Die vielbeschäftigte : Eine Frau startet noch mal durch

Anneliese Schildt in ihrem Gewächshaus, wo die Cocktailtomaten reifen.
Anneliese Schildt in ihrem Gewächshaus, wo die Cocktailtomaten reifen.

Die Warinerin Anneliese Schildt und ihre vielen Hobbys.

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26. September 2015, 12:28 Uhr

Eine Frau, die als Bankkauffrau ihr ganzes Berufsleben mit Menschen zu tun hatte, stand im Jahre 2009 mit dem plötzlichen Tod ihres Mannes nach 38 Jahren gemeinsamen Lebens vor einem tiefen Abgrund und damit vor der ganz entscheidenden Frage: „Entweder stecke ich nun den Kopf in den Sand und verkrieche mich in meinem Kämmerlein oder ich gehe gegen diese Einsamkeit an?“

Die inzwischen 68-jährige Anneliese Schildt aus Warin war aber ihr ganzes Leben schon von einem positiven Denken geprägt, so dass die Antwort auf diese Frage für sie eigentlich ganz logisch ausfiel: Natürlich ging sie gegen die Einsamkeit an und das massiv.


„Ich spiele für mein Leben gern Skat“


Als erstes schloss sie sich der Sportgruppe der Volkssolidarität mit Evi Dierks an und war damit schon einmal in der Woche beschäftigt.

Zum zweiten ging sie in den Wariner Heimatverein, wo sie gleich mit offenen Armen empfangen wurde – mit kleinem Hintergedanken: Die langjährige Kassiererin des Heimatvereins, Marga Voß, war inzwischen über 80 Jahre alt und wollte aufhören. Da kam dem Verein eine Bankkauffrau in Ruhe doch gerade recht. Anneliese Schildt übernahm diese Aufgabe gern und war damit auch gleich automatisch im Vorstand tätig. Auf den Veranstaltungen des Heimatvereins ergab es sich auch, dass sie immer mal wieder zwei leidenschaftliche Hobbys ausleben konnte und noch kann: das Kochen und Backen (für den Kuchenbasar z. B.) und das Skatspielen. „Ich spiele für mein Leben gern Skat. Das musste ich schon als Kind lernen, weil bei uns zu Hause der dritte „Mann“ fehlte“, schmunzelte sie. So darf sie in Sachen Skat nicht nur beim Heimatverein nicht fehlen, sie fährt auch, meist im Winter, nach Neuhof in die „Alte Schmiede“, wo kleine Turniere organisiert werden oder nach Sternberg, wenn der Angelverein zweimal im Jahr Skatveranstaltungen organisiert, und dann lässt sie sich die TAW-Skat-Sonntage in Rostock einmal im Monat im Winter auch nicht entgehen.

Die Bewegung ist Anneliese Schildt ganz besonders wichtig und das aber erst seit 2013. Da begann ein ganz neuer Lebensabschnitt für die agile Frau. Denn, in diesem Jahr unterzog sie sich einer Spezialoperation, die es ihr ermöglichte, 40 Kilogramm abzunehmen und so von 120 Kilogramm Übergewicht auf 80 Kilogramm normaleres Körpergewicht runter zu kommen. „Von nun an fühlte ich mich wie neu geboren, hatte wieder neuen Elan, war plötzlich viel gesünder als vorher“, erklärte sie.

Damit im Zusammenhang stehen nun einige neue Hobbys: „Ich fahre einmal im Monat zur Selbsthilfegruppe der Adipositas in Wismar (eine SHG für Menschen mit krankhafter Fettleibigkeit –d. Red.). Hier organisiere ich das „gesunde Essen“, d. h., wir kochen gemeinsam und verzehren es hinterher.“ Außerdem nimmt sie einmal in der Woche am Adipositas-Sport mit ausgebildeten Therapeuten teil. Darüber hinaus engagiert sie sich aufklärungstechnisch in Sachen Adipositas bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Das ist aber noch nicht Bewegung genug. Seit 2014 ist sie Mitglied der Tanzgruppe von Sarah Peters im Sternberger Seniorentreff, wo alle 14 Tage nach volkstümlichen Melodien oder Schlager im Block und Kreis getanzt wird. „Das ist sehr intensiv, da kommt man richtig gut ins Schwitzen.“ Und dass man bei Wassergymnastik auch ins Schwitzen kommen kann, war für Anneliese Schildt eine ganz neue Erfahrung, die sie jeden Montag in Dabel im Rahmen eines Rehasports macht.

Last but not least: Ein riesiger Garten und ein Haus wollen auch noch bewirtschaftet werden. Mit dem Garten war das ein kleines Problem, denn der oblag in Anbau und Pflege ihrem Mann, weil sie sich wegen ihres einstigen Übergewichts nicht bücken konnte. Nun hieß es erst einmal lernen, wie was angebaut und gepflegt wird. Heute baut sie Obst und Gemüse an und verarbeitet es zu Marmeladen, Gelee, setzt Salz-, Gewürz- und Polnische Gurken an, macht süßsaure Rote Beete, weckt Pfirsiche etc. ein. Und seitdem sie das alles kann, macht ihr auch der Garten Spaß.

Sie freue sich „über jeden Morgen, den ich gesund aufstehen und jeden Tag, den ich in vollen Zügen genießen kann – womit auch immer.“ Also, von wegen, den Kopf in den Sand stecken…

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