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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. Oktober 2017 | 21:16 Uhr

Warin : Ein Kunstobjekt zum Essen und mehr

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Auftakt der 22 Stationen umfassenden Aktion „Bärensuppe“ am Strand von Warin

von
erstellt am 18.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Es wird fleißig Gemüse geschnippelt am Wariner Strandbad von Betreuern und helfenden Eltern im Rahmen des inzwischen 8. Musikcamps im Wariner Haus der Zukunft; um dann alles auf einem mitgebrachten Induktionsherd sowie in einem Kessel über offenem Feuer zu kochen. Eine vegane „Bärensuppe“ soll’s werden. Dabei ist das Ganze eigentlich ein Kunstobjekt, erdacht von Bilbo Calvez, einer Französin aus einem Pariser Vorort, die inzwischen in Berlin lebt. Die 54-Jährige, die die Altersangabe aber gar nicht hören mag und stattdessen verkündet, dass sie jedes Jahr 33 werde, verbindet ihre Aktion mit einer globalen Idee: „Wie wäre ein Leben in einer Welt ohne Geld?“

Und so lautet denn auch das Motto am Wariner Strand: „Gib in die Suppe, was du kannst, und iss davon, so viel wie du brauchst.“ Auch die Bevölkerung sowie Gäste der Kleinstadt waren eingeladen, sich mit Gemüse, Kräutern, Gewürzen und Brot zu beteiligen. Urlauberin Christina und Sohn Karl (4) aus Berlin brachten Gurken und Tomaten mit, ihr Freund holte noch schnell Kartoffeln aus Omas Garten. Denn: Wenn jeder etwas dazu gibt, werden alle satt…

„Die Bärensuppe“, ein essbares Kunstobjekt, das außer dem Zubereiten und gemeinsamen Essen noch mehr Angebote beinhaltet, wurde in „Bärlin“ (Berlin) mit Begeisterung ausgelöffelt. Und deshalb geht es jetzt bis 2. Oktober auf Tour. Beginn war am 17. August in Warin, nächste Station ist heute Rendsburg. „Die Bärensuppenreste werden dort erneut aufgekocht, neues kommt hinzu. So geht es von Station zu Station“, so Calvez. Insgesamt ist „Bärensuppe an 22 Orten auf Tour; darunter auch zweimal in Österreich, in Linz sowie in Zell am See“, erzählt die Französin.


Projekt fußt auf dem „anarchistischen Prinzip“


Mit ihrem Projekt nach dem „anarchistischen Prinzip“ sollen neue Visionen und eine offene kreative Auseinandersetzung zum Thema „Gesellschaft ohne Geld“ entstehen und das Ganze reifen. Calvez will die heutige Gesellschaft von „unserem Straf- und Belohnungssystem befreien“. Stattdessen wolle sie vermitteln, „aus welchem Reichtum wir eigentlich alle zusammen schöpfen können, denn wenn ich gebe, bekommen wir“. Und darauf fußt sinnbildlich ihre Bärensuppen-Aktion als (gesellschaftliches) Kunstobjekt. Den Begriff Anarchie sieht Calvez denn auch „bewusst falsch interpretiert“. Anarchie stehe in ihren Augen nämlich nicht für Chaos, sondern „als weibliches Prinzip, wo die Dinge, wie unter Frauen eben, ausdiskutiert werden. Demokratie hingegen ist das männliche Prinzip. Man wählt ganz schnell, eine Entscheidung muss schnell fallen. Und es heißt: ,Ich wähle für dich‘“. Beim anarchistischen Prinzip gebe es „keinen Chef und darum bei der Bärensuppe auch keinen Chefkoch“, sagt sie und will „das weibliche Prinzip auch im Mann ansprechen“.

Derweil begannen andere auf der grünen Strandwiese mit dem Gemüse-Schnippeln. Denn jeder sollte ja von der Bärensuppe so viel essen, wie er braucht…  

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