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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 04:59 Uhr

Dabel : Ein Bild und erste Worte in Deutsch

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Helferkreis Dabel unterstützt Flüchtlinge bei der Organisation ihres neuen Alltags / Der neunjährige Salid hat für die Helfer gemalt

svz.de von
erstellt am 02.Dez.2015 | 16:32 Uhr

Salid, neun Jahre alt, hat ein Bild gemalt und es den Mitgliedern des Helferkreises Dabel geschenkt. Er spricht Russisch und die ersten Worte auch schon in Deutsch. Der Neunjährige ist mit Eltern und Geschwistern aus Dagestan gekommen. Sie wohnen mit anderen Familien, mit Paaren, allein reisenden jungen Frauen und Männern vor allem aus Syrien, aber auch Afghanistan und Serbien, am Rande von Dabel im früheren Schullandheim. Es sind 40 Erwachsene mit 20 Kindern und Jugendlichen, die vor Krieg, Terror, Schrecken, Verfolgung in ihren Heimatländern geflohen sind und hier auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit hoffen.

Salids Bild verstehen alle ohne Worte. Das Haus, in dem der Junge jetzt für eine Weile wohnt, behütet der Regenbogen. Ein Symbol, das überall auf der Welt für Frieden, Sicherheit und Geborgenheit steht, ebenso für Freude, Hoffnung und Liebe.

Zeichensprache oder in Englisch

Menschen aus Dabel, Sternberg, Kukuk, Kobrow, Zülow, Hohen Pritz, Rothen und weiteren Nachbargemeinden fanden sich spontan zu einem Helferkreis zusammen, um die Geflüchteten bei der Organisation ihres neuen Alltags zu unterstützen. Sie organisieren Gemeinschaftsfahrten zum Einkaufen in Sternberg, übersetzen Beschreibungen von Lebensmitteln, begleiten die Bewohner bei den ersten Arztbesuchen, erläutern ihnen Fahrpläne der leider nur wenigen Busverbindungen, übernehmen Fahrten zu Fachärzten. Auch gehen Mitglieder des Helferkreises in die Unterkunft, um mit den Kindern und Jugendlichen zu spielen. „Mensch ärgere dich nicht“ funktioniert auch sehr gut mit Fingerzeigen, haben sie festgestellt. Aber meist erfolgt die Verständigung in Englisch. Denn nicht nur die meisten Erwachsenen, auch die etwas älteren Kinder sprechen das gut bis sehr gut. Englisch ist in Syrien die erste Fremdsprache. Und einige Bewohner, Alt und Jung, übernehmen gern den Part des Übersetzers – in Russisch, Türkisch oder Arabisch. Wenn Vokabeln fehlen, hilft ein kleines Wörterbuch. Für ihren Einsatz erfahren die Helfer Freundlichkeit, Offenheit und Dank von den Bewohnern der Unterkunft.

Einmal in der Woche wird interkulturell gekocht und gibt es ein besonderes kreatives Angebot für die Kinder: Arbeit mit Ton oder Gestaltung von Windlichtern. Auch ein Plakat mit allen Kindernamen wurde angefertigt. Helfer treffen sich mit den jüngeren Flüchtlingen zu sportlichen Aktivitäten. Aus vielen alten Fahrrädern wurden in gemeinsamer Anstrengung einige, die fahrtüchtig sind.

Für die Kleinsten beginnt bald die Kindergartenzeit, größere Kinder und Jugendliche besuchen die Schule. Sie freuen sich, möchten schnell Deutsch lernen. Auch Kurse für Erwachsene haben begonnen, erst mit finanzieller Hilfe vom Landkreis über die Projektförderung „Demokratie leben“, jetzt sind es intensive Einsteigerkurse.

Viele Helfer führen interessante, aber auch sehr bewegende Gespräche mit den Bewohnern zur Situation in den Heimatländern, die zur Flucht führten, und zu dem, was sie auf ihren Wegen hierher erlebt haben, ebenso über Hoffnungen, Wünsche, aber auch die Ungewissheit. Es entstehen private Kontakte wie sonst mit neuen Nachbarn.

Der Helferkreis trifft sich einmal in der Woche, um sich auszutauschen und Neues zu besprechen. So lernen seine Mitglieder über die Begleitung der Flüchtlinge gleichzeitig, neue Menschen in der nahen Nachbarschaft kennen.

Mancher fragt sich: „Kann auch ich helfen?“ Sehr gern! – so die Antwort aus Dabel. Zum Beispiel als „Zeitspender“ für Fahrten und Begleitung und als „Sachspender“ weiterer Fahrräder und von Zubehör, von Tischtennisplatte, Roller, Pedalo, Federball, CD-Spieler für den Gemeinschaftsraum, CDs mit deutschen Kinderliedern, Häkelnadeln und Wolle. Oder als „Geldspender“ zum Einkauf von Zutaten für das
interkulturelle Kochen, Material für Kreativ-Angebote, eine kleine Kraftstoff-Kasse, denn einige Helfer fahren häufig weite Strecken zu Fachärzten und bezahlen den Kraftstoff bisher aus eigener Tasche. Aber auch als „Ideengeber“.

Sachspenden können in der Unterkunft, Straße der DSF, abgegeben werden. Stellvertretend für den Helferkreis sind Solveig Witt (038485/ 50494) und Thomas Hansen (0176-23359945) Ansprechpartner.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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