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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. Oktober 2017 | 02:56 Uhr

Neperstorf : Ein Herz für Nachbar Adebar

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Neperstorfer Familie nimmt sich einem Jungstorch mit gebrochenem Flügel an. Ist die Rettungsaktion geglückt?

von
erstellt am 09.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Von ihrem Hof in Neperstorf aus haben Marie-Kristin Bollow, Stefan Grinnus und die Kinder Martin (13), Franziska (12), Fritz (5) und Paul (3) den besten Storchenblick – zum Nest auf einem Mast gleich neben dem Grundstück. Sie sind nicht nur äußerst tierlieb, holen etwa jede humpelnde Katze von der Dorfstraße zu sich. Vor allem Adebar hat es ihnen angetan. „Jeden Morgen wird geschaut, wie es den Störchen geht. Einfach herrlich ist das!“, so Stefan Grinnus. Dessen Frau war bis vor vier Jahren die Storchenbeauftragte im Ort. „Ich habe Ankunft, Abflug und Zahl der Jungtiere aufgeschrieben“, erzählt sie. Doch jetzt habe sie keine Zeit mehr „alles genau zu beobachten. Wenn ich es mache, dann richtig“, betont die Hundefrisörin von Beruf.

Doch ein Herz für Adebar hat man weiterhin. Und so alarmierte vergangenen Freitag der Hinweis von Reno Diederichs, der einen Jungstorch komisch an der Osterfeuerstelle sitzen sah . Grinnus: „Wir haben den Storch eingefangen, ein Flügel hing runter, er war gebrochen.“ Die Wunde sei bereits voller Maden gewesen, die Verletzung musste also bereits einige Tage alt sein.

Wohnen gleich neben dem Neperstorfer Storchennest: Marie-Kristin Bollow und Stefan Grinnus mit ihren Kindern Martin (13), Franziska (12), Fritz (5) und Paul (3).
Wohnen gleich neben dem Neperstorfer Storchennest: Marie-Kristin Bollow und Stefan Grinnus mit ihren Kindern Martin (13), Franziska (12), Fritz (5) und Paul (3). Foto: Roland Güttler

Es begann eine wahre Tierrettungs-Odyssee, die am Ende nicht von Erfolg gekrönt war. „Am Sonnabendvormittag erhielt ich von der Tierklinik in Rostock den Anruf, dass das Tier eingeschläfert wurde“, so Bollow. „In Marlow (Vogelpark – d. Red.) gibt es (doch) viele Störche, die nicht fliegen können“, fügt die Neperstorferin hinzu, die am Dienstagabend vom Tod „ihres“ Jungstorchs immer noch ergriffen war.

Die Schweriner Geschäftsführerin des BUND, Rica Münchberger, findet es „außerordentlich begrüßenswert, dass es Leute gibt, die solche emotionale Bindung zu Tieren aufbauen können“. Sie habe „große Hochachtung davor, wenn wie in Neperstorf der verletzte Storch eigenhändig in die Rostocker Tierklinik gebracht wurde und damit ja auch Geld verbunden ist“.

Grundregel bei verletzten Wildvögeln

Gleichzeitig betonte Münchberger gegenüber SVZ, dass andere Sachen wie Nahrungsangebot und Nistplätze „viel entscheidender sind als wenn ein Vogel aus einem Nest fällt oder sich einen Flügel bricht. So emotional bedeutsam das für den Einzelnen verständlicherweise auch ist“.

Dr. Lothar Daubner aus Klein Görnow, amtlicher Tierarzt im Landkreis Ludwigslust-Parchim und zugleich ehrenamtlich Storchenbetreuer im Altkreis Parchim, wies in dem Zusammenhang auf eine Grundregel hin: „Wildvögeln sollte geholfen werden, wenn sie nach der Behandlung baldmöglichst wieder ausgewildert werden und sich selbstständig Nahrung suchen können.“ Für Wildvögel sei es nachgewiesenermaßen „ein enormer Stress, wenn sie sich nicht frei bewegen können“, so Dr. Daubner, für den ein Storch als Fußgänger geradezu ein Graus ist. „In allen Tierparks laufen solche Tiere rum.“ Bei Nachzuchten sei der Stressfaktor nicht das Problem.

Zu Flügelbrüchen komme es häufig beim Anflug auf ein Objekt. „Jungstörche steuern anfangs noch ungeschickt ihr Ziel an oder landen nicht richtig“, so der Experte. Zugleich bestätigte der Klein Görnower, dass Marie-Kristin Bollow mit ihrem Anruf unter 112 bei der Rettungsleitstelle schon an der richtigen Adresse war. „Die müssten eigentlich weiterhelfen können.“ Hier wurde der Neperstorferin nach deren Angaben jedoch mitgeteilt, dass man nicht zuständig sei. „Für entlaufene Hunde ja, aber nicht für so was wie einen Storch.“ In ihrer Verzweiflung starteten die Tierfreunde einen Facebook-Aufruf. Viele Leute hätten geschrieben samt Tierklinik-Tipp. Nach einem Anruf setzte man sich noch Freitagabend ins Auto.

Leider ohne Happy End. Umso mehr achtet man jetzt am Hofplatz 1, wie es dem verbliebenen zweiten Neperstorfer Jungstorch geht. Dienstagabend war der auf Futtersuche auf einem Roggenfeld beim Mähdrusch…

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