Gymnasiasten in Sternberg produzieren eigenen Strom : Energiewende in Sternberger Schule

<fettakgl>Bald-Student </fettakgl>Duc Huu Nguyen und Auszubildende Anna-Katharina Jahnecke beweisen: Es fließ Solarstrom. <fotos>Manuela Kuhlmann</fotos>
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Bald-Student Duc Huu Nguyen und Auszubildende Anna-Katharina Jahnecke beweisen: Es fließ Solarstrom. Manuela Kuhlmann

Gymnasiasten in Sternberg produzieren eigenen Strom: Etwa zwei KW liefert der Solarcarport auf einem Freigelände hinter der Schule. Davon können zwei Räume beleuchtet werden. Eine Kleinwindkraftanlage soll folgen.

svz.de von
16. Januar 2013, 10:01 Uhr

Sternberg | "Wenn die Lampe jetzt leuchtet, dann ist es amtlich: Wir produzieren Strom." Andreas Jesse, Vizepräsident des Bundesverbandes WindEnergie e.V. nickt Schüler Duc Huu Nguyen und Wemag-Auszubildender Anna-Katharina Jahnecke zu, die den Stecker einstöpseln. Es leuchtet! Etwa zwei KW produziert der Solarcarport auf einem Freigelände hinter der Kooperativen Gesamtschule Sternberg. Davon können zwei Räume beleuchtet werden. Gebaut haben es Neun- bis Zehntklässler zusammen mit Auszubildenden des Energieversorgers im Wahlpflichtunterricht (WPU) "Alternative Energien" im vergangenen Jahr, jetzt wurde es feierlich eingeweiht.

Auf dem "Energieprojektpark" soll eine Kleinwindkraftanlage folgen. Entstanden ist die Idee auf einer Fahrt zur Hannover-Messe. Andreas Jesse schenkte der Schule 2009 einige Karten und begleitete die Gruppe. Auf dem Rückweg wurde die Idee für den Kurs geboren. Die Schüler von Torsten Ruhmich erarbeiten die Grundlagen von Solar-, Wind- und Bioenergie, setzen sich mit dem Klimawandel auseinander, testen im Experiment die Wirkung von Solarzellen, besuchen Biogasanlagen und präsentieren ihre Ergebnisse vor Publikum. In Sachen Spendenwerbung sind sie mittlerweile kleine Profis. Schüler Hendrik Zenner erklärt das Modell. "Ab einer bestimmten Summe bekommen Firmen einen Newsletter und werden natürlich auf Schautafeln genannt." Ein wichtiger Aspekt ist die Zusammenarbeit mit Unternehmen und der Wirtschaft.

"Ich finde das genial", fasst Torsten Ruhmich begeistert zusammen. Schüler kommen mit Leuten aus der Wirtschaft zusammen. Sie bekommen ihre Aufgaben nicht nur vom Lehrer gestellt. Auf der anderen Seite merken Arbeitgeber, wie Schule und Schüler funktionieren. Eine Erfahrung, die auch Projektberater Jesse geprägt hat. "Zu Anfang war ich ganz nervös und wollte alles schnell vorantreiben." Bei zwei Unterrichtsstunden ticken die Uhren langsamer, musste er feststellen.

Auch die Schüler müssen motiviert werden, stellte Ruhmich fest. Er selbst stieß ebenfalls an Grenzen. "Ich hätte nie gedacht, dass die Bürokratie so schlimm ist." Eine Schule kann kein Stromproduzent sein und rechtlich nicht als Bauherr auftreten. Sie darf keine Gewinne machen. Bei den verwaltungstechnischen Dingen konnte sich die Schule glücklicherweise auf den Landkreis Parchim verlassen. Duc Huu Nguyen war einer der Ersten des Kurses. Er freute sich bei der Einweihung des Solarcarports dabei sein zu können, das er vor vier Jahren mit geplant hat. Auf der Erfolgslinie: Im Sommer wird Nguyen ein Duales Studium beginnen. Sein Ausbildungsbetrieb ist Enercon. Über den WPU-Unterricht hatte er zwei Mal ein Praktikum bei dem Hersteller von Windkraftanlagen absolviert. Insgesamt drei Ausbildungen im kaufmännischen Bereich hatte er angeboten bekommen. Darunter auch ein großer Versicherer und ein Mobilfunkunternehmen. Er entschied sich für Enercon. "Den Betrieb kenne ich und die Branche ist zukunftsträchtiger", begründet er seine Entscheidung. "Von 100 Bewerbungen werden nur sechs angenommen", erzählt er stolz. Der Bald-Student hat einen guten Notendurchschnitt, doch er ist sich sicher, es gab noch bessere. Katja Gall, Vertriebsmitarbeiterin bei Enercon, freut sich auf den Nachwuchs und bestätigt: Engagement zeigen bringe etwas. Duc Huu Nguyen wird es jetzt erst einmal nach Ostfriesland verschlagen. Dort wartet er auf die nächste Einladung seiner Schule - zur Einweihung des Kleinwindkraftrades. Übrigens: Der Solarcarport kann am Tag der offenen Tür am 26. Januar besichtigt werden.

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