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Unberechenbare Märkte machen Sternberger Biodieselhersteller zu schaffen : EcoMotion auf Achterbahn der Preise

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Die Landwirte im Sternberger Seenland sind heilfroh, dass die "guten Rapspreise" die Ertragsausfälle in diesem Jahr weitgehend auffangen. Beim Rapsveredler EcoMotion in Sternberg sieht man das mit gemischten Gefühlen.

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erstellt am 25.Nov.2011 | 06:48 Uhr

Sternberg | Die Landwirte im Sternberger Seenland sind heilfroh, dass die "guten Rapspreise", wie es allenthalben heißt, die Ertragsausfälle in diesem Jahr weitgehend auffangen. Axel Becker, Geschäftsführer beim Rapsveredler EcoMotion in Sternberg, sieht das mit anderen Augen, aber auch mit gemischten Gefühlen. Die Börse spiele wieder einmal verrückt, die Rohstoffpreise seien derzeit "stark im Fallen". Und dabei gehe es um keine Cent-Beträge, sondern gleich mal um 20 Euro pro Tonne innerhalb einer Woche. Mit den Börsenschwankungen wie bei einer Achterbahn habe selbst ein gestandener Fachmann, der das Geschehen täglich mit Argusaugen verfolge, schwer zu tun.

Aktuell zahle das Unternehmen um die 420 Euro pro Tonne Raps. Anfang des Jahres waren es ca. 500 Euro, beim Produk tionsstart 2006 sei mit 230 bis 240 Euro gerechnet worden. Davon lasse sich seit Finanz- und Wirtschaftskrise nur noch träumen, sagt Becker. Auf dem Markt zuzuschlagen und sich mit Ölsaaten zu bevorraten, wenn sie weniger kosten, komme jedoch nicht in Frage, denn der Biodiesel müsse zu dem Zeitpunkt auch absetzbar sein.

Dass fallende Rohstoffpreise keine Freudensprünge bei EcoMotion auslösen, liegt wiederum an den Verquickungen der Börse. Der Preis für Biodiesel, den das Sternberger Unternehmen verkauft, folgt dem des Erdöls und geht somit auch herunter. Und: Kraftstoff macht bei der Rapsveredlung weniger als die Hälfte aus, rund 60 Prozent sind Futtermittel, so genannter Rapskuchen, den überwiegend Händler abnehmen, aber auch Mischfutterwerke und drei, vier Landwirte aus der Region auf direktem Weg. Hier richtet sich der Preis nach dem von Weizen an der Börse. Das sei kein Gesetz, schränkt Becker ein, aber meist knallharte Realität. "Ein sinkender Rapspreis greift für uns daher nicht", sieht er das Unternehmen "in einer Zwickmühle".

EcoMotion wird eine Jahresproduk tion von ca. 80 000 Tonnen Biodiesel erreichen, ein Rückgang gegenüber 2010 um etwa ein Fünftel. Dafür wurde dieses Jahr auch Rapsöl verkauft, zum Beispiel an
Biodieselproduzenten in Rostock und Magdeburg, die bislang keine Ölmühle betreiben und jetzt erst nachrüsten. Die bei EcoMotion sei das ganze Jahr über gelaufen, die Umesterungsanlage, so der Fachbegriff für die Biodieselanlage, wurde hingegen drei bis vier Tage im Monat abgeschaltet. Das erste Mal in den sechs Produktionsjahren würden alle Maschinen über Weihnachten außer Betrieb sein. Mit einer Auslastung von 80 Prozent übertrifft der Sternberger Betrieb dennoch weit den Branchenschnitt, der bei 60 Prozent liegt.

Gleichwohl die Technologie auf dem modernsten Stand sei, werde ständig an einer Optimierung der Prozesse und Verbesserung der Qualität gearbeitet. So soll eine Versuchsanlage aus den USA, die derzeit in Sternberg aufgebaut ist, die Ölausbeute weiter steigern, wenn das auch nur noch in geringem Maße möglich sei, sagt Axel Becker. Die bisherigen Tests hätten allerdings keinen durchschlagenden Erfolg gebracht. Bis Februar habe der Anbieter der Anlage dafür noch Zeit. EcoMotion werde nicht die Katze im Sack kaufen, zumal es um eine Investition von 400 000 Euro gehe. Bewegung gäbe es auch ständig, fügt der Geschäftsführer an, um Dampf und Energie einzusparen sowie die Grenzwerte beim Biodiesel zu senken. Wenn hier weniger Chemikalien zugesetzt werden müssten, sei das für den Markt sehr interessant.

Froh zeigt sich Becker über die Inbetriebnahme der Biobeet-Filteranlage, die Geruchsbelästigungen in der Umgebung merklich reduzierte. Das sieht Bürgermeister Jochen Quandt genauso. Es sei vernünftig gewesen, statt vieler Experimente dem Unternehmen die Zeit für eine dauerhafte Lösung gegeben zu haben.

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