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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 18:01 Uhr

brüel : Erinnerung an die Heimat bleibt

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Heute vor 70 Jahren: Mit 13 Jahren wurde Horst Breiksch zum Kriegsflüchtling.

von
erstellt am 21.Jan.2015 | 16:22 Uhr

Das Erlebte wird Horst Breiksch nie vergessen. Heute wird es besonders wach: Am 22. Januar 1945 – heute vor 70 Jahren – hatte er Haus und Dorf verlassen müssen. Mit 13 Jahren wurde Horst Breiksch zum Kriegsflüchtling.

Aufgewachsen und zur Volksschule gegangen ist der heute 83-Jährige in Paterswalde in Ostpreußen, rund 50 Kilometer von Königsberg entfernt. In Wehlau, der damaligen Kreisstadt, hat er das Gymnasium besucht. „Meine Großeltern hatten ein Haus, in dem wir und zwei weitere Mietparteien wohnten“, erinnert er.

Dann kam der 22. Januar 1945: Als 13-Jähriger habe er schon sehr genau mitbekommen, was um ihn herum passiere und was Krieg sei, sagt Horst Breiksch. Seine Familie habe damals quasi bis zur letzten Sekunde gewartet, bevor sie sich auf die Flucht nach Königsberg begeben hatte. Der 13-Jährige versorgte sogar noch seine vier Kaninchen mit reichlich Heu und Rüben, in der Hoffnung, schnell wieder zurück zu kommen. „Meine Großmutter ist im 1. Weltkrieg auch geflüchtet und als sie nach vier Wochen zurück kam, schwammen die Enten noch auf unserem Bach. Daran habe ich damals gedacht“, sagt er.

Mit dem Fahrrad des seit 1944 in Lettland vermissten Vaters, das er bis dahin nur putzen, aber nie benutzen durfte, mit einem Koffer und einem Rucksack fuhr der 13-Jährige zum Bahnhof nach Wehlau, Mutter und Großmutter folgten im einem Militärfahrzeug. „Durch die Hektik haben wir meine Großmutter schon auf dem Bahnhof verloren. Meine Mutter und ich wurden in einen einzelnen Personenwagen gesteckt. Man sagte uns, es wäre der letzte Räumzug. Plötzlich erschien ein Eisenbahner und sagte, wir sollen Fenster und Türen öffnen, die Eisenbahnbrücke würde gesprengt.“ Was folgte, waren ein fürchterlicher Knall und Steinbrocken, die bis auf das Wagondach flogen. Für die Fahrt bis Königsberg, die sonst eineinhalb Stunden gedauert hatte, brauchten Horst Breiksch und seine Mutter dieses Mal 24 Stunden! In Königsberg kamen beide bei einem Onkel unter und, fanden nach vier Wochen die Großmutter wieder. „Allerdings ohne Holzkoffer mit allen Papieren und Sparkassenbüchern. Das hatten die Eisenbahner in Wehlau erledigt“, sagt der 83-Jährige.

Der 13-Jährige blieb elf „harte“ Wochen in Königsberg, erlebte nächtliche Bomben- und Artilleriebeschüsse. „Die rausgeflogenen Fensterscheiben wurden am Tag mit Pappe zugenagelt“, erinnert er sich.

Weil der Weg nach Berlin nur über die Ostsee möglich war, harrte die Familie angesichts der kalten Jahreszeit aus. Dann, am 2. April 1945, begann zum zweiten Mal die Flucht.

 
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