zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. November 2017 | 18:57 Uhr

Sternberg : Erinnern, gedenken, nachdenken

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Nach 70 Jahren Kriegsende fand am Ehrenmal in Sternberg eine Gedenkfeier und Kranzniederlegung statt. Gymnasiasten legten die Sicht junger Leute dar.

von
erstellt am 08.Mai.2015 | 20:53 Uhr

Mit einer bewegenden Gedenkfeier und Kranzniederlegung erinnerten Sternberger und Gäste am Ehrenmal für die Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft an das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Befreiung vom Nationalsozialismus auf den Tag genau vor 70 Jahren. Zum ersten Mal hatte die Stadtvertretung gemeinsam zu einer Gedenkveranstaltung am 8. Mai eingeladen. Ihr folgten führende Kommunalpolitiker aus Sternberg und umliegenden Gemeinden, Bürger und Schüler der Stadt, Vertreter des Landkreises und Landtagsabgeordnete.

Dies sei kein Feiertag, sondern ein Tag des Erinnerns, des Gedenkens, des Nachdenkens, sagte Bürgervorsteher Eckhardt Fichelmann in seiner Ansprache. „Wir gedenken besonders der Opfer in den Konzentrationslagern, darunter sechs Millionen Juden. Wir denken an die Toten und Verwundeten aller Staaten auf den Kriegsschauplätzen. Wir gedenken der Opfer, die bei Fliegerangriffen in der Heimat, auf der Flucht und in der Gefangenschaft ums Leben kamen. Wir denken an die Opfer des Widerstands in allen Ländern.“ Es gehe nicht darum, die Vergangenheit zu bewältigen. Das könne man gar nicht. Sie lasse sich nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließe, werde blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern wolle, der werde wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren. Mit diesen Sätzen zitierte Fichelmann den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

Brutale Kriege bedrohten das Leben von Menschen vor allem im Nahen Osten und in Afrika, weltweit seien rund 50 Millionen auf der Flucht. „Viele Flüchtlinge sind so verzweifelt, dass sie ihre Heimat verlassen und in fremden Ländern Schutz suchen, in Deutschland und vielleicht auch bald in Sternberg“, so der Bürgervorsteher weiter. In der Geschichte hätten Millionen Deutschland verlassen, um ihr Leben zu retten, oder aus Ostgebieten fliehen müssen. Alle seien aufgenommen worden. „Heute: Dürfen wir uns verweigern, Flüchtlinge der heutigen Kriege aufzunehmen? Heute: Ein Flugblatt der NPD in Sternberg. Pegida, MV-Gida. Fremdenhass in Deutschland.“ Wo bleibe die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, fragte Fichelmann. „Wir sind dankbar, dass wir 70 Jahre in Frieden leben konnten, dass es vor 25 Jahren zu einer friedlichen Vereinigung der durch Mauer, Stacheldraht, Minen und Schusswaffen getrennten deutschen Staaten kam, dass Europa näher zusammengerückt ist“, so der Redner. Die sich an diesem Ort des Gedenkens zusammengefunden hätten, seien nicht verantwortlich für das, was geschehen ist, aber alle hätten eine Verantwortung, sich dafür einzusetzen, dass so etwas nicht wieder passiert.

Die Sicht von jungen Leuten auf diesen Gedenktag legten Luise Fels und Martin Kadow aus der 10.2 von Verbundener Regionaler Schule und Gymnasium „David Franck“ dar. In der Schule hätten sie darüber gesprochen und gemeinsam in der Klasse die beiden Reden ausgearbeitet. Der Chor sang eigens einstudierte Lieder. In einem aus dem Jahre 1942 ging es um einen Mandelzweig, der Blüten tragen werde.

Uwe Seppmann, Diakon des christlichen Gästehauses in Loiz, der den 170 Kilometer langen Weg der Pilger und Mahner auf der Strecke des Todesmarsches von Ravensbrück nach Raben Steinfeld begleitet hatte, verlas ein Gebet aus dem Frauen-KZ in Ravensbrück. Darin heißt es, „dass wir, wenn alles vorbei sein wird, leben dürfen als Menschen unter Menschen, und dass wieder Friede sein möge auf dieser armen Erde“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen