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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

13. Dezember 2017 | 19:52 Uhr

Ventschow : Ein Dorf leistet sich seine Halle

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Feierliche Wiedereröffnung am Sonnabend in Ventschow / Unvorhergesehene Arbeiten bei der Sanierung erforderten zusätzliche Mittel.

von
erstellt am 04.Sep.2014 | 22:50 Uhr

Ventschow Geschafft und stolz zugleich ist Hallenwart Marko Klee. Morgen zwischen 14 und 16 Uhr feiern die Ventschower  die  Wiedereinweihung  ihrer Sporthalle. Seit dem 1. April wurde am Parkettfußboden,  an der  Umstellung der Hallenbeleuchtung auf LED und im Bereich Trockenbau gearbeitet. Dafür gab’s vom Land einen Fördermittelbescheid in Höhe von 21 000 Euro, weitere 40 000 steuerte die Gemeinde bei.

Doch wie so oft bei Sanierungsarbeiten stiegen die Kosten.   So musste u.a. statt  der

geplanten  fünf Quadratmeter das Parkett  auf gleich 200 m2 erneuert werden. Also schob die Landesregierung im Juni nochmals  Fördermittel nach. Letztlich  betrugen diese 32 100 Euro. Und auch der Anteil der Kommune wuchs auf letztendlich  47 200 Euro.

Unterm Strich ließ sich Ventschow sein sportliches und kulturelles Zentrum allerdings knapp 91 800 Euro kosten. „Alles andere sind Spenden“, betont Marko Klee.  Über Sponsoren wurden z. B. die Fangnetze erneuert, neue Sitzmöglichkeiten für Besucher geschaffen, die Betonpfeiler verkleidet und ein Holzbodenschutzbelag angeschafft. Die überaus engagierten Sportler, in der SG sind  fast 180 Mitglieder in sieben Sektionen, darunter an die 100 Kinder und Jugendliche, bekamen die „Kohle“ auch noch für vier

gebrauchte Basketballkörbe mit großer Platte inclusive Montage und sogar erstmals auch für eine Anzeigetafel in der 1977 eröffneten Halle zusammen. Nicht irgendeine: „Das ist eine  Bundesligatafel aus Frankfurt/Main, die nutzte einst ein Handballverein.“ Marko Klee trieb sie für 600 Euro auf. „Eine neue hätten wir uns nicht leisten können, die kostet 3500 Euro“, so der Gemeindevertreter und das SG-Vorstandmitglied in Person.

Die edlen Spender sollen laut Hallenwart denn auch im Foyer auf  einer Ahnentafel verewigt werden. „Daneben kommen historische Fotos vom Bau in den 70ern“, sagt Klee.  Im Foyer steht zudem eine

Vitrine mit Utensilien, die man unterm Hallenboden und in Ritzen im Heizungsbereich fand:  Kleingeld aus DDR-,

D-Mark- und Eurozeiten. Auch liegen unter Glas u.a. eine leere Platzpatronenhülse und eine alte F6-Schachtel.  Und daneben steht eine Schubkarre voller Müll. „Bei jeder der insgesamt acht Heizungstruhen wurde so viel Unrat, vor allem aus den wilden 90ern, entdeckt“, sagt Marko Klee. Mit den „wilden 90ern“ meint  er die Discozeit zwischen 1993 und ’96. Daher käme nicht nur das Gros des Mülls, vermutet der 43-Jährige, damals sei auch das Parkett arg in Mitleidenschaft gezogen worden.

940 000 DDR-Mark kostete die Halle  in 70ern

Zudem wurde seit der Wende, bis auf die Erneuerung einer Außentür, kaum was an der Halle gemacht. Alle zehn Jahre wäre ein Pflegetonus fällig gewesen. „Der letzte erfolgte 1985. Bis 2014 ist dann nichts passiert“, berichtet der Ur-Ventschower.

 Darum sind nicht nur die Mitglieder der Sportgemeinschaft froh, dass sich die Gemeinde diese Hallensanierung überhaupt leistete. Errichtet wurde das Objekt in den Jahren 1975 bis ’77 als „Initiativbau“ des Ventschower Betonwerks unter Federführung des damaligen Direktors Horst Kusch. Der Betrieb  zählte zu DDR-Zeiten  an die 500 Mitarbeiter und die Halle wurde als Stätte für Betriebsfeiern geplant.  Zuvor mussten die Betonwerker dafür mit sieben, acht Bussen  nach Schwerin oder Güstrow fahren. Zudem wurde es die Sporthalle der Schule, die es  in Ventschow  aber seit Jahren nicht mehr  gibt.  Der Bau kostete, wie alte Unterlagen belegen, 940 000 DDR-Mark. Klee: „Zur Einweihung gab es 1977 hier  ein Handballspiel der DDR gegen Rumänien.“ So hochkarätig geht es bei der morgigen Wiedereinweihung bei weitem nicht zu. Dennoch freuen  sich die Ventschower, aber auch diverse auswärtige Teams, dass die Halle wieder öffnet. Für den Sport, aber ebenso für Feste in der 680-Einwohner-Gemeinde.Roland Güttler

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