Zahrensdorf : Erntefinale mit verhagelter Bilanz

Der Hänger ist voll: Landwirt Sebastian Bohnsack, ein Wariner, der in der Landwirtschaftsgesellschaft Zahrensdorf arbeitet, fährt Getreide von den beiden Mähdreschern ab. Fotos: Rüdiger Rump
1 von 2
Der Hänger ist voll: Landwirt Sebastian Bohnsack, ein Wariner, der in der Landwirtschaftsgesellschaft Zahrensdorf arbeitet, fährt Getreide von den beiden Mähdreschern ab. Fotos: Rüdiger Rump

Die Landwirtschaftsgesellschaft Zahrensdorf rechnet mit 35 bis 40 Prozent weniger Ertrag. Zusätzliche Kosten entstehen durch Trocknung der Körner und Umwege für die Fahrzeuge.

von
26. August 2016, 20:45 Uhr

Die Sonne hat noch einmal alles gegeben – gerade zur rechten Zeit, um das letzte Getreide einzubringen. Als der ergiebige Regen am Dienstag die Ernte erneut stoppte, hatte die Landwirtschaftsgesellschaft (LWG) Zahrensdorf noch 115 Hektar Weizen auf zwei Feldern bei Penzin auf dem Halm. „Bis die Druschfeuchte der Körner auf 14,5 Prozent herunter ist und wir ohne Trocknung auskommen, dauert es zwei Tage“, prophezeite darauf Geschäftsführer Torsten Schrein. Er sollte Recht behalten. Donnerstagmittag beim Start ins Erntefinale waren es 15,4 Prozent und damit wieder zusätzliche Kosten für das Trocknen.

„Auch vorher haben wir die 14,5 Prozent dieses Jahr an keinem Tag erreicht, bestenfalls bei zwei, drei Zügen, aber die kann man vernachlässigen“, sagt Schrein. Die Kornfeuchte von 15,5 um ein Prozent herunter zu bekommen, koste 12,80 Euro pro Tonne. Das schlage ins Kontor, zumal die Weizenpreise mit 158 Euro pro Tonne im Keller seien. „Und das für A-Qualität“, fügt der erfahrene Landwirt hinzu.


Nässe und Nachtfrost hatten Kulturen zugesetzt


Weitere Zusatzkosten entstünden den Zahrensdorfern in dieser Ernte durch Umwege, die sie wegen der Straßenbauarbeiten bei ihnen vor der Tür fahren müssen, vom Zeitverlust ganz abgesehen. Wie viel genau, lasse sich derzeit noch nicht beziffern.

Auch beim Ertrag hatte der Betrieb schon deutlich bessere Jahre. Der Raps brachte diesmal nur 24 Dezitonnen pro Hektar, bilanziert Schrein, sonst seien es über 40 gewesen. „Wir hatten einen nassen Winter, was der Raps nicht so mag.“ Auch dem Getreide habe die Witterung arg zugesetzt. Nach den milden Wintertemperaturen sei die Vegetation schon zeitig im Frühjahr in Bewegung gekommen, doch dann hätten starke Nachtfröste ihr Werk getan. Die Zellwände in der Pflanze würden platzen, so dass diese absterbe, erklärt der Fachmann. Dadurch entstünden – selbst für Laien erkennbar – kahle Stellen. Die Wintergerste sei zu etwa 15 Prozent ausgewintert. Andere Betriebe hätten sogar stark geschädigte Bestände umgebrochen. Auch der Weizen sei stellenweise ausgedünnt gewesen, regional ganz unterschiedlich. Der LWG-Geschäftsführer rechnet beim Getreide mit 35 bis 40 Prozent weniger Ertrag als in den letzten Jahren; die genaue Abrechnung stehe noch aus. Mehr oder weniger unzufrieden dürften aber wohl die meisten Landwirte sein, meint Schrein.

Ihm treiben die enormen Ertragseinbußen und zusätzlichen Kosten Sorgenfalten auf die Stirn. Die LWG sei ein Mischbetrieb, der mit Erlösen aus dem Pflanzenbau die Milchproduktion, die seit anderthalb Jahren „in Schieflage“ sei, „quer subventioniert“. Die verhagelte Erntebilanz biete dafür in diesem Jahr kaum Spielraum.

21 Cent pro Liter Milch zahle die Molkerei derzeit, 34 Cent müssten es sein, um erst einmal die Kosten zu decken. Würde die Produktion aufgegeben, stelle sich die Frage, wie der Betrieb die 290 Hektar Grünland nutze. „Wir haben auch eine Verpflichtung gegenüber den acht Mitarbeitern in diesem Bereich“, betont Schrein. Auch der Futteranbau fiele weg. Um den Milchmarkt spürbar zu entlasten, „müssten alle in der EU auf bestimmte Mengen verzichten“, was praktisch jedoch kaum vorstellbar sei. Seiner Meinung nach werde das Hilfsprogramm auf freiwilliger Basis in MV aber ebenso wenig greifen.


Raps fürs nächste Jahr rechtzeitig im Boden


Für die Milchviehanlage fahren die Zahrensdorfer von den beiden Weizenschlägen noch 1500 Bunde Stroh ein. Dann sei die Getreideernte abgeschlossen, folgten Stoppelsturz und die Saatvorbereitung für frühe Weizensorten, bevor Wintergerste und zuletzt die späten Sorten in den Boden kommen. Die Anbaufläche von 450 Hektar Weizen, 250 Hektar Wintergerste und 340 Hektar Mais bleibe nahezu konstant, die von Raps habe sich um 40 auf 300 Hektar erhöht. Die Felder seien im vorgesehenen Zeitfenster zwischen dem 15. und 25. August bestellt worden in der Hoffnung auf höhere Erträge im nächsten Jahr. Die Saat habe in dieser Woche ersten Regen bekommen. Dafür sei der gut gewesen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen