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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

21. November 2017 | 20:37 Uhr

Wismar : Ein Hausboot auf zwei Rümpfen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Ex-Schiffbauingenieur Ulli Nothnagel baut seit drei Jahren an seinem ganz besonderen Freizeitschiff

Endlich ist auf dem Hausboot von Ehepaar Waltraud und Ulli Nothnagel Ruhe und erstes Erholen auf dem Wasser angesagt. Das besondere Wasserfahrzeug mit zwei Rümpfen aus drei Millimeter dickem Stahl hat seinen festen Liegeplatz direkt hinter der schützenden Mole des Wendorfer Yachthafens erhalten. Der Bootsname „endlich Ruhe!“ steht nicht von Ungefähr an diesem Freizeitschiff – übrigens dem einzigen dieser Art weit und breit. Daher darf das Objekt auch getrost als Unikat gelten. Schließlich hat Skipper Ulli, Schiffbauingenieur im Ruhestand, das zehn Meter lange und vier Meter breite Freizeitschiff nicht nur selbst konzipiert. Seit drei Jahren werkelt er an diesem Objekt mit etwa 30 Quadratmeter freizeitlicher Nutzfläche.

Noch vor kurzem stand das kastenförmige Wasserfahrzeug an Land, bis es der Erbauer selbst per Hafenkran gefühlvoll und sicher ins Hafenwasser gleiten ließ. „Hausboote sind im Trend, das haben uns vor allem die Holländer vorgemacht“, argumentiert der Schöpfer. Gerade bei älteren Wassersportlern, die es inzwischen etwas ruhiger und beschaulicher mögen, ohne auf den direkten Kontakt zum Wasser verzichten zu müssen, sind diese Objekte besonders beliebt. Mit stolzen fast 78 Jahren darf sich da der gestandene Freizeitsegler mit mehr als 50 Jahren wassersportlicher Leidenschaft ganz sicher zu dieser Gruppierung hinzuzählen.

Erster Eindruck beim Besuch an Bord: Es ist ausreichend Platz und Raum und überall dominiert die Gemütlichkeit. „Achtung, die Stehhöhe habe ich nach meiner Körpergröße konzipiert“, warnt Skipper Ulli mit spaßiger Miene beim Eintritt in den Wohnbereich. Dort ist rings um die Sitzecke alles vorhanden: der Sanitärbereich, die kleine Kochecke und ein Kühlschrank. Natürlich fehlt eine Heizung für kühle Tage nicht. Folglich ist ebenfalls ein Landanschluss für Strom und Wasser vorhanden. Der Steuerstand mit Blick voraus ist noch im Bau. „Zwischen beiden Rümpfen wird noch ein Außenbordmotor installiert, der für eine gewisse Mobilität auf dem Wasser sorgt“, so noch ein Hinweis von ihm. Damit sind weitere, letzte Restarbeiten noch notwendig. Dazu gehören unter anderem das Anbringen eines Ruders im achteren Bereich. Zwei bequeme Kojen runden im etwas abgetrennten Schlafraum den Komfort ab. In Richtung Heck geht es zum „Wintergarten“, einem weiteren Ausruhe- und Entspannungsplätzchen. Viel Glas sorgt für einen weitläufigen Ausblick. Das ähnelt allerdings eher einem Gartenlaubenmilieu. Ein Argument, welches der „maritime Bauherr“ ganz locker sieht: „Das war absolut gewollt.“ Es stört ihn zudem in keiner Weise, falls gar jemand von den „Upper Class Yachties“ über seine gewiss etwas eigenwillige Konstruktion die Nase rümpfen sollte. „Egal was anderen meinen, für meine Frau und mich ist dies künftig unser gemütlichster Platz auf dem Wasser“, ist er sich sicher.

Allein die Tatsache, sich in seinem Alter noch einmal an ein solches Projekt gewagt zu haben, verdient bereits jetzt großen Respekt. Doch da wiegelt der rüstige Freizeit-Kapitän ab: „Man braucht halt eine sinnvolle Aufgabe, die einen solange es geht, körperlich und geistig fit hält. Nur übertreiben sollte man es nicht und sich ruhig vernünftige Pausen zum Ausruhen gönnen.“

Für den gestandenen Mann von Fach war es übrigens die zweite Eigenbau-Herausforderung. Schließlich hatte er Jahrzehnte zuvor schon seine Segelyacht „Seute Deern“, die einzige übrigens mit Galionsfigur am Bug im Yachthafen, selbst auf stählernen Kiel gelegt. Fachliche Kompetenz im Freizeit-Schiffbau war damals in diesem kaum vorhandenen Marktsegment ein wesentlicher Vorteil. Richtig bekannt wurde sein Boot erst mit dem 2. Mai des Jahres 1998. Es war jener denkwürdige Tag, als die feierliche Einweihung des ersten Bauabschnittes des neuen Seglerhafens für den Yachtclub Wismar stattfand. Sein Freizeitschiff durfte vor den Augen hunderter Gäste das erste sein, welches per Kran ins Wasser ging.

 

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