Kobrow : Erste Rotmilane im Nest besucht

Bevor die Jungvögel zum Beringen in einen Beutel kamen und herunter gelassen wurden, machte Baumkletterer Karsten Woldt einen Schnappschuss hoch oben im Nest.  Fotos: Landschaftspflegeverband (2)
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Bevor die Jungvögel zum Beringen in einen Beutel kamen und herunter gelassen wurden, machte Baumkletterer Karsten Woldt einen Schnappschuss hoch oben im Nest. Fotos: Landschaftspflegeverband (2)

Der Sternberger Landschaftspflegeverband hat mit Unterstützung von Spezialisten erstmals Nachwuchs des Greifvogels beringt und Flügelmarken gesetzt.

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16. Juni 2015, 21:19 Uhr

Im Sternberger Seenland wurde das erste Mal Nachwuchs von Rotmilanen beringt. Ein Jungvogel, der groß genug war, erhielt zudem Flügelmarken. Damit setzt der Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet (LSE) in Kobrow II seine Arbeit am Artenschutzprojekt „Land zum Leben“ fort, das seit Dezember 2013 in elf Regionen Deutschlands läuft und vom Bundesamt für Naturschutz gefördert wird. Es zielt darauf, Brutbestand und Gefährdung des Greifvogels zu untersuchen, um Maßnahmen abzuleiten, die ihm wieder mehr Lebensraum und Nahrung verschaffen, um die Existenz zu sichern.

Anhand der Beringung lässt sich bei tot aufgefundenen Vögeln ihre Herkunft feststellen, mit der Flügelmarke sogar ihr weiterer Weg verfolgen, etwa ob hier geborene Rotmilane aus dem Winterquartier, meist Spanien oder Frankreich, zurückkehren, erklärt LSE-Geschäftsführer und Projektleiter Hans Diederichs. „Mit einem guten Fernglas ist es durchaus möglich, die Flügelmarken zu erkennen, wenn der Rotmilan fliegt.“


In den drei Horsten sechs Jungvögel


Früher sei er selbst geklettert, doch das müsse er sich schon längst nicht mehr antun, meint Dr. Horst Zimmermann lächelnd. Mittlerweile ist er 75, doch immer noch ehrenamtlich unterwegs, um Vögel zu beringen. Auf Langenwerder, einer unbewohnten und unter Naturschutz stehenden Insel nahe Poel, werden einmal jährlich Arten von Schnepfenvögeln gekennzeichnet, in der Lewitz Kleinvögel, die im Schilf leben. Erstere werden zum Beringen mit Reusen eingefangen, die in der Lewitz mittels einer speziellen Anlage im Fischteich. Bei Turmfalken in Kirchen sowie Uhus im Grambower Moor war der Fachmann aus Schwerin auch in Aktion. Dazu sei übrigens eine Beringungserlaubnis der Behörden notwendig.

Beim Einsatz diesmal im Sternberger Seenland braucht der Beringer Unterstützung. Baumkletterer Karsten Woldt vom Landschaftspflegeverband Mecklenburger Endmoräne in Schloen bei Waren/Müritz war bereits in seinem Bereich in Aktion. „Wir arbeiten auch an dem Artenschutzprojekt und unterstützen uns gegenseitig“, so Woldt.

Er muss etwa 25 Meter hoch, steckt die Kleinen in einen Beutel und lässt den an einem Seil herunter. Argwöhnisch kreisen die Altvögel in der Zeit über dem Nest und beobachten das Geschehen, manche aus respektvoller Entfernung, andere kommen näher, doch Streit sucht keiner. Drei Horste werden aufgesucht. Es finden sich jeweils ein, zwei und drei Jungtiere. Alle sind in einem guten Ernährungszustand und können beringt werden. Wie sich zeigt, lag Marika Schuchardt vom Sternberger Landschaftspflegeverband bei zwei Horsten mit Brutbeginn und Altersbestimmung, vorher von unten bei Begehungen ermittelt, in etwa richtig. „Bei einem hatte ich zunächst einen früheren Brutbeginn und damit ein fast vollständig ausgeprägtes Jungtier vermutet. Es war aber erst ca. zwei Wochen alt. Geahnt hatte ich das allerdings schon bei der abschließenden Kontrolle am Vorabend, da die Rufe nur sehr zart klangen und die Kotspritzer nicht in dem Maße den Waldboden erreichten wie bei einem älteren Jungtier“, so Schuchardt. Vom Erdboden aus sei der Nachwuchs in den großen Nestern im „Kiefernkuschel“ oder Blattwerk der Bäume nur selten oder gar nicht zu sehen bzw. erst im Ästlingsalter kurz vor dem Ausflug. In den Horsten findet der Baumkletterer Nahrungsreste wie Knochen, Fell, Federn, Gräten, aber auch Zellstofftaschentücher, Kleidung, Sackmaterial und ähnliches.

Mindestens ein Jungtier sei auf einem weiteren Horst einem Raubsäuger zum Opfer gefallen, bedauert Schuchardt. Bei derzeit nur neun bekannten Brutpaaren auf den untersuchten 300 Quadratkilometern schmerze so ein Verlust sehr. In der Region gäbe es weitere Revierpaare; die hätten aber entweder keine Brut begonnen oder sie sehr früh aufgegeben.

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