In Sternberg werden Rapsöl und Biodiesel produziert : EcoMotion hat wieder aufgedreht

Von der Leitwarte steuern die Anlagenfahrer Jan Damaschke (l.) und Dietmar Rossow  bei EcoMotion in Sternberg die Produktion von Rapsöl und Biodiesel. Die Anlagen laufen jetzt wieder jede Woche fünf Tage. rüdiger rump
Von der Leitwarte steuern die Anlagenfahrer Jan Damaschke (l.) und Dietmar Rossow bei EcoMotion in Sternberg die Produktion von Rapsöl und Biodiesel. Die Anlagen laufen jetzt wieder jede Woche fünf Tage. rüdiger rump

Nach Monaten Kurzarbeit gibt es beim Biodieselhersteller EcoMotion in Sternberg wieder einen Lichtblick. Seit August laufen die Anlagen fünf Tage in der Woche. Anfang des Monats waren neue Aufträge geordert worden.

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04. September 2012, 12:03 Uhr

Sternberg | Nach Monaten Kurzarbeit in der Produktion gibt es beim Biodieselhersteller EcoMotion in Sternberg wieder einen Lichtblick. Seit August laufen die Anlagen fünf Tage in der Woche.

Anfang des Monats waren neue Aufträge geordert worden, die bis Ende Oktober reichen. Jetzt werde alles unternommen, die Produktion "auch für den Rest des Jahres" abzusichern, sagt Geschäftsführer Axel Becker. Sein Tonfall enthält eine Mischung aus Hoffnung, Zuversicht und Besorgnis.

Die Situation bleibe wie in der gesamten Branche angespannt. In besseren Zeiten, die in Sternberg erst relativ kurze Zeit zurück liegen, liefen die Anlagen sieben Tage in der Woche rund um die Uhr im Vier-Schicht-Rhythmus. 2010 schaffte EcoMotion nach zwei überaus schwierigen Jahren 100 Prozent Auslastung und lag damit weit über dem Durchschnitt der Branche, die bereits zu der Zeit arg in Nöten steckte. Jetzt wird die Produktion für Rapsöl und Biodiesel übers Wochenende abgestellt. Jedes neue Anfahren

bedeutet zusätzlichen Aufwand. "Doch besser so als vorher", meint Becker. Da wurde - mit Ausnahme des Fuhrparks - eine Woche gearbeitet, die nächste ausgesetzt. Die Mitarbeiter hätten durch Kurzarbeitergeld einen finanziellen Ausgleich erhalten. "Jetzt tasten wir uns an eine Jahresauslastung der Anlagen von 50 Prozent heran", wagt Becker eine Prognose. Er freue sich, dass in den vergangenen schweren Monaten die Mitarbeiter dem Unternehmen die Treue gehalten hätten. "Niemand ist weggegangen."

Umso größer ist sein Frust gegenüber der EU- und Bundespolitik. "Nichts sehen, hören und wissen", so der Eindruck. Die so genannte Nachhaltigkeitsverordnung stimme zwar in Tendenz und Richtung, sie werde aber nur von den deutschen Unternehmen vollständig umgesetzt; in vielen anderen EU-Staaten gäbe es dagegen dringenden Nachhol bedarf. Während in Deutschland die striktesten Anforderungen gelten würden, müssten sich die Produzenten mit Billigimporten messen, in denen Nachhaltigkeit bislang kaum eine Rolle spiele oder gar keine, beklagte jüngst Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindus trie (VDB), gegenüber dem Presse- und Informationsdienst Agra-Europe. So könnten Händler von Biokraftstoffen das Etikett der Nachhaltigkeit vom ursprünglichen Produkt lösen und auf eine Charge übertragen, die nicht zwangsläufig nachhaltig produziert worden sei. In der EU sollten jedoch gleiche Bedingungen für alle gelten. Bundeslandwirtschafts- und -umweltministerium hätten das Problem erkannt, EU-Kommission und Bundes finanzministerium aber würden die Augen davor verschließen, dass die Nachhaltigkeitsverordnung außerhalb Deutschlands umgangen werde. Notfalls müssten dagegen Verfahren eingeleitet werden, fordert Baumann. Von der deutschen Rapsölproduktion würden 65 bis 70 Prozent zur Herstellung von Biodiesel verwendet und gar über 90 Prozent des Rapsöls zertifiziert.

Über den Hafen Rotterdam, den größten Umschlagplatz, gelange Biodiesel um zehn Prozent günstiger als aus den EU-Staaten auf den europäischen Markt. Durch Exportsubventionen in Argentinien koste der Biodiesel dort weniger als Sojaöl, aus dem er hergestellt wird. "Das gleiche Spiel gibt es mit Palmöldiesel aus Indonesien, das noch günstiger auf den Markt kommt", ärgert sich der Geschäftsführer des Sternberger Betriebes. Was mit der Nachhaltigkeitsdebatte erreicht werden sollte, sei völlig "aus dem Ruder gelaufen, weil Deutschland in vorderster Reihe marschiert", die anderen EU-Staaten aber nicht annähernd Schritt halten würden. Und die Preise für Raps aus der kürzlich eingebrachten Ernte, über die sich die Landwirte sicher freuten, verbesserten die Situation der Biodieselproduzenten auch keineswegs.

Die Auslastung der VDB-Firmen sei im zweiten Quartal dieses Jahres, bedingt in erster Linie durch nicht nachhaltige Billigimporte, auf durchschnittlich 58 Prozent gesunken, stellt der Geschäftsführer des Verbandes fest. 2011 seien es 75 Prozent gewesen.

EcoMotion in Sternberg nutzt auch jede Gelegenheit zur Lohnarbeit, damit die Anlagen laufen, sagt Axel Becker. So liefern Unternehmen Öl an, das in Sternberg gereinigt wird und als Reinöl an den Auftraggeber zurück geht. Ein weiteres Beispiel, so der Geschäftsführer, sei die Verarbeitung von Roh- zu Pharmaglyzerin. Und an dieser Linie werde er auch festhalten, so lange keine kontinuierliche Biodieselproduktion möglich sei.

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