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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. November 2017 | 15:11 Uhr

Erstes Alphorntrio in MV gegründet

vom

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erstellt am 29.Okt.2010 | 08:28 Uhr

Witzin | Als der Witziner Baldur Beyer vor 15 Jahren sich an den Bau eines Alphorns heranwagte, ahnte er noch nicht, welche Kreise dieses ungewöhnliche Hobby und die für ihn selbsternannte Therapie nach sich ziehen würden. Denn schon bald meldeten sich bei ihm die ersten Interessenten an diesem ungewöhnlichen Instrument. So auch der Direktor der Kreativen Musikschule in Groß-Laasch (Kreis Ludwigslust). Was war Fakt?

Innerhalb eines Jahres mit intensiven 15 Jahren Vorarbeit hatte sich der pensionierte Lehrer Baldur Beyer auf autodidaktische Art und Weise seinen Traum erfüllt und ein Alphorn gebaut. Sage und schreibe 1500 Einzelteile mussten dafür angefertigt werden. Formen aus Metall entstanden, Eisen mussten geformt werden. Schweißen und Holzleistenschneiden waren vonnöten. Und alles in Millimeterarbeit. Verarbeitet werden konnte nur 20 bis 30 Jahre lang gelagertes Fichtenholz mit einer entsprechenden Maserung.

Innerhalb eines Jahres zwei weitere Alphörner gebaut

Und noch eine Voraussetzung musste erfüllt werden: Das Fichtenholz musste in etwa 3000 Metern Höhe gewachsen sein, sollte es den richtigen Klang erzielen. Hierbei war ihm der inzwischen verstorbene Witziner Stellmacher Günter Borchert behilflich, der noch 20 Jahre alte Bretter gelagert hatte.

Inzwischen sind unter den geschickten Händen von Baldur Beyer zwei weitere Alphörner entstanden. Innerhalb eines Jahres und in der gleichen Bauart in Stimmung F. Was natürlich entsprechende Routine voraussetzt. Im Oktober dieses Jahres testete Baldur Beyer gemeinsam mit Ricardo Danielzik - zu ihm entstand inzwischen ein freundschaftliches und fruchtbringendes Verhältnis - im Rahmen einer Orchesterprobe die drei Alphörner. Die sie erlebten, waren begeistert. Doch damit nicht genug. In dieser Zeit wurden die drei Alphörner in der Witziner Kirche jeweils als Solo-, Duo- und Trio abgestimmt.

25 Spielsätze sind geplant, fünf schon komponiert

Und welche Überraschung: Die Töne passten hervorragend zusammen. Für die beiden Musikusse Grund genug für einen Spontan-Entschluss: Wir gründen das 1. Mecklenburger Alphorn-Trio. Gesagt, getan. Und Trio deshalb, weil noch ein interessierter Schüler von Ricardo Danielzik, nämlich Steffen Palme, hinzukam. Und weitere Schüler haben bereits Bedarf angemeldet. So auch ein Tubist aus Danielziks Orchester. Für ihn muss extra ein Bariton-Mundstück angefertigt werden.

"Unser Ziel ist es, künftig auf ein Repertoire von 25 Stücken bzw. Spielsätzen zurückgreifen zu können", so Baldur Beyer. "Die ersten fünf Stücke, Alphornrufe und Echo, sind dreistimmig von Ricardo bereits geschrieben." Und dann erzählte er noch, dass man schon einige Voraussetzungen erfüllen müsse, wenn das Spielen auch klingen solle. "Für die Spieler müssen auch die passenden Mundstücke nach der Anatomie jedes einzelnen angefertigt werden. Das heißt, Lippenform und Mundhöhle spielen dabei eine große Rolle. Und so habe ich mich gleich darangemacht und die Mundstücke gedrechselt."

Inzwischen sind Baldur Beyer und Ricardo Danielzik mit dem Alphornblasen schon an die Öffentlichkeit getreten. Das erste Mal in Dabel bei einem Volksfest und das zweite Mal beim diesjährigen Rosenfest vom Verein Dialog & Action. Und es sollen noch weitere folgen. Bis dahin muss noch fleißig geübt werden. Wie Baldur Beyer weiter erzählte, werde mit dem Alphornblasen in unseren Breiten auch eine alte Tradition des frühen Mittelalters wiederbelebt. So gebe es nachweislich in Parchim den Fund einer zwei Meter langen Holztrompete aus dem 11. Jahrhundert. Und im Ort Lübzin, Kreis Güstrow, sind 1835 zwei Luren aus der bronzezeitlichen Frühbesiedlung Mecklenburgs gefunden worden. Alles Gründe, sich mit dem Alphornblasen wieder mehr zu beschäftigen.

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