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Revierförster Rainer Wagner lud zur jährlichen Treibjagd ein : Ein Jagdtag im Jülchendorfer Forst

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Sechs Rehe, zwei Wildschweine und sehr viel Wild, das gesichtet, aber nicht erlegt wurde, war die Bilanz der diesjährigen Treibjagd in Jülchendorf.

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erstellt am 22.Nov.2011 | 10:23 Uhr

Jülchendorf | Sechs Rehe, zwei Wildschweine und sehr viel Wild, das gesichtet, aber nicht erlegt wurde, war die Bilanz der diesjährigen Treibjagd in Jülchendorf. Revierförster Rainer Wagner hatte eingeladen und 40 Schützen und 20 Treiber machten sich denn mit drei Treibergruppen auf. Einmal im Jahr findet hier eine Treibjagd oder auch Drückjagd genannt statt, erzählte Revierförster Wagner. Seit 28 Jahren hegt und pflegt er das 300 Hektar große Waldgebiet mit seiner Flora und Fauna.

Doch bevor es in die Praxis ging, gab es Theorie: Die Schutzordnung wurde verlesen. Dann wurden die Jäger zu ihren Ansitzen gebracht. Inzwischen war es 9.30 Uhr und die eigentliche Jagd begann. - Zwei Stunden sollte sie dauern. Jagdhornbläser hatten zuvor zum Sammeln geblasen. Unter ihnen war auch Anja Blank. Die 27-Jährige lernt Berufsjägerin und ist gleichzeitig auch Hundeführerin. In Jülchendorf gehörte sie wie andere Hundeführer zu den Gästen, um mit ihren Vierbeinern Wild aufzustöbern und bei der Nachsuche zu helfen.

Der Herbstmorgen war neblig und kühl. Nebeltropfen klatschten auf den mit braunem Laub bedeckten Waldboden. Fast hörte es sich an, als ob es raschelte. Kein Laut durchbrach die Stille. Sogar die Vögel waren inaktiv. In einigen hundert Metern Entfernung huschte ein Sprung Rehe über den Weg und verschwand im Dickicht. Viel zu weit weg, um zu schießen. So beließ Kreisjägermeister Ralf Siewert seine entsicherte Flinte am Stand. "Das männliche Rehwild hat bereits ab dem 15. Oktober Schonzeit. Die Böcke werfen ihr Gehörn ab Januar ab. Auch die verkürzte Jagdsaison von vier Wochen, die das Land seit letztem Jahr einberief, schont das Wild. Auf den Feldern sind so im Winter oftmals Sprünge von manchmal bis zu 30 Stück Rehwild zu sehen. Im Sommer hingegen sucht jeder Bock sein eigenes Revier, seinen Einstand. Im Gegensatz zu Dam- und Rotwild, die eher nachtaktiv sind, sind Rehe auch oft am Tage zu sehen", erzählte Siewert und hängt eine leuchtende Warnweste an den Standrand. So konnte ihn auch Aurelio Fragomeli, der den Stand 200 Meter weiter ansaß, sehen. Solch knallige Farben werden von den Wildtieren nicht wahrgenommen, ebenso die grüne Kleidung nicht, dafür aber die Hautfarbe der Hände. Also ziehen sich einige Jäger Handschuhe an, erzählte Ralf Siewert.

Seit über 20 Jahren geht der 44-Jährige zur Jagd. Bevor er seinen Jagdschein gemacht hat, war er drei bis vier Jahre mit einem erfahrenen Jagdmann mitgelaufen, als Treiber dabei gewesen und hatte so waidmännische Erfahrung gesammelt. Die fehle einigen Jungjägern heute leider, meinte er. Vor drei Wochen wurde der Draguner in das Amt des Kreisjägermeisters berufen auf Grund der Neustrukturierung der Landkreise. Er ist das Bindeglied zwischen den Jägern und der Unteren Jagdbehörde.

Plötzlich die Ankündigung von Nachbaransitzer Fragomeli, dass sich Rotwild nähert. Wenige Sekunden später und der Spießer war hochflüchtig über der Schneise zu sehen. "Das war nicht zu schießen, auch wenn das Tier nur auf 30 Schritt an uns vorbei lief", so Siewert, der beruflich übrigens als eigenständiger Schornsteinfegermeister arbeitet.

Fuchs und Marderhunde sind wieder rückläufig, weiß er. Die Staupe hatte das Raubwild dezimiert. Ansonsten halte es sich mit dem Wild in Grenzen. Nichts komme übermäßig viel vor. Wildschweine sind trotz der in diesem Jahr reichlich vorherrschenden Eichel- und Buchenmast auf den Feldern zu finden. Sie brauchen tierisches Eiweiß in Form von Würmern, Käfern und Engerlingen und wühlen so auf den Feldern danach.

Inzwischen zeigte die Uhr zehn Minuten nach zehn Uhr. Plötzlich ein Knacken. Ein Schwarzkittel preschte in flottem Tempo aus dem Dickicht über den Weg und war auch schon hinter Buchenstämmen und Waldhügeln verschwunden. "Das war wohl eine Sau", flüsterte Ralf Siewert. Dann hallte ein Schuss durch den Wald. "Da hat bestimmt jemand das Schwein vor die Flinte bekommen", meinte der Jagdmann wieder im Flüsterton.

Und hatte Recht. Der Dabeler Revierförster Jörn Schilling erlegte das Wild einige hundert Meter weiter im Busch, wie der Wald auch in der Fachsprache genannt wird, und zog es mit drei Jägern später auf den Anhänger, um es zur Strecke zu fahren. Anhand der so genannten Schweißspur - das ist das Blut, das das Tier verliert -, können die Jäger die Spur verfolgen, die ein Tier noch zurücklegt. Mit einem glatten Lungenschuss hatte Jörn Schilling das Wildschwein sauber zur Strecke gebracht.

Zu einem zünftigen Jagdabschluss gehörte auch in Jülchendorf das Schüsseltreiben, das Mittagessen. Den Erlegerbruch steckte Rainer Wagner jedem erfolgreichen Schützen in Form eines Zweiges an den Hut. Sein Fazit: In seinem Revier gebe es mehr Wechselwild, auch könne er nicht über übermäßigen Wildschweinbestand klagen, wie es andernorts der Fall ist. Seiner Ansicht nach würden zu viele Bachen weggeschossen werden. "Man sollte waidmännisch jagen, sonst verändern sich die Strukturen im Wildbestand", so die Auffassung des erfahrenen Waidmannes aus Jülchendorf.

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