ecoMotion mit Absatzsorgen

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Ein großes Biobeet aus Holz und Rinden könnte den unerwünschten Geruch aus der Sternberger Biogasanlage mildern. So ergab es eine umfangreiche Studie. Im Moment aber hat ecoMotion andere Sorgen.

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27. November 2008, 07:29 Uhr

Sternberg | Wie die ganze Branche sei auch die Biodieselanlage Sternberg von der gegenwärtigen Situation auf dem Weltmarkt und von den politischen Entscheidungen zu Ungunsten von Biodiesel "schwer getroffen", schätzte Axel Becker, Geschäftsführer von ecoMotion Sternberg, auf SVZ-Nachfrage ein.

Durch die sinkenden Erdölpreise sei der Biodiesel zurzeit gegenüber dem normalen Diesel nicht mehr wettbewerbsfähig, bestätigt er das, was jeder Kraftfahrer an der Tankstelle längst bemerkt hat. "Der Normaldiesel ist mittlerweile billiger als der Biodiesel. Und ab Januar 2009 werden von staatlicher Seite die Steuern auf Biodiesel noch um weitere drei Cent je Liter angehoben", so Becker. Dies verschärfe die Situation zusätzlich. Die weitere Steuererhöhung habe zwangsläufig zur Folge, dass die Absatzmärkte bei Spediteuren, deren Lkw jetzt noch mit 100 Prozent Biodiesel fahren, wegbrechen, da macht sich Becker keine Illusionen. "Wir versuchen natürlich das Bestmögliche", betont er. Es seien für drei bis vier Tage schon mal die eine oder andere Anlage abgeschaltet worden, erläutert der Geschäftsführer. "Aber es wird nicht einfacher."

Auch der Export sei mittlerweile "zugeschüttet mit Biodiesel" und keiner weiß, wie es weiter geht. Und in Frankreich, auf das ecoMotion für das nächste Jahr große Abnahmehoffnungen gesetzt hatte, sei ebenfalls ein Nachfragerückgang festzustellen, so Axel Becker.

Bisher ist die Anlage in Sternberg mit ihren 44 Mitarbeitern etwa zu 80 bis 85 Prozent ausgelastet. Täglich werden 300 Tonnen Biodiesel produziert. Ein Großteil davon wird per Bahn ausgeliefert. Auch in dieser Woche starten von Sternberg aus noch zwei lange Güterzüge mit Biodiesel. Der letzte der beiden rollt heute gen Hamburger Hafen. Wann dann der nächste Zug fährt, müsse man "erstmal sehen", so der Geschäftsführer.

So rückt denn das "Geruchsproblem", das das Unternehmen wegen der Bürgerklagen in den letzten Monaten intensiv verfolgte, derzeit etwas in den Hintergrund.

Jedoch ergab die vom Sternberger Werk in Auftrag gegebene Untersuchung, dass der störende Geruch, der bei der Rapsverarbeitung anfällt und der hin und wieder die ganze Stadt überzieht, sich zumindest reduzieren ließe.

Und zwar durch ein großes Biobeet mit Holzrinden und Wurzelholz. Wenn dort die belastete Abluft aus der Rapsverarbeitung hindurch geleitet wird, werden die Geruchsstoffe durch die im Holz enthaltenden Bakterien zersetzt. Das Prinzip sei ähnlich wie bei einer biologischen Kläranlage, erläutert Geschäftsführer Becker.

Die Abluft muss mit etwa 30 bis 40 Grad durch das Biobeet hindurch geleitet werden.

"Die Bakterien nehmen die Inhaltsstoffe aus der Abluft auf. Dadurch zerfallen dann die Geruchsstoffe", erläutert Axel Becker. Jetzt sei man dabei, auszurechnen, wie groß so ein Biobeet für die Sternberger Biodieselanlage sein müsste, sagt er und betont: "Wenn die Ergebnisse vorliegen, werden wir uns wieder diesem Thema widmen".

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