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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

12. Dezember 2017 | 03:55 Uhr

Brüel : Erträge stimmen – Feierlaune auch

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Gute Bilanz beim regionalen Erntefest Warin-Brüel: 75 Dezitonnen Wintergerste pro Hektar, 80 dt/ha Weizen und 40 dt/Raps liegen über dem Durchschnitt.

svz.de von
erstellt am 07.Sep.2014 | 19:08 Uhr

Getreide und Raps sind seit Wochen eingebracht, hier früher, dort etwas später. Insgesamt so zeitig wie lange nicht. Es liegt erst wenige Jahre zurück, als während des Erntefestes, dessen Termin lange vorher feststeht, noch im September Mähdrescher über die Felder rollten. Der verregnete August war Schuld. Die Landwirte können alle Theorie vom Studium und ihre Erfahrung in die Waagschale werfen, es bleibt ein Gewerbe unter freiem Himmel, stark vom Wetter abhängig, betonte Johannes Ullrich, seit April Betriebsleiter vom Agrarhof Brüel, einmal mehr, als er am Sonnabend das regionale Erntefest Warin-Brüel eröffnete.

In diesem Jahr sei vieles anders als sonst gewesen. „Wir hatten fast gar keinen Winter“, erinnerte Ullrich. Der Agrarhof, der auch Winterdienst leiste, habe das deutlich gemerkt, „die Technik stand meist in der Garage“. Die Vegetation begann früh, „fast unheimlich früh“. Die Wasserversorgung der Kulturen sei nicht reichlich gewesen, doch immerhin ausgeglichen, abgesehen von Trockenperioden, die auch nicht fehlten. Noch im Mai hätten die Landwirte „schwer abschätzen“ können, wie die Ernte ausfallen werde. Der Agrarhof habe am 4. Juli und damit ungewöhnlich früh mit der Wintergerstenmahd begonnen. „Da war die Fußball-WM in vollem Gange und Deutschland noch kein Weltmeister“, so Ullrich. Bereits am 12. August habe der Agrarhof den Mähdrusch beendet. Die Ernte sei der Lohn für ein Jahr harte Arbeit, der Strich unter der Rechnung. Die Landwirte würden die Kulturen säen und pflegen, mit ihnen bangen, dass sie gedeihen, und manchmal auch steuernd eingreifen, um optimale Erträge zu erzielen. „Und die liegen in der Region insgesamt über dem Durchschnitt der letzten Jahre“, teilte Ullrich mit. So wurden 75 Dezitonnen pro Hektar Wintergerste, 80 dt/ha Weizen und 40 dt/ha Raps eingefahren. Einige Standorte und auch Betriebe lagen darüber, leichtere Böden, die in der Region genauso vorkommen, gaben weniger her. Der Gesamtertrag bewegt sich etwa zwischen dem in Altkreis und Land. Der Parchimer Kreisbauernpräsident Marcus Schwarzer aus Dobbertin hatte erst vorige Woche bilanziert, dass die Landwirte nur durchschnittlich geerntet und schlechter zum Landesdurchschnitt abgeschnitten hätten. Bei Weizen waren es 70 dt/ha (Land: 85 bis 90 dt/ha), bei Raps 35 dt/ha (Land: 44 dt/ha). Entscheidend dafür, so sieht es auch der Brüeler Agrarchef, seien neben der Bodenqualität die unterschiedlichen Niederschlagsmengen, verbunden mit günstigeren klimatischen Verhältnissen wie etwa an der Ostseeküste.

„Erstaunlich gute Erträge“, schätzte Ullrich ein, habe auch das Sommergetreide gebracht. Und bezogen auf das Motto des Erntefestes „Zicke, Zacke … Heu, Heu, Heu – vom Abmähen bis Zetten“ (Wenden von Erntegut zum Trocknen) sei zur bisherigen Futterproduktion zu sagen, dass Menge und Qualität stimmten, um die Tiere ordentlich zu versorgen.

Jetzt sei die Zeit der Dankbarkeit, einmal gegenüber der Natur, die Respekt verdiene, und gegenüber den Menschen in der Region für ihr Verständnis in den Sommermonaten. „Denn manchmal staubt es oder ist es laut, und manchmal stinkt es auch“, sagte der Brüeler Agrarchef und lud alle zum gemeinsamen Feiern ein.

Erich Giesler aus Zahrensdorf hat selbst jahrelang in der Landwirtschaft gearbeitet, er hänge deshalb wie viele andere seiner Generation daran, interessiere sich dafür, wie es weitergeht. Und beim Erntefest sei er jedes Jahr dabei, sagte der 84-Jährige.

Auch die Landwirtschaft von einst hatte wieder ihren Platz: Dreschflegel, Schrotmühle mit Riemenantrieb, Gerätschaften im bäuerlichen Haushalt, um mit der Hand Korn zu mahlen und selbst Brot zu backen oder Rapsöl herzustellen, altes Handwerk wie die Schmiede, die in keinem Dorf fehlte. „Die jungen Leute interessieren sich leider kaum dafür, nur für die moderne Technik“, bedauerte Walter Burgwedel aus Thurow – und zückte den Fotoapparat als Sohn Thomas den Dreschflegel schwang.

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