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Sport, Spiel und Erleben in Neukloster : Ein etwas anderer Schulsport

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Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Der VfL Neukloster, Verband für Behinderten und Rehabilitationssport sowie vier Schulen in Neukloster veranstalteten ein Inklusionssportfest.

svz.de von
erstellt am 08.Jul.2017 | 05:00 Uhr

„Ich fand es unwahrscheinlich schwer, mir tun schon die Hände weh“, äußerte sich Julina aus der 6c der Regionalen Schule. Nele, 6b, ergänzte: „Das war mal ein völlig anderes Schulsportfest. Wir haben erst eine Einweisung in den Rollstuhl und das Basketballspiel bekommen und danach mussten wir fahren, den Ball halten, werfen und wenn es geht, auch noch den Basketballkorb treffen - also, das war schon verdammt schwer.“

Die Mädchen sprechen über das 1. Inklusionssportfest in Neukloster. Auf Initiative des VfL Blau-Weiß und in enger Zusammenarbeit mit dem Verband für Behinderten und Rehabilitationssport (VBRS) wurde das Fest am Donnerstag und gestern ausgerichtet. Sportlich aktiv, aber mal in völlig anderer Richtung, waren Jungen und Mädchen der 6. und 7. Klassen aller Neuklosteraner Schulen: Gymnasium, Regionale Schule, Überregionales Zentrum „Sehen“ und Allgemeine Förderschule. Grundlage war das Projekt „Die Aufklärer - Handicapsport bewegt Schule“ des VBRS M-V. Hier lernten die Schüler Sportarten kennen, die Menschen mit Handicap, zum Beispiel aus dem Rollstuhl heraus, betreiben, wie Rollibasketball und -batminton. Der RolliParcours half den im Umgang mit einem Rollstuhl unerfahrenen Schülern zu einer ersten Beweglichkeit für die Sportarten.

Der VfL ergänzte den Stationsbetrieb um Stationen für Sehbehinderte oder sehschwache Menschen, wie Goalball, Fußballsoccer (Blindenfußball), Slalomtandemfahren, GoKart, Mobilitätstraining (d. h. Gehen mit verbundenen Augen und dem Blindenstock). Die ca. 150 Schüler der vier Schulen wurden durcheinandergewürfelt in zehn Gruppen aufgeteilt. Die Betreuung der Stationen wurde von Lehrern, Erziehern und vom VBRS übernommen.


„Respekt den echten Rollstuhlfahrern“


Tino Ammon vom VBRS zum Beispiel erklärte den Sechstklässlern Charlotte, Julina und Nele aus der Regionalen Schule und den anderen der Gruppe, wie sie sich schnell und wendig mit dem Rollstuhl bewegen können. Dazu noch die Basketballregeln und dann wurde gespielt. Zu Anfang recht unbeholfen, dann aber doch immer zügiger rollten die jungen Leute über das Feld und es fielen sogar Tore. „Das hat schon Spaß gemacht, war aber anstrengend - Respekt den echten Rollstuhlfahrern!“, so Charlotte.

Das Rollstuhlbatminton leitete Sonja Bade ( VBRS). Sie ist zwar nicht völlig an den Rollstuhl gefesselt, benötigt ihn aber. Badminton hat sie sich als ihre Sportart gewählt und ist darin gerade wieder Deutsche Meisterin geworden. „Was wir hier spielen, ist Rollstuhlbatminton integra, d. h. ein Rollifahrer und ein Fußgänger sind in jeder Mannschaft“, erläuterte sie. „Hier haben die Schüler das Problem, sie sehen den Ball heranfliegen, aber wie kommt man dahin, wo er runtergeht. Ich habe meinen Sportstuhl mitgebracht. Der ist schon sehr beweglich, aber trotzdem ist es für diese Schüler eine große Herausforderung.“

„Also ich fand das sehr schwer“, meinte Mimi aus der 6 a der Regionalen Schule. Und Saskia, 6a, ergänzte: „Man hat sich nie in einen Rollstuhlfahrer hineinversetzen können. Es ist gar nicht so einfach, wenn man derartig eingeschränkt ist. Ich bewundere diese Menschen, dass sie trotzdem fast alles machen können, auch wenn sie mehr Mut und Kraft brauchen. Deshalb finde ich es ganz schlimm, wenn auf der Straße Menschen im Rollstuhl oder mit einer Behinderung überhaupt angepöbelt, ausgelacht oder sogar beleidigt werden. Aber wir in Neukloster werden mit solchen Menschen groß und deshalb finde ich die Toleranz hier auch toll.“

Für Fabian aus der 6c war das Fußballspiel für Blinde eine große Herausforderung. Während sich Ronja aus der 7a des Gymnasiums im Rollstuhl über ein Brett quälte und die Wippe meisterte, sogar die Kegel des Slalomparcours ohne eine umzustoßen absolvierte, war Paul, ebenfalls aus der 7. Klasse, mit verbundenen Augen und Blindenstock zusammen mit Lehrerin Astrid Böhm von der Überregionalen Schule „Sehen“ auf deren Schulhof unterwegs. „Ich wusste zum Schluss schon nicht mehr, wo ich war“, so Paul. Böhm, Lehrerin im Fach Orientierung und Mobilität, erklärte, dass der Umgang mit dem Blindenstock ein Unterrichtsfach an der Schule sei. Wer damit umgehen kann, habe schon einen großen Schritt in Richtung Selbstständigkeit getan.

Das Inklusionssportfest soll nun im zweijährigen Rhythmus wiederholt werden.

 

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