Serie „Sternberger Kuchen“ – Teil 6 : Ein Kamm zum Beißen

Unterkieferzahn eines Sechskiemerhaies, vormals Sammlung Uebersohn, jetzt Sammlung Reinecke, Bochum.
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Unterkieferzahn eines Sechskiemerhaies, vormals Sammlung Uebersohn, jetzt Sammlung Reinecke, Bochum.

Ein Unterkieferzahn eines ausgewachsenen Sechskiemerhaies der Gattung Hexanchus.

svz.de von
11. August 2016, 20:45 Uhr

Es war ein Fund, den man in einem Sammlerleben nur selten macht und der das Herz des Sammlers höher schlagen lässt. Ich meine das in der Abbildung gezeigte Handstück, welches ich im Jahr 2000 im südlichen, inzwischen ausgekiesten Teilbereich der Kiesgrube Kobrow gefunden habe.

Es zeigt nach der Präparation neben einigen Mollusken einen leicht beschädigten Unterkieferzahn („Kammzahn“, ca. 4 cm) eines ausgewachsenen Sechskiemerhaies der Gattung Hexanchus).

Zahnfunde dieser zur Familie der Kammzähnerhaie (Hexanchidae) zählenden Haie sind im Sternberger Gestein extrem selten. Zudem wurden bisher nur kleinere, von Jungtieren stammende Exemplare gefunden.

Größter Fund dieser Gattung in Deutschland

Nach 15-jährigem Aufenthalt in meiner Sammlung habe ich das Handstück mit dem seltenen Zahn meinem Bochumer Freund und Kollegen Dr. Thomas Reinecke, ausgewiesener Spezialist für fossile Haie, für die wissenschaftliche Bearbeitung überlassen. Es stellte sich heraus, dass es sich um den größten Zahn dieser Gattung aus dem Oberoligozän handelt, der bisher in Deutschland gefunden wurde. Eine genaue Artbestimmung konnte aufgrund der sehr geringen Anzahl gefundener Exemplare bisher nicht durchgeführt werden.

Die altertümliche Gattung der Sechskiemerhaie ist heute nur noch mit zwei Arten entlang der Kontinentalsockel in allen Ozeanen vertreten. Ihr Bestand ist weltweit potenziell gefährdet. Bei beiden Arten handelt es sich um langsam schwimmende Tiefwasserhaie, die sich tagsüber in bis zu 2500 Metern Wassertiefe aufhalten und nur nachtaktiv ihrer Beute bis an die Wasseroberfläche folgen. Beide Arten haben grün fluoreszierende Augen und sind lebend gebärend, wobei die Jungtiere in Flachwasserbereichen ausgesetzt werden. Die größere Art, der als „König der Tiefsee“ bezeichnete, bis fünf Meter lange Stumpfnasen-Sechskiemerhai (Hexanchus griseus) ernährt sich von Knochenfischen, Kopffüßern, Weichtieren, Aas und Meeressäugern (z.B. Robben).

PS: Er kann in der Sendung „Phantome der Tiefsee – Monsterhaie“ auf Arte am Sonntag, den 14. August, um 11.40 Uhr in seinem Lebensraum bewundert werden. Detlef Uebersohn
 

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