Serie „Sternberger Kuchen“ – Teil 14 : Eine Schnecke, die Seeigel zum Fressen gern hat

Zwei vollständig erhaltene, 28 Millionen Jahre alte Helmschnecken – eine Phalium rondeleti und rechts eine Cassidaria megacephala –, gefunden in der KiesgrubeKobrow.
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Zwei vollständig erhaltene, 28 Millionen Jahre alte Helmschnecken – eine Phalium rondeleti und rechts eine Cassidaria megacephala –, gefunden in der KiesgrubeKobrow.

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18. Dezember 2016, 00:00 Uhr

Mit bauchig gedrungenen und skulptierten Gehäusen sind zwei Arten aus der Familie der Helmschnecken (Cassidae) im Sternberger Gestein vertreten. Komplette, unbeschädigte Gehäuse, die nach meiner Ansicht zu den attraktivsten Schnecken aus dem Oligozän zählen, sind in der Kiesgrube Kobrow nur selten zu finden, zumal sie in der Regel in den konglomeratischen, unverwitterten und sehr harten Exemplaren des „Sternberger Kuchens“ auftreten und somit ihre wahre Schönheit erst nach einer aufwändigen Präparationsarbeit zeigen können.

In der rechten Abbildung sind zwei jeweils etwa drei Zentimeter große Exemplare aus meiner Sammlung zu sehen, die in Kobrow gefunden und von meinem Freund Harry Rauch in mehrstündiger Arbeit präpariert wurden, links eine Phalium (Echinophoria) rondeleti und rechts eine Cassidaria megacephala.

Abbild zwei zeigt eine Farbtafel mit rezenten Helmschneckenarten aus dem 1773 in Nürnberg erschienenen und in meiner Büchersammlung befindlichen Buch von F.H.W. MARTINI „Neues systematisches Conchylien-Cabinet“. Im 18. Jahrhundert wurden die Helmschnecken noch unter dem Familiennamen Sturmhauben geführt.

Die Entwicklung der Schneckenfamilie Cassidae begann vor 50 Millionen Jahren im Eozän. Heute ist diese Familie mit über 80 Arten in allen subtropischen und tropischen Meeren vertreten. Alle Arten leben überwiegend in Gezeiten- bzw. Flachwasserbereichen auf sandigen Böden, wo sie ihrer räuberischen Tätigkeit nachgehen. Als Leibspeise haben sich diese Schnecken Seeigel (Echinodermen) und andere Stachelhäuter auserwählt.

Da die Helmschnecken in der Lage sind, aus ihrer Speicheldrüse freie Säure (Asparaginsäure und 2-5prozentige Schwefelsäure) und ein lähmendes Neurotoxin auszuscheiden, haben sie eine perfide Methode entwickelt, um an ihre stachlige Beute zu gelangen. Nachdem die Schnecke die Nadeln mit ihrem Fuß niedergedrückt hat, wird das Betäubungsmittel auf eine begrenzte Fläche des Seeigelgehäuses sekretiert. Nach erfolgter Betäubung des Seeigels wird in einem weiteren Arbeitsschritt der Kalkpanzer durch die säurehaltige Speichelabsonderung angeätzt und dann mit der Raspelzunge (Radula) lochförmig angebohrt. Damit ist freie Bahn, um an die leckeren Innereien des Seeigels zu gelangen.

Während die rezente und größte Art ihrer Familie, die bis 35 Zentimeter große Gehörnte Helmschnecke (Cassis cornuta), im gesamten Südseeraum gegessen und ihr Gehäuse als Behälter zur Aufbewahrung von Flüssigkeiten, als Dekorationsgegenstand und auch als Blasinstrument verwendet wird, steht diese Helmschneckenart in Australien unter Naturschutz. Denn hier hat sie sich den Dornenkronen-Seestern (Acanthahaster planci) als Hauptspeise ausgesucht, der als Plage am Great Barrier Reef auftritt und hier ein massenhaftes Korallensterben verursacht hat. Damit trägt diese Schneckenart als Fressfeind der Dornenkronen zum Erhalt des Riffes bei.

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