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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 14:29 Uhr

Brüel : Eine sportliche Familie

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Bronzemedaillengewinnerin bei der Landesmeisterschaft in der U13 trainiert beim Judoverein Brüel 1982

svz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Da muss ihr Trainingspartner erst einmal Luft holen und kurz Pause machen, nachdem Yasam-Saibe Giniz ihn auf die Tatamimatte geknallt hat. Die Elfjährige aus Brüel gewann am 7. Oktober bei der Landesmeisterschaft in Rostock in der Altersklasse U 13 überraschend eine Bronzemedaille. Und das, obwohl sie noch nicht einmal ein ganzes Jahr beim Judoverein Brüel 1982 e.V. trainiert. „Du weißt doch, dass eines unserer wichtigsten Prinzipien ist, auf unsere Trainingspartner zu achten“, mahnt Trainer Klaus Eckert seine Schülerin. „Du musst dich nach dem Wurf mit der Hand auf dem Boden abstützen, damit er nicht so hart fällt.“ Yasam nickt folgsam. Der Ogi Yoshi, den sie gerade ausgeführt hat, ist ihr Lieblingswurf, verrät sie im Gespräch mit der SVZ. Auf die Frage, warum sie mit dem Judotraining angefangen habe, antwortet die Fünftklässlerin der Regionalen Schule Brüel: „Ich wollte einfach Selbstverteidigung lernen, damit ich mich wehren kann, wenn ich mal angegriffen werde.“ Passiert sei ihr das zwar noch nie, aber wenn es dann doch mal zu einer solchen Situation käme, würde sie sich schon zutrauen, den Angreifer zu Boden zu bringen, meint Yasam selbstbewusst. Wen man ihren präzise und konsequent ausgeführten Würfen beim Training zusieht, glaubt man ihr das sofort.

Erleichtert hat der Elfjährigen die Entscheidung für das Judotraining, dass ihre Schwester Laura (14) ebenfalls in dem Verein trainiert. Und seit ein paar Wochen nun auch ihr kleiner Bruder Yamam (4). „Ich habe den Kindern die Grundkenntnisse der Selbstverteidigung beigebracht“, sagt Mama Mandy, die am Mattenrand das Training ihrer drei Kinder verfolgt. Leider könne sie selbst nicht am Training teilnehmen, weil sie durch ihre Arbeit in der Gastronomie und in der Pflege einen Wirbelsäulenschaden habe. „Der Kampfsport liegt bei uns in der Familie“, erklärt sie. „Mein Bruder gibt sonntags nebenan MMA (Mixed Martial Arts, Anm. d. Red.) Training, wo Laura auch noch hingeht, und mein Vater war acht Jahre lang Boxer.“

Yasam hat jedenfalls gute Aussichten auf eine erfolgreiche Judokarriere, sie hat in der U13 gleich bei ihrer ersten Teilnahme bei einer Landesmeisterschaft eine Medaille geholt und wird in dieser Altersklasse noch zwei weitere Jahre antreten können. Mit der Bronzemedaille gerechnet hat sie aber überhaupt nicht. „Die anderen waren ja voll weiter als ich und konnten auch andere Würfe“, kann sie ganz klar analysieren. „Vielleicht habe ich gewonnen, weil die mich unterschätzt haben.“ Bei der nächsten Meisterschaft wird sie dann schon mehr Würfe beherrschen. „Das macht mir Spaß hier“, sagt das Mädchen. „Ich finde gut, dass wir hier so viel lernen und manchmal auch Spiele machen.“ Später will sie Polizistin werden. „Ich hab’ im Fernsehen gesehen, was die so machen.“

„Etwa zehn Prozent derjenigen, die mit dem Judotraining anfangen, bleiben hängen“, meint Trainer Klaus Eckert. Er hat 1970 bei Peter Brückert in Schwerin begonnen zu trainieren. „Den Judoverein hier gibt es seit 1982. Lothar Trepzik dort drüben hat aber schon seit 1980 in der alten Halle trainiert.“ Nach der Wende sei der Verein eingeschlafen. Aber 1993 habe er an der Volkshochschule eine Selbstverteidigungskurs gegeben, „da waren dann mehr Kinder auf der Matte als Muttis“. Und deshalb wurde der Judoverein Brüel wiederbelebt. Über mangelndes Interesse muss sich der Verein nicht beklagen. Bei dem Training, das die SVZ besuchte, tummelten sich 30 Kinder und Jugendliche in der Sporthalle . „Insgesamt sind es 40 Aktive“, so Eckert. Besonders stolz ist er, dass Peter Brückert aus Schwerin, der gerade in Rente gegangen ist, ab November sein großes Talent André Miehle für die Meisterschaften der Ü 15 in Brüel trainieren wird. Wer weiß, vielleicht kommen dann auch Yasam und die anderen in den Genuss von besonderen Trainingseinheiten.

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