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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

11. Dezember 2017 | 18:14 Uhr

Graffitikunst : Einstein grüßt von der Hausfassade

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Greifswalder Illustrations-Sprayer Enrico Pense verpasst Giebel im Sternberger Mecklenburgring ein besonderes Antlitz.

Er nennt das, was er macht, Illustrations-Malerei. Enrico Pense, 28 Jahre, aus der Hansestadt Greifswald, hat dies vor sechs Jahren zu seinem Beruf gemacht. Im Auftrag der Allgemeinen Wohnungsgenossenschaft (AWG) Sternberg-Dabel-Brüel gestaltet er seit Mittwoch ein überdimensionales Bild an dem zuvor mit gelber Fassadenfarbe vorgestrichenen Hausgiebel am Mecklenburgring 27, Ecke Seestraße. Donnerstagnachmittag ließ Pense gerade Albert Einsteins Kopf per Spraydose entstehen. „Ich habe 300 Dosen mit, alle werde ich nicht brauchen. Aber ich
arbeite mit den unterschiedlichsten Farbtönen.“

Vieles entstehe aus dem Kopf heraus. Manches aber – wie die Sternberger Kirche vom Mühlentor aus gesehen – allerdings auch nach Vorlage. Letzteres Motiv wird übrigens, wenn das 40 Quadratmeter große Kunstwerk komplett sein wird, dann „nur“ noch eine Postkarte im Bücherregal sein – das die Klammer dieses Kunstwerkes bildet.

Auftraggeber ist Sven Pawulski, der neue Geschäftsführer der AWG, der in Sternberg, Dabel und Brüel 456 Wohnungen gehören. Der 41-jährige Sternberger, mit Frau und zwei kleinen Kindern im Stadtzentrum wohnend, hat zu Jahresbeginn den Posten vom langjährigen Vorgänger Horst Grasemann übernommen, der in den verdienten Altersruhestand gegangen ist.

„Man muss mit der Zeit gehen, jeder hat eigene Ideen“, sagt Pawulski. Und eine davon ist eben der Einstein-Einzug in Sternberg. „Die Schule ist gleich
nebenan. See und Fischer wären zu langweilig gewesen. Wir wollen was für junge Leute zum Hingucken haben.“ Im Haus Mecklenburgring 27 indes wohnen überwiegend ältere Bürger. Und da stieß der Einstein-Giebel erst einmal auf barsche Ablehnung. „Was soll der Quatsch. Wir sind doch hier nicht in Berlin“, gibt Pawulski die ersten Reaktionen der Mieter wider. Doch das habe sich inzwischen teils geändert. „Jetzt wird der Künstler schon mit Kaffee versorgt.“ Der Greifswalder selbst, vom Gerüst runter und ohne Atemschutzmaske, ergänzt schmunzelnd beim
Betrachten seines im Entstehen befindlichen Kunstwerkes: „Ich warte noch aufs Essen, das hat nicht so geklappt…“

Zwischendurch schaut Hildegard Sellnis vorbei, AWG-Mitglied der ersten Stunde. Damals stand das A in Namen noch für Arbeiter und nicht wie jetzt für Allgemeine. „Ich wohne hier schon, solange das Haus steht. Wir sind 1959 eingezogen“, sagt die Rentnerin und merkt beim Blick auf Einsteins Kopf an: „Dahinter liegt unser Schlafzimmer. Aber es ist ja eine Wand dazwischen.“ Hildegard Sellnis blickt auf „ihren“ Giebel rüber und meint: „Ich finde das gut. Aber besser wäre es gewesen, wenn das ganze Haus gemacht würde“. Sven Pawulski nickt verständnisvoll angesichts der in der Tat hässlich aussehenden Längsfront auf der Schattenseite des Blocks. Er gibt aber zugleich zu verstehen, dass dafür 2013 kein Geld da sei.

Der Greifswalder Spray-Künstler gönnt sich derweil eine Zigarettenpause. „Wer nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, kann davon leben. Mein Stil ist breit gefächert“, betont Enrico Pense. Allein 2013 hat er bereits in der Heimatstadt Greifswald sowie in Neustrelitz, Lübeck und Erfurt seine Illustrations-Spuren hinterlassen. In Thüringen war die Fassadengestaltung im Rahmen des „Sweetart-Festivals“. Hier traf Pense u.a. die aus Lüneburg stammende Graffiti-Ikone Daim, mit bürgerlichem
Namen Mirko Reisser. „Er ist berühmt für seinen 3D-Stil.“

Der Greifswalder, der einst Bootsbauer gelernt hat, verwirklicht nun seinen Lebenstraum als Grafikdesigner und Illustrator. Und dabei hinterlässt Enrico Pense jetzt in Sternberg Spuren. „Wenn das Bücherregal fertig ist, werden darin auch drei kleine Figuren untergebracht sein“, verrät der Künstler schon einmal. Er spraye mit Farben auf Acryl-Basis samt besserem UV-Schutz, verwende zudem extreme Bindemittel. „Das Bild hält Wind und Wetter garantiert stand“, gibt der Vorpommer seinem Kunstwerk eine jahrelange Lebensdauer.  

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