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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. Oktober 2017 | 08:32 Uhr

Sternberg : Ein-Euro-Jobber bauen Wikinger-Boot

vom

Wenn kommendes Jahr ein zehn Meter großes Wikinger-Boot auf dem Sternberger See fahren sollte, dann können Langzeitarbeitslose aus der Region sagen: "Das haben wir gebaut."

svz.de von
erstellt am 26.Sep.2013 | 10:55 Uhr

Sternberg | Wenn kommendes Jahr ein zehn Meter großes Wikinger-Boot auf dem Sternberger See fahren sollte, dann können Langzeitarbeitslose aus der Region sagen: "Das haben wir gebaut." Insgesamt 20 Männer, allesamt Hartz-4-Empfänger, arbeiten derzeit an den Projekten "Historischer Bootsbau" sowie "Holzbau".

"Das macht sehr viel Sinn, denn sie schaffen so was Bleibendes", betont Jens Lahl, Geschäftsführer des Güs trower Bildungshauses mit Stätten in der Barlachstadt sowie in Rostock und Sternberg. Langzeitarbeitslose im allgemeinen seien mit sich und der Gesellschaft sehr unzufrieden. "Wenn sie für Kinder, vielleicht gar für ihr Kind oder den Enkel etwas anfertigen, dann macht das Stolz und entwickelt wieder Selbstbewusstsein", so Lahl. Damit spielt er ganz konkret auf ein weiteres Projekt an: die Spielekiste. Hierbei sind noch bis November sechs Frauen beschäftigt. Die beiden Spielkisten sind fertig, jetzt werden die Spielsachen dafür angefertigt. "Ich habe selten eine Maßnahme gehabt, bei der die Teilnehmerinnen so engagiert und mit so viel Freude dabei sind", sagt Heidi Morlang, die Leiterin der Sternberger Außenstelle.

Und noch ein viertes Projekt unter dem Namen "Marktplatz" mit weiteren sechs Teilnehmern läuft hier gegenwärtig. Dabei entsteht der Sternberger Marktplatz im Modell von 1:25, angelehnt an die Bützower Miniaturstadt. Kirche, Alte Post sowie die Häuser, in denen sich die SVZ-Lokalredaktion

sowie die Gemeinschaftspraxis für Physiotherapie befinden, sind bereits fertig. Morlang: "Jetzt sind sie bei der Volks- und Raiffeisenbank, malen gerade das Dach an. Ich denke, am Wochenende ist auch dieses Modell fertig. 2014 ist dann die gegenüber liegende Seite mit der Gaststätte dran." Gesucht wird allerdings noch eine Stätte, wo Sternbergs Marktplatz in Miniformat aufgestellt werden kann.

Die Maßnahmen in der Sternberger Außenstelle des Güstrower Bildungshauses laufen unter "AGHMAE". Dahinter verbirgt sich der Bürokratendeutsch-Begriff "Arbeitsgelegenheit mit mehr Aufwandsentschädigung" - früher mal hieß das kurz "Ein-Euro-Jobs". Im kommenden Jahr soll es bundesweit allerdings nicht mehr so viele "AGHMAE"-Maßnahmen geben. Heidi Morlang weiß darum auch noch nicht, ob und welche Dinge es dann im Bildungshaus neu geben wird. Die "Spielekiste" läuft im November aus, die anderen drei Projekte gehen noch bis Ende März bzw. Ende Juli.

Während für das große, flach gehende und mit Staken zu bewegende Holzboot Marke Spreewaldkahn nur noch die sechs Bänke für die 18-Mann-Besetzung fehlen, existieren vom Wikinker erst einmal nur Modelle der unterschiedlichsten Größe. Unter den Händen vom Witziner Alexander Kalinich sowie Jürgen Grubert aus Sülten - es wird immer in Zweierteams gearbeitet - entsteht gerade im Verlauf eines Monats ein Modell im Maßstab von 1:10. "So erlernt man die nötigen Fingerfertigkeiten und tastet sich ans richtige Boot heran", erläutert Ausbilder Peter Ludwig.

Die Bootsbauer im Bildungshaus kommen aus den unterschiedlichsten Berufen und sollen alles ausprobieren. Und irgendwann geht es an den Bau des richtigen Wikingers heran - einen solchen gibt es bereits in der Rostocker

Außenstelle. Alles in Eigenregie. Das Ruder etwa wird laut Geschäftsführer Lahl "aus einem Vollholzrohling hergestellt".

Die Idee mit dem historischen Bootsbau hat sich Jens Lahl vom Ratzeburger Weltumsegler Burghard Pieske und dessen "Wikinger Alte-Schule e.V." abgeschaut. Bei Pieskes Projekt "Euro-

Viking" rudern und segeln Jugendliche aus allen europäischen Nationen mit selbst gebauten Wikinger-Schiffen auf historisch verbürgten Routen an Europas Küsten, in Seen und Flüssen.

Hier in Sternberg will man hingegen nur auf die heimischen Seen hinaus…

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