Neukloster : „Erinnern eröffnet Zukunft“

Zehntklässler stellten eine DDR-Schulszene nach. Fotos: Ines Engelbrecht
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Zehntklässler stellten eine DDR-Schulszene nach. Fotos: Ines Engelbrecht

Acht- bis Zehntklässler der regionalen Schule Neukloster entdeckten im Projekt „Zeitensprünge“ Spuren der friedlichen Revolution.

svz.de von
07. November 2014, 16:29 Uhr

Wie stellen sich Jugendliche ihre Zukunft vor und welche Erfahrungen und Spuren hat die friedliche Revolution vor 25 Jahren bei den Menschen hinterlassen? Das war ein Projekt, welchem sich Acht-, Neunt- und Zehntklässler der Regionalen Schule in Neukloster ein halbes Jahr lang widmeten. Die Ergebnisse wurden unter dem Titel „Erinnern eröffnet Zukunft“ in der Gymnasiums-Aula der Öffentlichkeit präsentiert.

„Die Jugendlichen befragten Familienmitglieder und Bekannte, die die DDR-Zeit miterlebt haben. Für ihre eigenen Zukunftsvorstellungen, die aus der friedlichen Revolution von vor 25 Jahren resultieren, haben sie einen Zeitenstrahl angefertigt“, erzählt Schulsozialarbeiterin Simone Benke-Saathoff. Die Warinerin unterstützte die Schüler im Rahmen des außerschulischen Projekts.


Schüler fragten Eltern und Großeltern


„120 Schüler nahmen an der Aktion teil, darunter auch noch die ehemalige zehnte Klasse. Sie führten ein Brainstorming durch und formulierten dann Fragen über Lebensmittel, Autos und die Schule in der DDR, wobei sie über drei A4-Seiten zusmmen bekommen haben“, erzählt Benke-Saathoff anerkennend. Zu den Fragen gehörten: Was schätzten Sie an der DDR? Wie hatten Sie sich eingerichtet? Wovor hatten Sie Angst? Was änderte sich mit der Wandlung „Wir sind das Volk“ zu „Wir sind ein Volk?“ Dabei stellten die Schüler fest, dass es zwei Erzählstrukturen gab. Die einiger Großeltern, die über die Kriegsjahre erzählten, und die der Eltern, wo zielstrebig hinterfragt werden musste.

Zur Befragung, welche Spuren die Revolution 1989 bei ihnen hinterlassen hatte, gehörten auch regionale Persönlichkeiten wie die in Warin wohnende MV-Finanzministerin Heike Polzin, Neuklosters Ex-Bürgermeister Klaus Becker oder Karlheinz Polzer aus Nevern. Letzterer, 1989 Mitglied des Neuen Forums in Wismar, unterstütze das Projekt mit Hintergrundinfos.

Zudem wurde ein Aufruf gestartet, „was in den Haushalten die Zeit überdauert hat. Man muss aufpassen, dass sich mit der Zeit das Bild der einstigen DDR nicht verklärt. Wir haben das Jahr 1989 einzufangen versucht – das Gestern und das Heute. In der so genannten Zukunftswerkstatt verbinden wir das Gestern und Heute der Jugend“, so Benke-Saathoff.


Was wichtig ist


An einem Zukunftsstrahl haben die Jugendlichen aufgezeichnet, was ihnen wichtig ist und wie sie sich ihre Zukunft vorstellen. Für viele ist es wichtig einen Berufsabschluss zu haben, einem Job nachzugehen, mit 25 Jahren eine Familie zu gründen, ein Heim/Haus zu haben, im Alter von 50 Jahren die Kinder aus dem Haus zu haben, das eigenen Leben mit dem Partner zu genießen und alt zu werden. Aber auch der Tod der Eltern und Ängste wie der eigene Tod, Verluste, Krankheit und Schulden rührte die Überlegungen an.

Die Schüler erfuhren, dass die Kommunikation beschränkt war auf Briefe, Telegramme, ein Telefon im Dorf oder Telefonzellen. Das kaum andere Lebensstile geduldet wurden – wie etwa Lebenskünstler und Punks. Dass es keine Berichterstattung gab über Überfälle, Unfälle, Vergewaltigungen, Morde. Wenn Verbrechen – dann gab’s hohe Strafen. Es gab keine Pressefreiheit, sondern zensierte Darstellungen.

Die 73-jährige Maria Deckert aus Neukloster hat einen Enkelsohn an der Realschule. „Ich gehe zu allen Veranstaltungen im Ort. Hier erfahre ich, was die jungen Leute geleistet haben. Es ist interessant, was sie erzählen, zusammengetragen haben und wie ihre eigenen Ansichten sind.“

Und Birgit Grelzik, die mit Tochter Birgit (15) gekommen war, meinte: „Wir sind aus Interesse hergekommen. Wenn man denkt, dass dies eine Null-Bock-Generation ist, hat man sich geirrt. Die Schüler haben sich Gedanken gemacht und ihre Gefühle geäußert.“



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