Dreetz : Ein Glas Honig im Monat als Pacht

Einen originalen Dachziegel von 1936 zeigt Anja Abdank vor dem restaurierten Bienenhäuschen aus den 30er-Jahren.
Einen originalen Dachziegel von 1936 zeigt Anja Abdank vor dem restaurierten Bienenhäuschen aus den 30er-Jahren.

Mit Unterstützung von Landwirt Kurt-Peter Gaedecke wurde an der Dreetzer Streuobstwiese ein Bienenhäuschen wieder auf Vordermann gebracht

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31. März 2020, 16:30 Uhr

Es gab eine Zeit, da gingen in diesem Häuschen der Hahn und seine Hennen ein und aus. Und es gab noch eine Zeit davor – so Mitte der 1930er-Jahre – als auf der angrenzenden Wiese Obstbäume, vor allem Apfel- und Birnenbäume gepflanzt wurden. In dieser Zeit war es üblich, am Rande einer Streuobstwiese ein Bienenhaus aufzustellen, berichtet Dirk Müller vom Förderverein Bützower Land. Zu dieser Zeit wurde die Verbundenheit mit der Natur noch aktiv gelebt.Die Honigbienen hatten das Sagen in dem Häuschen, bevor die Hühner einzogen. Dirk Müller erzählt auch, dass man dieses alte Eichenhäuschen als Bienenhaus wieder zum Leben erwecken wolle.

Zwischenzeitlich wurde Kurt-Peter Gaedecke von der Agraprodukte GmbH Zernin der Grundeigentümer des Grundstücks mit Streuobstwiese und Bienenhaus. Er wollte auf die Förderung für das Bienenhäuschen, die nur mit einer langfristigen Pachtvereinbarung möglich gewesen wäre, verzichten und habe im Gegenzug überraschend angeboten, die Restaurierung auf eigene Kosten und in Eigenregie durchzuführen, berichtet Müller weiter. Einem Imker wolle er das Bienenhaus für zwölf Gläser Honig jährlich zur Verfügung zu stellen. „Damit war das Projekt gerettet und konnte weitergeführt werden“, betont Müller.

Inzwischen ist das 80 Jahre alte Häuschen saniert. Dabei konnte viel von dem Eichenholz erhalten werden. Das Dach wurde mit seinen alten Ziegeln neu gedeckt. „Hier handelt es sich um Dachziegel, die von der Brüggener Tonwarenindustrie 1936 gebrannt wurden. Damit kann unter anderem das Alter des Bienenhäuschens belegt werden“, ergänzte Anja Abdank vom Streuobstnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern. „Und fehlende Ziegel konnten wir dank einer privaten Spende mit Originalziegeln ergänzen.“ Nun fehlen nur noch die Einfluglöcher. Das heißt, es müssen noch Klappen eingeschnitten werden, damit die Bienen rein und raus kommen. „So war das früher auch, dass das Häuschen auf der windabgewandten Seite offen war“, weiß Anja Abdank zu berichten. Als letztes ist draußen nur noch etwas Schutt zu beseitigen, innen ist dann das Häuschen samt Plattenfußboden bereitet, damit die Immen einziehen können.

Diese wird Imker Dietmar Seyer aus Rühn nach Dreetz bringen. „Ich werde vier Völker zur Vermehrung bis Ende Juni rüberbringen und sie werden dann dort bleiben“, erklärt der 59-Jährige. Seit gut zehn Jahren beschäftigt er sich mit Bienen und der Honigproduktion. Den Standort des Häuschens an der Dreetzer Wiese findet er erst einmal in Ordnung. Er müsse die Sache natürlich erst beobachten, sehen, wie alles angenommen wird.

Anja Abdank und Dirk Müller sind diesbezüglich optimistisch, tun sie doch alles, um den Bienenstandort optimal zu halten. Zweimal im Jahr, immer im Mai und August, wird die Wiese von ihnen mit der Sense gemäht, um das Blühen zu fördern.

„Nun hatten wir im letzten Jahr Fördermittel für die Restaurierung beantragt. Dadurch, dass Herr Gaedecke diese Kosten übernahm, stellten wir für die schon bewilligten Fördermittel einen Änderungsantrag, der ebenfalls bewilligt wurde“, erzählt Dirk Müller. So konnten hochwertige Landschaftspflegetechnik, ein Hochgras-Balkenmäher mit Anbaugeräten, Grubber und Rotationspflug angeschafft werden. „Damit kann die Gemeinde künftig ausgewählte Flächen, insbesondere die beiden Streuobstwiesen bienen- beziehungsweise insektenfreundlich bewirtschaften. Das Anlegen von Blühstreifen ist auch geplant“, erläutert Dirk Müller. Jetzt fehlen nur noch ein Schild und eine Tafel, die auf das Bienenhäuschen hinweisen sollen, betont Anja Abdank.

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