Blankenberg : Dunkler Rauch über alter Heizung

Den Gusseisenofen aus DDR-Zeiten, Baujahr 1986, hat der Blankenberger Gerhard Apel erst vor anderhalb Jahren gebraucht eingebaut. Jetzt steht das gute alte Stück vor dem Aus, weil  die neu geltenden Grenzwerte für Staub und Kohlenmonoxid nicht einzuhalten sind.
Den Gusseisenofen aus DDR-Zeiten, Baujahr 1986, hat der Blankenberger Gerhard Apel erst vor anderhalb Jahren gebraucht eingebaut. Jetzt steht das gute alte Stück vor dem Aus, weil die neu geltenden Grenzwerte für Staub und Kohlenmonoxid nicht einzuhalten sind.

Infobrief vom Schornsteinfeger für Blankenberger Rentner „ein Schlag ins Kontor“ / Ab 2015 geltender CO-Grenzwert nicht einzuhalten

svz.de von
21. Juli 2014, 19:00 Uhr

Derzeit freut sich jeder über ein kühles Plätzchen und denkt nicht ans Heizen. Doch das kommt mit Sicherheit wieder – und bereitet  Gerhard Apel aus Blankenberg auch gegenwärtig Kopfzerbrechen. Denn für wohlige Wärme im Haus sorgt ein so genannter Gliederkessel  (GK) aus DDR-Zeiten, 1985 gebaut, von ihm vor anderthalb Jahren gebraucht gekauft. Das ist nun der zweite Ofen für die Zentralheizung, der erste muste schon raus. Der Blankenberger steckt, wie er sagt, nur trockenes, mindestens drei Jahre gelagertes Laubholz hinein, das  er  im Wald selbst wirbt. „Andere machen Nordic Walking, ich nehme die Motorsäge und habe auch meine Bewegung“, sagt der 72-Jährige schmunzelnd. „So lange ich das noch kann.“ Pro  Jahr  braucht er um die  15 Raummeter Holz zum Heizen. „Auf nachwachsende Rohstoffe wird doch immer so großer Wert gelegt“, fügt Ehefrau Christina hinzu.

Für Kachelöfen gilt lange Übergangszeit

Grund für das genannte  Unbehagen ist ein Infobrief vom Bezirksschornsteinfegermeister. Diesem macht Apel keinerlei Vorwurf, denn „es gibt neue gesetzliche Bestimmungen, und an die muss er sich halten“. Die Grenzwerte für Staub und Kohlenmonoxid (CO) wurden in zwei Stufen verschärft, regelmäßige Messungen sind Pflicht. Damit zieht ab  2015 dunkler Rauch über alte Heizungen. Wenn er das alles richtig verstanden habe, sagt der Rentner aus Blankenberg, müsse er seine   Heizung 2015 voraussichtlich still legen. „Dieser Infobrief war ein Schlag ins Kontor.“ Er habe sich bei einer Firma im Landkreis Ludwigslust-Parchim erkundigt, die Festbrennstoffkessel für Holz und Braunkohle anbietet. Als Angebot koste einer 2130 Euro. Ihm sei aber auch gesagt worden, dass in MV noch 13 400 Anlagen aus DDR-Zeiten in Betrieb seien. Auf dem Lande sei deren Anteil besonders hoch. „Wenn die jetzt alle ausgewechselt werden müssen, kommt die Produktion doch gar nicht hinterher“, denkt Apel ungläubig. Und was ihm überhaupt nicht in den Kopf will: Es gehe offenbar nur um die Gusseisenöfen aus DDR-Zeiten. Doch was sei  mit  Kachelöfen und Kaminen, deren Abgaswerte  vermutlich um keinen Deut besser ausfallen?

„Das sind Einzelraumfeuerstätten, für die eine lange Übergangszeit gilt“, erklärt Ingo Ziola, Obermeister der Schornsteinfeger-Innung MV, auf SVZ-Anfrage. Mit anderen Worten sind von einer möglichen Stilllegung nur Zentralheizungen über 15 kW  betroffen. Allerdings dürfen neue Kachelöfen und Kamine ab 2015  nur noch  mit Einsätzen, die die  Abgaswerte minimieren,  errichtet werden, so der oberste Schornsteinfeger im Land. Wie seit Vorzeiten dürfe kein Ofen mehr gesetzt werden.

Als Tipp nennt Ziola, die Messung durch den Schornsteinfeger, an der kein Betreiber einer Feststoffheizung vorbei komme,  in diesem Jahr durchführen zu lassen, denn bei den Staubgrenzwerten bestehe am ehesten die Chance, sie einzuhalten. Dann wären zwei Jahre Zeit, sich nach einer neuen  Anlage umzusehen. „Ab 2015 ist auch der CO-Wert Pflicht, und den schafft keine DDR-Heizung“, ist der Obermeister der Schornsteinfeger-Innung überzeugt.

Ausnahmen nur über den Landkreis

Ausnahmen, um so eine Anlage  auch bei zu hohen Emissionswerten weiter betreiben zu dürfen, kann auf Antrag des Betroffenen nur die zuständige Behörde beim Landkreis zustimmen. Dafür würden mehrere Kriterien herangezogen, sagt Ziola. Ein hohes Lebensalter oder

einen finanziellen Härtefall könne er sich vorstellen. Wenn aber nicht nur im übertragenen Sinne dunkler Rauch über die alte Heizung zieht, sondern  wortwörtlich über die ganze Nachbarschaft, gäbe es wohl selbst dann keine  Chance.

Gerhard Apel überlegt noch, was die günstigste Variante für seine Heizung ist. Dass es ihm nicht erspart bleibt, einen neuen Feststoffkessel anzuschaffen, ist ihm klar.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen