zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. November 2017 | 04:58 Uhr

Kuhlen : Endspurt bei der Getreideernte

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Landwirt Christian Nagel aus Kuhlen hofft auf noch drei gute Druschtage. Die Erträge und Qualität bei Weizen stimmen, bei Raps ist er weniger zufrieden.

svz.de von
erstellt am 12.Aug.2014 | 17:01 Uhr

Der Weizenschlag an der A 14 zwischen Cambs und Retgendorf hat knapp 100 Hektar. Wer die zu Fuß abschreiten wollte, brauchte viel Zeit. Allein ein Hektar misst 100 mal 100 Meter. „Bis Donnerstag werden wir wohl noch zu tun haben“, rechnet Traktorfahrer Heiko Pingel. Er hat seinen Hänger gerade leer gemacht. Am Feldrand steht Siegfried Schaffrin mit einem Transportlaster, der das Korn nach Brüel ins Getreidelager bringt. Die Firma Holger Detlof erledigt seit Jahren den Transport für den Kuhlener Landwirt Christian Nagel.

Heiko Pingel ist kaum hinter sein Lenkrad gestiegen, da meldet sich Mähdrescherfahrer Jörg Bredefeld, dass der Bunker wieder voll ist. Acht Tonnen passen hinein. Bei dem guten Weizenertrag sind die schnell erreicht. Knapp drei Bunkerladungen kann der Hänger aufnehmen. Pingel belässt es lieber bei zwei, denn der Weizen sei besonders schwer. Die Körner seien groß, und ihr Feuchte liege soeben an der Grenze von 14 Prozent. Darüber müssten sie in die Trocknung, was zusätzliche Kosten verursachen würde.

Das eingespielte Zwei-Mann-Team ermittelt die Kornfeuchte vor Ort und entscheidet, ob und wann es losgeht. Auch den Feierabend
bestimmen die Beiden selbst. Das Korn nimmt nicht so schnell Feuchtigkeit auf, doch wenn das Stroh klamm wird, heißt es aufzuhören, dann drischt das Getreide nicht mehr richtig. Das war am Montag gegen 22.30 Uhr, am Sonntag eine halbe Stunde früher. Gestern ging es gegen 11 Uhr los, tags zuvor eine Stunde eher. Der kräftige Wind hat enorm geholfen. Am Sonntag hieß es, bis 14 Uhr zu warten.

Wenn das Wetter mitspielt, schafft der Mähdrescher mit seinem 12,30 Meter breiten Schneidwerk, das dem Fahrer größte Konzentration abverlangt, rund 40 Hektar am Tag. Dann macht es richtig Spaß, ist sich das Ernteteam einig. Ziehen Regenwolken heran, sinkt die Stimmung schon mal, räumt Pingel ein. „Wir wollen schließlich mal fertig werden.“ Er ist wie Bredefeld Seiteneinsteiger, arbeitete als Lagerist in Firmen, die Pleite gingen, und suchte dann was, „das Zukunft hat“, wie er sagt. Seit drei Jahren ist der Sternberger bei Landwirt Christian Nagel in Kuhlen angestellt und inzwischen wie sein Kollege mit Herzblut dabei.

Der Chef hofft noch auf drei gute Druschtage, dann wäre der Weizen vom Halm. Manche Betriebe sind schon fertig, ausgesprochen zeitig. Es gab Jahre, da trieb die Witterung die Getreidemahd bis in den September. Der Kuhlener Betrieb baut auf rund 40 Prozent der 650 Hektar Ackerfläche Weizen an. Die Erträge seien „sehr gut“, freut sich Nagel, „sie tendieren bislang zu 85 bis 105 Dezitonnen pro Hektar.“


Knapp über Grenzwert für Brotweizen


Auch die Qualität stimme. Bei hohen Erträgen gehe häufig der Proteingehalt zurück, abhängig von Sorten und Dünger. Manche Betriebe hätten damit zu tun. Er habe das wohl mit einer Düngergabe offenbar noch aufgefangen, glaubt Nagel. Wenngleich die Luft nach unten dünn sei. Brotweizen müsse mindestens zwölf Prozent Protein enthalten. Bei ihm habe das Gros der Partien bislang um die 12,2 Prozent erreicht. Liege der Weizen unter dem Grenzwert, lasse er sich nur als Futtergetreide verkaufen – für den Landwirt ein erheblicher finanzieller Verlust. Der Unterschied mache 20 bis 30 Euro pro Tonne aus.

„Sehr zufrieden“ ist der Kuhlener Landwirt auch mit der Wintergerste, die knapp 90 Dezitonnen pro Hektar gebracht habe. Nur der Raps lag mit „Mitte 30 Dezitonnen“ pro Hektar unter dem langjährigen Durchschnitt und dem Vorjahr mit 44 dt/ha. Als Ursachen nennt Nagel Probleme bei der Bestellung 2013 und ein technisches Problem beim Spritzen. Viel Zeit zum Nachdenken bleibe aber nicht, denn schon in der zweiten Augusthälfte komme die neue Saat in den Boden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen