wenn es so weit ist. „Es geht um die Qualität und ist sortenabhängig. Die letzten Jahre waren wir erst im Raps, haben dann dort unterbrochen und erstmal Weizen gedroschen, um den mit hoher Qualität vom Feld zu bekommen“, erklärt Berthold Löbel. Beim Weizen seien es rund 240 Hektar, beim Raps 190.

Der Mais stehe auf leichten Standorten. Nachdem er aufgrund der kalten Tage beim Legen im April spät aufgelaufen sei, habe ihm reichlich Wasser gut getan. Dies gelte auch für das Grünland, besonders die 70 Hektar mineralischer Boden im Naturschutzgebiet in Richtung Lenzener und Upahler See. Die Flächen dürften nur extensiv ohne Dünger bewirtschaftet werden. Durch den Regen wachse das Gras üppig nach, Futter für die mehr als 420 Mutterkühe und ihre Nachzucht. Mit der summiere sich der Bestand auf rund 700 Tiere. „Bei den Niedermoorflächen müssen wir jetzt allerdings aufpassen, damit bei der Nässe die Grasnarbe nicht kaputt geht“, so der Mustiner Landwirt.


Mehr als 50 Kubikmeter an anderthalb Tagen


Es sei „ganz schön viel Wasser in der kurzen Zeit“, sagt Daniel Bohl, stellvertreten-der Vorstandsvorsitzender der Wariner Pflanzenbau eG mit Sitz in Trams-Ausbau, und spricht von mehr als 50 Kubikmetern Regen an anderthalb Tagen. Der Boden sei nun völlig gesättigt. Aber auch er sieht bislang keinen Grund zur Beunruhigung, erst wenn es mit dem Regen so weiter gehe. Dann könnte es gerade kurz vor der Ernte problematisch werden, schlägt Bohl in die gleiche Kerbe wie sein Berufskollege aus Mustin.

„Die Ähren sind voll, und durch die Nässe wird das Getreide schwer.“ Wenn jetzt zu allem Überfluss starker Wind hinzu käme, könnten die Halme instabil werden und umknicken, das Getreide würde sich hinlegen. Große Lagerstellen erschwerten dann die Ernte, so Bohl. „Auf unseren Feldern sind aber bisher nur ganz vereinzelt welche zu
sehen. Darüber mache ich mir noch keine Sorgen.“ Und die Gefahr, dass Getreide ausfalle, wenn es sich hinlege, sei eher gering. „Die Körner sitzen fest in den Ähren, da passiert so schnell nichts.“ Das gelte auch für den Raps, der ohnehin stabiler und somit weniger gefährdet sei. Der könnte eher durch Hagel, den es mitunter selbst im Sommer gebe, Schaden nehmen, wenn Hagelkörner die Schoten zum Platzen bringen.

Rund 1500 Hektar Wintergerste, Weizen und Roggen haben die Wariner Pflanzenbauer auf ihren Äckern. Die Chancen auf gute Erträge stünden gut, wenn das Wetter nicht noch total verrückt spiele. „Wir haben in der Vergangenheit so oft nach Regen gerufen, jetzt ist es ein bisschen viel“, sagt Bohl schmunzelnd. „Aber da kann man nichts machen“, Ackerbau sei nun mal ein Gewerbe unter freiem Himmel.

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