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Sternberg : Einst Stadtweide und dann Werk für Flugzeugteile

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

An der heutigen Bundesstraße zwischen Sternberg und Brüel gibt es einen Standort mit ganz unterschiedlicher Historie.

von
erstellt am 06.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Zu dem historischen Rückblick in unserer Sonnabendausgabe, in dem es um die Warmblutpferdezucht der Genossenschaft Warin-Sternberg und ein Pferderennen auf der Stadtweide ging, könnte eine Ergänzung interessant sein, meint unser Autor Jochen Engmann, als er nach dem Erscheinen des Artikels am Wochenende in unserer Redaktion anrief. Er hatte sich bei dem Thema auf einen Beitrag gestützt, der am 17. Juni 1923 im „Sternberg-Brüel-Warin-Anzeiger“ erschienen war.

Der Standort rückte aber später auf völlig andere Art noch einmal ins Blickfeld, so Engmann. Dafür gibt es Zeugen aus grauem Beton, die bis heute, in einer Mulde hinter einer kleinen Anhöhe verborgen, in die Höhe ragen. Es sind rund 20 Pfeiler, einer davon umgestürzt. Inzwischen werden sie werden allerdings von den Bäumen weit überragt. Auch Betonfundamente ziehen sich dort durch den Wald.

Wir haben im SVZ-Archiv recherchiert. Danach handelt sich um die Überreste einer Außenstelle des bedeutenden deutschen Flugzeugherstellers Dornier, der seinen Stammsitz am Bodensee hatte, in den 1930er-Jahren aber zudem unter anderem Zweigbetriebe in Wismar und Lübeck gründete als Norddeutsche Dornier-Werke. In Sternberg sollten kurz vor Kriegsende Beplankungen für den seinerzeit mit 765 km/h weltschnellsten kolbengetriebenen Kampfjäger Do 335
gefertigt werden. Die Außenstelle war Zulieferer für die damalige Wismarer Flugzeugbasis, in der monatlich über 40 Flugzeuge anderer Do-Typen montiert wurden. Zu einer serienreifen Produktion des Kampfjägers „Pfeil“ kam es aber nicht mehr. Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs wurde die Technik von den Sowjettruppen demontiert, die Pressen zur Fertigung der Flugzeugteile ebenso wie die Krane zum Verladen auf Bahnwaggons.

Der Heimatverein Sternberg hat Nachforschungen angestellt und dabei Zeitzeugen befragt. Im Frühjahr 2008 konnten Interessierte sich bei einer geführten Wanderung selbst ein Bild von dem geheimnisvollen Ort machen. Auch in der 20. Ausgabe der Heimathefte, die zum 70. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung vom Nationalsozialismus erschien und das Leben in Sternberg zwischen brauner Machtergreifung 1932 und Einmarsch der Roten Armee am 3. Mai 1945 nachzeichnet, ist von dem Flugzeug-Zulieferwerk die Rede. Es hatte bis zu 500 Beschäftigte, überwiegend Kriegsgefangene und so genannte zivile Zwangsarbeiter, wie Ralf Aleith und Helmut Carda, die Autoren des Sonderheftes, feststellten.

Der Standort des Werkes war übrigens klug gewählt, nur rund 100 Meter entfernt von der heutigen Bundesstraße zwischen Sternberg und Brüel, wo es in die Senke vor der Kiesgrube geht. Zur anderen Seite verläuft mit etwa dem gleichen Abstand die Bahnlinie.

Doch zurück zum Ausgangspunkt, dem Beitrag zur Stadtweide und dem geplanten Pferderennen. Das Flurstück hieß Zarnekow. Es unterteilte sich in Groß Zarnekow, von Sternberg aus rechts der heutigen B 104, und Klein Zarnekow gegenüber. Das Flurstück erhielt seine Bezeichnung, weil bis zum 12. Jahrhundert unweit der ehemaligen Stadtweide ein Slawendorf existierte, das den gleichen Namen hatte.

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