Mustin : Erstes Getreide kommt vom Feld

Berthold Löbel ist zufrieden: Die Wintergerste hat gute Qualität. Der Ertrag bewegt sich nach bisherigem Stand mit „knapp an 70 Doppelzentner vom Hektar“ im guten Durchschnitt, sagt der Mustiner Landwirt. Die Löbel KG hat in dieser Woche auf einem 80-Hektar-Schlag die Getreidemahd begonnen.
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Berthold Löbel ist zufrieden: Die Wintergerste hat gute Qualität. Der Ertrag bewegt sich nach bisherigem Stand mit „knapp an 70 Doppelzentner vom Hektar“ im guten Durchschnitt, sagt der Mustiner Landwirt. Die Löbel KG hat in dieser Woche auf einem 80-Hektar-Schlag die Getreidemahd begonnen.

Die Löbel KG in Mustin hat mit der Ernte der Wintergerste begonnen. Der Ertrag liegt geschätzt bei 70 Dezitonnen pro Hektar und damit im Durchschnitt.

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08. Juli 2015, 21:39 Uhr

Das letzte Viertel von dem 80-Hektar-Schlag sollte bei dem unbeständig gewordenen Wetter zur Geduldsprobe werden. Es war am Dienstagabend übrig geblieben und sollte gestern fallen, aber da ging gar nichts. Die Löbel KG hatte Anfang der Woche mit der Getreideernte begonnen und somit in der Region den Auftakt gegeben.

Die Sorte „Lomerit“ zählt langjährig nicht nur zu den ertragsstärksten Sorten Wintergerste, sondern ist auch besonders früh. „Außerdem haben wir voriges Jahr zeitig gedrillt, schon Anfang September“, erklärt Landwirt Berthold Löbel den Erntestart in vorderster Reihe. Das Stroh sei zwar noch teils grün, das Korn aber reif. Es müsse vom Feld, bevor Knickähren entstehen und die Verluste ansteigen.


Vorher Handproben von allen Schlägen


„Die Feuchte ist okay“, so Löbel. „Montagmittag haben wir mit 15,5 Prozent angefangen.“ Der Regen von den zwei Abenden zuvor musste erst heraus. Zuvor waren von allen Schlägen Wintergerste Handproben genommen worden. „Nach den Sorten und dem Auge wussten wir, wo wir anfangen, und die Proben haben das bestätigt“, sagt der Mustiner Landwirt. Die Kornfeuchte habe zwischen 14 und 15,7 Prozent gelegen, in Ordnung, um ohne Trocknung auszukommen. Das Erntegut werde auf Kaltbelüftung gelegt, „da passiert nichts“. Der Betrieb lagere selbst ein, verkaufe das Getreide „scheibchenweise“ und bringe auch Saatgut ein. Dafür war einer der beiden Mähdrescher zeitweilig bei Bolz im Einsatz. Doch sobald ausreichend Vermehrungsgetreide vom Feld sei, würden beide Maschinen auf einem Schlag ernten. Das sei „logistisch günstiger“, beim Abfahren und für die Sicherheit. Ein Wasserwagen mit 8000 Litern und eine Scheibenegge seien beim Mähdrusch vor Ort.

Von dem Schlag, der gleich gegenüber dem Betriebshof liegt, erwartet Löbel „knapp an 70 Doppelzentner vom Hektar“. Das sei guter Durchschnitt bei der Wintergerste. Vor einem Jahr seien es um die
80 Dezitonnen pro Hektar gewesen. „Eine Rekordernte wird es sicher nicht“, prophezeit der erfahrene Landwirt, doch allzu schlecht dürfte sie auch nicht ausfallen. Um sich über Erträge Gedanken zu machen, sei es allerdings noch zu früh. Vieles hänge von den Erntebedingungen ab. Wenn das Getreide reif sei, es aber ein paar Tage regne, knicken die Ähren ab, so dass die Verluste in die Höhe schnellen können. Überhaupt ließen sich Erträge schlecht vergleichen. Es komme immer auf Aufwand und Nutzen an, „was setze ich ein, was bekomme ich rein“, nennt Löbel als Maxime. Was nützten Spitzenerträge, wenn sie teuer erkauft seien. „Am besten ist ein ausgewogenes Mittel, Pflanzenschutz und Düngung nur so viel wie nötig. Das ist ein enormer Kostenfaktor“, betont der Mustiner Landwirt.

Insgesamt baut die Löbel KG 250 Hektar Wintergerste an, genauso viel Weizen, 30 Hektar Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen zum Verkauf als Futtergetreide, „ein bisschen Bienenweide“ sowie 200 Hektar Raps. Dieser sei im Unterschied zu manchen anderen Betrieben auch gut durch den Winter gekommen, obwohl kein gebeiztes Saatgut verwendet werden durfte. Dafür sei der Aufwand im Herbst merklich größer gewesen, die Kultur drei Mal gegen den Rapsglanzkäfer behandelt worden. Stark verbreitet habe sich auch der Erdfloh, fügt
Jennifer Löbel hinzu. Die Tochter des Mustiner Landwirts hat Ende März ihr Masterstudium für Agrarwirtschaft in Neubrandenburg erfolgreich abgeschlossen und arbeitet sich seitdem ein mit der Perspektive, den Betrieb einmal weiterzuführen.


Maisanbau für eigene Mutterkühe


Der bewirtschaftet 1300 Hektar, davon 900 Hektar Ackerland, und hält 750 Rinder, Mutterkühe inklusive Nachzucht, aufgeteilt in elf, zwölf Herden. Fast alle sind jetzt draußen, bis auf 30, die noch abkalben. Zur Silageproduktion wird Mais angebaut, für Nachbarn erledigt der ausgegliederte Dienstleistungsbetrieb die Futtererzeugung ganz oder teilweise. So wurde gestern in Witzin mit dem zweiten Futterschnitt begonnen. Für das Grünland und den Mais war der Regen, der bei der Getreideernte stört, noch viel zu wenig. Alles Gute sei eben selten beisammen, denkt sich Berthold Löbel achselzuckend.

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