Brüel : Erneute Grabschändung

Gerhard Gröger ist einfach „nur traurig“: Er zeigt auf die Stelle, wo bis zum vergangenen Wochenende noch das schmiedeeiserne Eingangstor zur Grabstelle seiner Eltern war. Fotos: Roland Güttler (2), privat
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Gerhard Gröger ist einfach „nur traurig“: Er zeigt auf die Stelle, wo bis zum vergangenen Wochenende noch das schmiedeeiserne Eingangstor zur Grabstelle seiner Eltern war. Fotos: Roland Güttler (2), privat

Gerhard Gröger ist fassungslos: „Was für Menschen sind das, die so etwas tun?“ / Eisentor an der letzten Ruhestätte seiner Eltern gestohlen.

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24. Juni 2015, 22:52 Uhr

"Traurig, einfach nur traurig“, sagt Gerhard Gröger, als er gestern Früh auf dem alten Brüeler Friedhof von  der Grabstelle seiner Eltern Rudolf und Irmgard Gröger  steht. Zwischen Freitagnachmittag und Sonntagmorgen ist die historische Eisenzaun-Eingangstür gestohlen worden. 

„Ich bekam regelrecht einen Schock, als  ich  die furchtbare Entdeckung machte. Freitagnachmittag war mein Sohn Michael noch auf dem Friedhof gewesen, Sonntag wollte ich dann die Blumen wechseln. Dazwischen ist der Diebstahl passiert“, so der 64-Jährige, der hinzufügt: „Da hier vor Wochen bereits mehrere Eisentore und Ketten  entwendet worden, fragt man sich; was für Menschen sind das, die so etwas auf einem Friedhof tun!“

Vor Monatsfrist waren – SVZ berichtete – von drei Gräbern des alten Brüeler Friedhofs die schmiedeeisernen Tore abmontiert worden und von einer weiteren Umzäunung  die Ketten. Dadurch seien, so Gröger, „die Grabstellen nicht nur unansehnlicher, auch wird damit  Friedhofskultur zerstört“.  Denn einige Grabstätten stehen unter Denkmalschutz, darunter auch die der Grögers. „Diese Stätte  ist zwischen 100 und 120 Jahre alt“, wie Nachforschungen von Gerhard Gröger ergaben. Durch die Diebstähle verschwände zudem „eine unvergleichliche Art von Friedhofskultur, die somit nicht mehr der nächsten Generation gezeigt werden kann“.

Bei den Grögers handelt es sich um eine alteingesessene Brüeler Familie. „Der Großvater lebte lange in der Stadt. Mein Vater wurde 1914 bereits hier geboren, ich später auch“, erzählt der 64-Jährige und ist immer noch fassungslos über das Geschehene. Dabei hatte er nach der Freveltat vom Mai noch gedacht, dass die Grabstätte seiner Eltern  davon verschont bliebe, „da man das Tor nicht so einfach rausheben konnte“. Doch Gerhard Gröger irrte sich, leider. „Mit brachialer Gewalt, wahrscheinlich mit einem Kuhfuß oder ähnlichem wurde das Tor regelrecht rausgebrochen.“

Für den Mecklenburger  ist das alles immer noch unbegreiflich. Er kann nur immer wieder den Kopf schütteln vor so viel Unverfrorenheit und Herzlosigkeit. Ja, Gerhard Gröger versteht die Welt nicht mehr: „Die Grabstelle der Eltern hat Kriege überdauert und Gesellschaftsordnungen. Zu DDR-Zeiten hat es so etwas  nicht gegeben.“ Sein Vater Rudolf habe „über zehn Jahre, bis 1988, als Friedhofswärter hier gearbeitet“. Besorgt fragt sich Gerhard Gröger: „Was ist als nächstes dran: Grabsteine, Grabumrandungen und andere  Gegenstände?“

Dass das markante Tor beim Schrotthändler landet, daran glaubt der Brüeler nicht: „Dies lohnt sich materiell nicht. Das wird sich bestimmt einer mit Sandstrahlgebläse aufarbeiten, damit es irgendwo als Zierde dann hingestellt wird.“

Nach dem Mai-Taten meinte Brüels Friedhofswärter Matthias Manthei gegenüber SVZ:  „Wir vermuten, dass es … Leute (sind), die die Sachen aufarbeiten und dann  auf Trödel- oder Antikmärkten anbieten.“

Die  Sternberger Polizei war laut Gröger  „am Montag da“ und habe Ermittlungen aufgenommen. Bei den Mai-Vorfällen hatte seinerzeit die Stadt Brüel Anzeige erstattet.

Die Ermittlungsbehörden  setzen auch auf die Mithilfe aus der Bevölkerung. Hinweise bitte an  das Kriminalkommissariat Crivitz (03863/ 5500) bzw. ans Polizeirevier Sternberg (03747/ 43270).

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