Ein Auto aus Pappe und Holz

<fettakgl>Nach drei Jahren Bauzeit </fettakgl>wurde der  Originalzustand des  IFA/DKW F8  im Nachbau   nahezu perfekt erreicht. <fotos>Baldur Beyer</fotos>
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Nach drei Jahren Bauzeit wurde der Originalzustand des IFA/DKW F8 im Nachbau nahezu perfekt erreicht. Baldur Beyer

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25. Januar 2013, 05:39 Uhr

Witzin | Das neue Leben eines schon längst ausgedienten ehemaligen Vor-DDR-Autos, Marke DKW, begann in Witzin vor drei Jahren. Vom alteingesessenen Otto Iselhorst war zu hören, dass er eine Oldtimer-Rarität in Aussicht hätte. Dabei handelte es sich um ein ehemaliges deutsches Nachkriegsauto, das eigentlich schon in sich zusammengefallen war. Ein Witziner Bürger hatte es vor dem totalen Zerfall gerettet und viele Jahre in seinem Schuppen aufbewahrt, um es eines Tages selber wieder aufzubauen. Schweren Herzens verschenkte er es aber an den interessierten Auto-Oldtimer-Bastler, Otto Iselhorst. Dieser hat mit seinem Sohn Ulli schon einige schrottreife Fahrzeuge wieder in Gang gesetzt. Darunter Autotypen wie Trabant, Frohnert F8, Wartburg oder Autounion. Besonders lang ist die Reihe der rekonstruierten Zweiradfahrzeuge. Dazu gehören u.a. die Modelle EMW, AWO, RT125 und ein SR2-Moped der ersten DDR-Mopedgeneration.

Besonders stolz sind Vater und Sohn auf die originale Wiederherstellung einer russischen Altmilitärmaschine vom Typ "Dnepr". Dieses Beiwagengespann wurde in den letzten Weltkriegsjahren von den russischen Militärbehörden vom Originaltyp der deutschen Bayrischen Motorenwerke für den Kriegseinsatz nachgebaut und zusätzlich mit einem Rückwärtsgang ausgerüstet. Dieses Oldtimermotorrad verfügte damals schon über 34 PS Leistung. Selbst heute zeigt das tief knatternde Motorrad seine Stärken und Tücken, wenn sich Vater Iselhorst mit über 70 Jahren auf waghalsige Testfahrten begibt. Zum Vergleich dazu beherbergte das DDR-Auto Trabant ganze 23 PS unter der Motorhaube.

Mit den Erfahrungen im Umgang und der Wiederherstellung alter Fahrzeuge machten sich Sohn Ulli und Vater Otto Iselhorst vor drei Jahren an die für einen Laien unvorstellbare Aufgabe, den IFA/DKW-F8 vom Baujahr 1948 wieder originalgetreu aufzubauen. Neben der Karosserie, die eigentlich nur aus einer Tüte Stoff sowie einigen Blech- und Holzteilen bestand, sollte nach den Vorstellungen der begeisterten Oldtimerenthusiasten ein originalgetreues Auto wieder entstehen. Mit heutigen Augen war ein Motor nur schwer zu erkennen. Er wurde aber als ein original DKW-Zweitaktmotor mit Wasserkühlung identifiziert. An ihm drehte sich kaum eine Schraube, geschweige denn ein Lager oder gar ein Kolben. Kaum zu glauben, was sich die beiden Witziner dort auf den Hof geholt hatten, um daraus ein Auto zu bauen. Denn die tragende Karosserie besteht vorwiegend aus Buchenholz. Die Seitenteile wurden auch im Original schon aus wasserfestem Sperrholz gefertigt.

"Eigentlich besteht das ganze Auto vorwiegend aus Holz, das mit Leder überzogen wurde", fügte Vater Otto Iselhorst hinzu. Nach zwei Jahren Bauzeit präsentierte sich der Oldtimer in der eigenen kleinen Werkstatt, als sei es ein großes Holz-Spielzeugauto.

Wieviel Stunden Vater und Sohn in bester Harmonie über drei Jahre an diesem Sonderexemplar gebaut haben, konnten sie nicht beantworten. Sicher ist aber, dass dafür jede Feierabendstunde draufgegangen ist.

Nicht nur Oldtimerfreunde können gespannt sein, wenn das alt-neue Schmuckstück im Frühjahr zusammen mit dem Oldtimermuseum Groß Raden, in dessen Trägerverein Vater Otto Mitglied ist, vorgestellt wird. Dann soll das bis zur letzten Schraube im Original wieder hergestellte Holz-Auto, welches aber mit Benzin angetrieben wird, eine maximale Geschwindigkeit von 80 km/h entwickeln können.

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