Kaarz : Ein Maler bezahlt mit Bildern

Schloss Kaarz auf Leinwand: Maler Ulrich Jungermann aus Meißen hat das gastliche Haus auf Papier gebracht.
Schloss Kaarz auf Leinwand: Maler Ulrich Jungermann aus Meißen hat das gastliche Haus auf Papier gebracht.

Aktion „Kunst gegen Bett“ auf Schloss Kaarz

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23. Februar 2018, 20:30 Uhr

„Kunst gegen Bett“ in Schloss Kaarz – als er davon gehört hat, habe er schon erst überlegt, ob er sich bewerben soll, sagt Ulrich Jungermann, Maler und Grafiker mit Diplom aus Meißen.

„Mit der Aktion wollen wir das Schloss zu einem noch ,kunstvolleren‘ Ort verwandeln sowie künstlerische Begegnungen und Karrieren fördern“, erklärt Hoteldirektorin Katharina Dummann, was dahinter steht. Bewerben können sich hauptberuflich arbeitende Künstler aus ganz Deutschland. Die während ihres Aufenthaltes entstandenen Werke werden dauerhaft in den Räumen gezeigt.

Drei Übernachtungen inklusive Schlossfrühstück hat nun auch Ulrich Jungermann genossen. Und die Ruhe, die er hier erleben durfte. „Ich liebe die Natur“, sagt der 64-Jährige. Bei seiner Ankunft am späten Nachmittag mit Nieselregen und der besonderen Beleuchtung des Schlosses habe sich gleich „diese Stimmung, diese Erwartung“ bei ihm eingestellt. „Das könnte werden“, war ihm bewusst. Er sei jemand, der genau hinsehe, „ich musste immer vieles durchdenken im Leben, daher habe ich diese Kraft zum Realismus“, erklärt er sein Dahinter- und Darüber-Schauen. „Ich finde zu einem Gebilde, das wertvoll ist, etwas was eine Geschichte vermittelt.“ Der gebürtige Stralsunder hat in Meißen Porzellanmalerei gelernt und einige Jahre in dem Beruf gearbeitet. Nach dem Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden ist er seit 1981 freiberuflich in Meißen tätig – die Stadt hat ihn für sein Wirken 2014 mit dem Kunstpreis geehrt.

Ulrich Jungermann malt „immer ein Thema, das mir vor der Nase war“. In Meißen, wo er sich längst auch als Stadtmaler Namen und Ruf erworben hat, ist er mit dem Fahrrad unterwegs, mit dabei ein Hocker, ein Rucksack und die Tasche mit dem Malkasten. Fahrrad und Hocker fehlten in Kaarz, hier war er allein auf seine Füße gestellt. Auf dem Rückweg von einem Marsch nach Brüel mit einer Kaffeepause in der Tankstelle sei er stehen geblieben, erzählt er und habe Skizzen gemacht. „Ein Mann kam, der wollte mich fotografieren.“ Das kurze Gespräch mit ihm war für Ulrich Jungermann lang genug, seinen Gesprächspartner zu porträtieren... Von Schloss Kaarz hat er sich mit zwei Bildern verabschiedet. Sie zeigen seine Sicht auf das Haus – bevor die Dämmerung beginnt und in der Morgensonne. „Es ist bewältigt. Die Zeit war gut für mich“, sagt er.

EXTRA: Drei Fragen an Katharina Dummann

Katharina Dummann, Hoteldirektorin Schloss Kaarz, über die Aktion.

Welche Idee steht hinter „Kunst gegen Bett“?
Die Umgebung von Schloss Kaarz – mit dem denkmalgeschützten Park und der weiten, schönen Landschaft – haben schon andere Künstler als sehr inspirierend empfunden. Die frühere Schlossbesitzerin Agnes Gaertner-Hüniken war ausgebildete Malerin und liebte es, Schloss und mecklenburgische Natur auf Papier zu bringen. Ihre Bilder sind in unserem Roten Salon ausgestellt. Zudem war das Schloss lange Zeit regelmäßiger Treffpunkt für Künstler und Kunstinteressierte. Das wollen wir wiederbeleben.

Wen sehen Sie in der Aktion?
Wir wollen vor allem Künstler, die sich einen Aufenthalt nicht leisten könnten, in ihrem Schaffen unterstützen - ohne viel Bürokratie: Sie melden sich an, kommen her, lassen sich von uns verwöhnen und ‚bezahlen‘ am Ende mit einem kleinen Kunstwerk, das hier entstanden ist. Dieses kann aus verschiedenen Kunstbereichen sein: Objektkunst, Malerei, Literatur. Wir sind überzeugt, dieses Projekt wäre ganz im Sinne der früheren Schlossherrin gewesen.

Die dritte Runde der Aktion endet am 29. März. Geht sie in die Fortsetzung?
Wir machen auf jeden Fall weiter, weil wir schon so viele schöne Schätze bekommen haben. Die Werke sind breit gefächert und immer wieder überraschend. Wir freuen uns auch, dass unsere Aktion „Kunst gegen Bett“ so gut angenommen wird.
 

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