Warin : Ende einer behördlichen Odyssee

Ab heute wird hier wieder scharf geschossen: Warins Schützenzunftchef Siegfried Damm (r.) und sein Stellvertreter Reinhard Mews haben fürs Foto provisorisch die Scheibe fürs Pistolenschießen schon mal auf die Entfernung von 25 Metern gestellt. Fotos: Roland Güttler
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Ab heute wird hier wieder scharf geschossen: Warins Schützenzunftchef Siegfried Damm (r.) und sein Stellvertreter Reinhard Mews haben fürs Foto provisorisch die Scheibe fürs Pistolenschießen schon mal auf die Entfernung von 25 Metern gestellt. Fotos: Roland Güttler

Wariner Schützenzunft von 1656 erhielt vom Nordwestkreis nach Jahren jetzt Erlaubnis für Kleinkaliber-Anlage / Heute erster Wettkampf

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19. September 2015, 08:00 Uhr

Die Schießanlage in Warin-Graupenmühle erwacht aus ihrem jahrelang erzwungenen Dornröschenschlaf. Erstmals seit Juni 2011 wird heute ab 9 Uhr auf dem Kleinkaliberstand (KK) wieder geschossen. Für die „Wariner Schützenzunft von 1656“ ist es zugleich die Premiere.


Sachverständiger gab den entscheidenen Tipp


Möglich wurde dies durch einen Hinweis des Schießplatzsachverständigen Gernot Pieper aus Herrnburg im November 2014. Dieser entdeckte in der „Vierte(n) Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immisionsschutzgesetzes (Verordnung über genehmigungspflichtige Anlagen – 4. BImSchV) vom 2. Mai 2013 den Paragrafen 10.18. Den zitiert Schützenzunft-Vize Reinhard Mews aus Warin im Wortlaut: Genehmigungspflichtig sind nach BImSch-Gesetz „Schießstände für Handfeuerwaffen, ausgenommen solche in geschlossenen Räumen und solche für Kleinkaliberwaffen, und Schießplätze, ausgenommen solche für Kleinkaliberwaffen“.

Das bedeutet: Der Nutzung des Pistolen- und KK-Schießstandes der Schützenzunft steht nichts im Wege. Nur das sagte den Warinern seit Mai 2013 keiner: weder die Schweriner Ministerin für Inneres; Landwirtschaft und Umwelt sowie Wirtschaft, wie Schreiben an die Schützenzunft vom Herbst ’13 belegen; noch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (StALU) in Schwerin. Mit Letzterem kämpften die Wariner seit 20. Februar 2013 nach ihrer Anzeige beim StaLU, dass die Schützenzunft die „Altschießanlage Warin wieder betreiben (will), dieses betrifft aber nur die KK-Anlage und GK-Anlage.“ Zuvor hatte am 2. Februar des Jahres die Stadt Warin mit der Schützenzunft einen Pachtvertrag über die ca. 300 Meter vom Trap-und Skeet-Standort etwas versteckt im Wald befindliche Kugelanlage abgeschlossen.

Doch das StaLU lehnte die Quittierung der Anzeige ab – und damit durfte nicht geschossen werden. Es ging hin und her. Die Umweltbehörde sah die Schießanlage als Ganzes an. Die Schützen vertraten den Standpunkt, dass die Kleinkaliberanlage nicht von der Insolvenz der Wurfscheibenanlage erfasst ist. Darum sieht sich die im Dezember 2011 gegründete Schützenzunft auch bewusst nicht als Rechtsnachfolger des 1990 ins Leben gerufenen und inzwischen insolventen „Wariner Schützenvereins für Jagd- und Sportschießen“. Dieser war 2011 vor Gericht an Umweltauflagen gescheitert. Die fachgerechte Säuberung des mit Bleiresten kontaminierten Bodens auf dem Wurfscheiben-Gelände konnte und wollte der Schützenverein nicht stemmen – und meldete daraufhin Insolvenz an. Grund und Boden gingen an die Stadt Warin zurück, die nun den Klotz am Bein hat. Bisher passierte in Sachen Beräumung nichts…

SVZ titelte in der Ausgabe vom 1. Oktober 2013: „Stille im Wariner (Schieß-)Wald“. Und es wäre wahrscheinlich auch so geblieben, hätte Gernot Pieper nicht besagten Paragrafen entdeckt. Auf einmal ging alles zügig: Schützenzunftpräsident Siegfried Damm aus Karow stellte am 28. Januar dieses Jahres beim Nordwestkreis den Antrag auf Betriebserlaubnis der KK-Anlage. Am 26. August gab es die Erlaubnis – unbefristet. Das StaLU ist in der Angelegenheit übrigens nicht mehr befasst.

Heute wird erstmals intern im Wald von Warin-Graupenmühle wieder geschossen. Damm und die anderen ca. 20 Wariner Schützen freuen sich den heutigen Wettkampf. Anschließend gibt es „im Vereinsheim noch Kaffee und Kuchen“, sagt der Vereinschef.

Er und seine Mitstreiter sind froh, dass die behördliche Odyssee ein Ende hat und man nicht mehr nur in Brüel, Sternberg, Neukloster oder Wismar schießen kann. „Wir wollten nicht aufgeben, haben uns gegenseitig gestützt, bis wir gewusst hätten, es ist chancenlos“, so Damm, der als sein Fazit hinzufügte: „Eigentlich sind Ministerien und Behörden für uns Bürger da. Doch bis auf die Stadt Warin half uns keiner.“ 

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