Psychologe Bauer Korl : Eigentlich zu dritt auf dem Sofa

Auf dem roten Sofa von Gastgeberin Gabriele Schumacher-Poschmann war Jörg Klingohr am Mittwochabend in allen Facetten – von ernst bis ganz fröhlich – zu erleben.
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Auf dem roten Sofa von Gastgeberin Gabriele Schumacher-Poschmann war Jörg Klingohr am Mittwochabend in allen Facetten – von ernst bis ganz fröhlich – zu erleben.

Die Gäste beim fünften Wirtschaftsstammtisch in Brüel lernen Jörg Klingohr alias Bauer Korl von ganz anderen Seiten kennen.

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27. November 2014, 16:42 Uhr

Als Bauer Korl kennt ihn hier fast jeder. Doch am Mittwochabend im „Mecklenburger Hof“ in Brüel fehlte die markante Hornbrille. Beim fünften Wirtschaftsstammtisch, „ein kleines Jubiläum“, wie Gastgeberin Gabriele Schumacher-Poschmann eingangs feststellte, sollte es um Jörg Klingohr vom Golchener Hof gehen. Und so begrüßte sie ihn im gut besuchten Hotel-Restaurant als Diplom-Psychologen. „Das bin ich gar nicht gewohnt“, hakte Klingohr sofort ein, meinte dann aber selbst, dass sie eigentlich zu dritt auf dem roten Sofa sitzen würden. Denn Bauer Korl habe seinen Platz in der Mitte. Dieser sei auch eine gestörte Persönlichkeit, so der Golchener noch einmal auf seinen Beruf als Psychologe anspielend. Tatsächlich betreibt er am gleichen Ort, an dem bunte Veranstaltungen mit Hunderten von Besuchern stattfinden, bekannte Künstler auftreten, Hochzeiten und Familienjubiläen gefeiert werden, auch eine psychologische Privatpraxis, ein wirtschaftspsychologisches Institut sowie Unternehmensberatung und -coaching.


„Wir haben hier viele Dinge einfach angepackt“


Jedenfalls geht es an dem Abend gleich ohne Vorgeplänkel in die Vollen. Sonst wäre Klingohr nicht Bauer Korl oder umgekehrt. Amüsant und
gewohnt witzig, aber auch mit Passagen, in denen ein ernster, nachdenklicher, bis zuweilen Traurigkeit zeigender Mann über sein Leben, seine Ansichten Auskunft gibt.

Viele würden sagen, führt Schumacher-Poschmann das Gespräch weiter, mit all den Unternehmungen auf dem Golchener Hof übernehme sich Bauer Korl. Dazu die Frage: „Schaffst du das?“ Prompte Antwort: „Nein!“ Kurze Pause. Natürlich gäbe es für ihn Momente, in denen das Leben leichter sein könnte. „Das hast du doch vorher gewusst“, bekomme er öfter zu hören. Er entgegne, so sei das nicht geplant gewesen. „Wir haben hier viele Dinge einfach angepackt und sind an manchen Problemen vorbei geschrammt.“

Wie er das mache, will die Gastgeberin dann wissen, am Vormittag eine Trauerrede zu halten, um die Mittagszeit eine zur Hochzeit, später vielleicht eine Geburtstagsfeier zu haben und abends Bauer Korl zu sein. „Die Breite der Arbeit ist da, aber nicht an einem Tag“, bleibt Klingohr gelassen. Jedes Mal, wenn Gäste zufrieden sind, fühle er sich wie nach einer bestandenen Prüfung. Dafür würden ihm Erfahrung und gesunde Routine die nötige Sicherheit geben. Für ihn sei das „keine Belastung in dem Sinne, dass es unangenehm ist. Dann würde ich es nicht machen“, sagt er kategorisch. „Mir gefällt diese Spanne.“ Für Außenstehende sei das vielleicht unvorstellbar, für ihn dagegen, als Pilot mit 100 Menschen im Rücken dreimal am Tag nach Mallorca zu fliegen.

Wie er als Unternehmer und Hotelier seinen Platz in der regionalen Wirtschaft und den Golchener Hof als Wirtschaftsfaktor sehe, lautet die nächste Frage. Da gäbe es viele Facetten, sagt der Golchener. „Und jetzt im Ernst: Es ist nicht einfach, hier was aufzubauen.“ Leider sei stark verbreitet, sich gegenseitig Knüppel zwischen die Beine zu halten. Viele hätten Kapitalismus offenbar so verstanden, dass wirtschaftlicher Erfolg verlange, sich gegenüber anderen durchzusetzen. Und politische Entscheidungen hätten dazu geführt, dass wirtschaftliche Kreisläufe in der Region nicht funktionieren, Kaufkraft vor Ort nicht zirkuliere. In
jedem neuen Lebensmittelmarkt müssten regionale Produkte Vorrang erhalten.

Keineswegs sehe er sich als Unternehmer und schon gar nicht als Hotelier, so Klingohr. Mit dem ersten Begriff habe er seine Probleme, weil zu viele Unternehmer, die sich so bezeichnen, gerade in den ersten Jahren nach der Wende nur auf den eigenen Vorteil bedacht gewesen seien.

Dass seine Wahl auf Golchen fiel, sei Zufall gewesen. Er habe ein Unternehmen beraten, das eine Investition in Aussicht hatte, aus Plastebeton hochwertige Grabsteine zu produzieren, die sich bietende Chance aber nicht nutzte. Da sei er auf dem Weg von Schönlage zur Arbeit in Schwerin immer an Golchen vorbei gefahren und habe überlegt, wie er das dort mit dem Plastebeton anstellen könnte. Ein Stück Land hatte er gekauft, um in die Landwirtschaft einzusteigen, dann eine Bergehalle, dort aber erst einmal Kaffee angeboten und die Halle danach umfunktioniert. Mit der Zeit hätten ihn die Mitarbeiter des Bauamtes in Parchim jedoch „auf den Pfad der Tugend“ geführt.


Gelernt beim Sternberger Karnevalsverein


1998 habe er Bauer Korl erfunden. „Viele dachten, dahinter steckt ein Konzept. Aber die Figur lebt von der Konzeptionslosigkeit“, gibt Klingohr lächelnd preis. So wie er sich bis heute nicht hinsetze und Programme schreibe. Improvisieren liege ihm mehr. Vieles ließe sich auch nachnutzen. Vom Berliner Kabarett „Die Distel“ habe er so einiges hierher transferiert. „Doch gelernt habe ich vor allem beim Karnevalsverein im Sternberger Kulturhaus. Dafür bin ich heute noch dankbar. Auch wenn ein großer Teil enttäuscht war, als ich aufhörte. Doch sonst hätte ich auf der Stelle getreten.“

In anderthalb Stunden lässt sich vieles nur streifen. Stark berührte ihn seine zeitweilige Tätigkeit ab November 2013 als Geschäftsführer der „Haasenburg“, ein therapeutisches Kinder-, Jugend- und Elternzentrum in Brandenburg. Der Gesellschafter habe ihn darum gebeten, als in überregionalen Medien schwere Anschuldigungen gegen die Einrichtung erhoben, „aber so gut wie keine bewiesen wurden“. Aber sie wurde geschlossen, erzählt Jörg Klingohr traurig.

Die Gastgeberin im „Mecklenburger Hof“ kündigte für 2015 schon weitere Stammtische an.

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