Kobrow : Enten vorzeitig unter dem Messer

Spätestens heute will Volker Krüger die letzten Weihnachtsenten geschlachtet haben. Sonst ging das bis etwa 10. Dezember.
Spätestens heute will Volker Krüger die letzten Weihnachtsenten geschlachtet haben. Sonst ging das bis etwa 10. Dezember.

Ein Geflügelhalter aus Kobrow reagiert auf Stallpflicht im ganzen Land: Die Schlachtung läuft seit dem Wochenende „im Akkord.“

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24. November 2014, 17:21 Uhr

Volker Krüger geht auf Nummer sicher: Falls sich der gefürchtete Vogelgrippe-Virus, der bislang erst weit entfernt in Vorpommern festgestellt wurde, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen vielleicht doch ausbreitet, ist bei ihm alles Geflügel für die Festtage unter Dach und Fach. Seit Sonntag hat der Kobrower, der den Hof seiner Eltern übernahm und im Nebenerwerb betreibt, „im Akkord“ geschlachtet. „Da hat der Tag eben mal 16 bis 18 Stunden“, sagt Krüger. Spätestens heute kämen die letzten Weihnachtsenten unter das Messer und damit zwei, drei Wochen früher als sonst. „Bis etwa 10. Dezember ging das in den Vorjahren. Heute habe mir von Bekannten noch Kühltruhen ausgeborgt, um alles gut unterzubringen“, fügt Krüger hinzu.


Gros der Stammkunden ist versorgt


Vor zwei Wochen war nach Ausbruch der hochansteckenden Geflügelpest in einem 31 000 Puten zählenden Stall ganz im Osten des Landes Stallpflicht für Hausgeflügel zunächst in der Nähe von Wasserrastplätzen von Zugvögeln angeordnet worden. „Da haben wir vorsorglich schon die Hälfte der Enten geschlachtet und das Gros der Bestellungen abgearbeitet. Von unseren Stammkunden liegen die Telefonnummern vor, um die Termine zum Abholen abzusprechen. Die meisten von ihnen sind versorgt“, erzählt Krüger.

Nachdem jetzt bei einer nahe Rügen geschossenen Wildente das Vogelgrippe-Virus H5N8 entdeckt wurde, darf Nutzgeflügel in MV seit Sonnabend nur noch in Ställen oder überdachten Volieren gehalten werden, damit kein Kontakt zu Wildvögeln entstehen kann. „Wir kamen am Sonnabend vom Adventsmarkt bei ,Dornröschen’ in Sternberg, wo wir verkauft hatten, und wollten zu später Zeit gemütlich Kaffee trinken, als wir die Nachricht hörten“, so Krüger. Da sei umdisponiert worden. Stallpflicht verlange wesentlich mehr Aufwand. Außerdem wäre das für die Tiere eine große Umstellung, da sie es gewöhnt seien, täglich an der frischen Luft zu sein.

„Wir hätten jetzt wiederangefangen zu schlachten, natürlich nicht unter diesem Druck.“ Aber die ganze Familie ziehe tüchtig mit. Und er habe auch bei seinem Chef – Krüger arbeitet seit elf Jahren als Metallbauer in der Bauschlosserei Rüdiger Peters in Kobrow – gleich Verständnis gefunden, dass zu Wochenbeginn diesmal der Nebenerwerb Vorrang bekommen müsste. „Wir haben in der Firma ein gutes Verhältnis. Wenn nötig, bleibe ich an anderen Tagen länger, das ist ein Geben und Nehmen“, sagt der Kobrower.

Weitere Gewichtszunahmen seien bei den Enten jetzt nicht mehr zu erwarten. „Die sind schlachtreif. Die Suppenhühner dagegen hätten noch etwas Zeit gebraucht. Nun sind sie in diesem Jahr eben kleiner. Doch besser so, wer weiß, was morgen auf einmal ist“, sagt der Kobrower. Vereinzelt seien jedoch Kunden „abgesprungen“, weil sie derzeit Bedenken hätten, Geflügel zu kaufen.

Auf dem Krügerschen Hof wachsen über das Jahr rund 270 Enten heran. Im Alter von drei Wochen kommen die Küken von der Entenfarm
Kobande. Nach einem Tag im Stall zur Eingewöhnung an die neue Umgebung laufen sie im Freien, solange Tageslicht herrscht. Grünes suchen sich die Tiere selbst, dazu gibt es Kraftfutter aus eigenem Getreideanbau. „Ein Lohnunternehmer bereitet die Körner hier auf dem Hof auf. Das ist für mich günstiger. Er braucht für drei, vier Tonnen nicht mal eine halbe Stunde. Mit meiner Schrotmühle würde das mindestens einen halben Tag dauern“, erklärt Krüger.

Nachts geht das Geflügel in den Stall. Die Scheune, in der Heu lagerte, sei dazu umfunktioniert worden. Eine Vorsichtsmaßnahme, denn der Fuchs suche den Hof gern heim. Jedes Jahr hole er sich über 30 Hühner und Broiler. „Der ist so frech und kommt selbst zur Mittagszeit. An die Enten geht er komischerweise nicht ran. Vielleicht schlagen die zu viel mit den Flügeln“, so Krüger.

Jetzt bleiben nur die Legehennen – und das sicher in ihrem Pferch.

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