Brüel : Erklärtes Paradies der Familie

Brunhild Krohn ist jeden Tag in ihrem Garten.
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Brunhild Krohn ist jeden Tag in ihrem Garten.

Die 89-jährige Brunhild Krohn hat als Berliner Kind den Roten See lieben gelernt und ist 1997 aus der Hauptstadt nach Brüel gezogen.

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15. Juni 2015, 22:49 Uhr

Noch ist die Straße, die von Brüel aus zum Roten See führt, auf knapp 1000 Metern eine Baustelle (SVZ berichtete). Ist sie freigegeben, geht es auf glattem Asphalt zum beliebten Badesee. „Brüel bekommt eine neue Straße zum Roten See, wie schön!“, freut sich auch Brunhild Krohn. Für die 89-Jährige, die 1997 aus Berlin nach Brüel gezogen ist, verbinden sich mit keiner anderen Straße in der Stadt so viele schöne Erinnerungen.

Und die gehen bis in die frühe Kindheit zurück. „Ich musste an die vielen Wege denken, die ich mit meinen Eltern, Verwandten und Freunden gegangen bin. Damals, vor fast 100 Jahren, führte eine sandige Landstraße zum Ziel. Zwar war der Grund unserer Wanderung immer das erfrischende Bad im See, in dem ich mit vier Jahren das Schwimmen erlernte, aber für mich als Großstadtkind war schon der Weg ein Erlebnis“, so Brunhild Krohn. In Brüel hatten die Großeltern und ein Onkel gelebt.

Damals, so erzählt sie, habe der Weg an einer Windmühle vorbeigeführt. Manchmal hätten sich die Flügel gedreht. „Kamen wir in die Niederung, pflückte Mutti ihren Hustentee: Lindenblüten. Wie das duftete! Wie die Bienen summten! Im Wald rief Mutter den Vögeln ihre Stimmen nach. Das war lustig, z.B. die Taube: ,Du Düwel, du, du Düwell du, du! Gib mir meine bunte Kuh du, du!’ und der Buchfink: ,Ich, ich, ich schreib an die Regierung.“ Auch an Großmutters Wunsch erinnert sich die 89-Jährige: „Holt mi Kaffee holt!“ Fleißig hätten sie dann auf dem Rückweg vom Roten See „Kienäppel“ gesammelt. Damit habe die Großmutter das Wasser zum Sieden für den Kaffeeaufguss gebracht. So sei der Weg „durch diese schöne Mecklenburger Landschaft“ für sie als Berliner Kind zu einem beglückenden Erlebnis geworden, das sie mit etwa zehn Jahren sogar in einem Vers festgehalten hat: „Der Weg zum Roten See – Erst steigt man auf den hohen Berg, links und rechts von Feldern umgeben. Dann kommt man ins tiefe Tal, wo unter Linden Schmetterlinge schweben. Nun geht man in den Wald, wo die Rehlein lustig springen und die Vöglein lustig singen. Und dann steht man vor dem stillen See. Und sieht ihn von Wäldern umgeben. Und darüber Libellen schweben.“

Der Vers und eine Ansichtskarte vom See hatten fortan ihren Platz in Berlin, an der Wand neben dem Bett, „gleichsam als Trost gegen etwaige Trübsale und Verheißungen auf die nächsten Ferien“.

Roswitha Spöhr

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