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Neuhof in der Gemeinde Bibow : Dreikönigstreffen der Nashörner

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Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Initiative Schloss Neuhoff und der Zoo Schwerin laden am Freitag ein. Die Veranstaltung mit Kunst und Kunsttieren nennen die Organisatoren eine „Reaktion auf Intoleranz“.

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erstellt am 03.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Nandy steht noch einsam auf der großen Freifläche. Das ändert sich bis zu diesem Freitag, das leuchtend bunt bemalte (Kunst)Nashorn bekommt Gesellschaft. Die Initiative Schloss Neuhoff e.V. lädt in Kooperation mit dem Schweriner Zoo zum Dreikönigstreffen der (Kunst)Nashörner ein. So wie Politiker traditionell am 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige, zusammenkommen, sollen auch die Tiere die Gelegenheit haben, über ihre Zukunft zu beraten, erklärt Herbert Pils augenzwinkernd. Die Familie aus Oberösterreich hat im Herbst 2012 das geschichtsträchtige, aber marode Herrenhaus erworben. Seit Ende 2014 dort wohnend, sanieren es die neuen Besitzer mit kleinen Schritten. Erste Veranstaltungen, teils von überregionaler Bedeutung, fanden in dem Ortsteil der Gemeinde Bibow bereits statt, organisiert von dem Verein, der die frühere Schreibweise Neuhofs mit „ff“ gewählt hat, um so Verwechslungen mit einem gleichnamigen Herrenhaus nahe dem Schaalsee zu vermeiden.


Seit Pferdefilmfestival in dem Dorf


Nandy, eine von 99 aus wetterfestem Polyesterharz nachgebildeten Nashörnern, mit deren Kauf Sponsoren den Bau der neuen Nashornanlage im Zoo der Landeshauptstadt unterstützten, kam von der Kunstgruppe Olgashof bei Wismar. Dorthin war es gelangt, nachdem die Filiale der Bayrischen Beamtenkasse in Schwerin aufgelöst worden war. Die hatte den Rohling erworben und Judith Horvath von Olgashof, bekannt für ihre Pferdekunst, ihm Farbe gegeben. Im Juni vorigen Jahres brachte sie den nun bunten, seinerzeit noch namenlosen Dickhäuter mit zum Kunst- und Pferdefilmfestival „Equinale“ nach Neuhof. Er wurde Teil einer Schwarzlichtinstallation, bei der auch ein unsichtbares Einhorn mitspielte. Dass die Kunsttiere bis heute in Neuhof blieben, lag einfach daran, dass Horvaths Transportfahrzeug „den Geist aufgegeben hat“, wie Herbert Pils schmunzelnd erzählt. Und auch das Einhorn streife noch irgendwo durch den Park und zeige sich manchmal, ergänzt Ehefrau Susanne Pils-Bochdansky mit einem Lächeln.

Einer Einwohnerin habe das (Kunst)Nashorn jedoch nicht gefallen. Das passe nicht zu Mecklenburg und noch weniger zu dem Dorf. Damit sei sie kurz vor dem Nikolaustag zu Bürgermeister Dettlef Lukat gelaufen. Er solle veranlassen, dass der Dickhäuter verschwindet. Lukat habe gar nicht daran gedacht, sondern sich mächtig darüber geärgert, sagen die Eheleute Pils. Und sie wollten sich auch auf keinen verbalen Streit einlassen und kamen stattdessen zu der Überlegung, das Dreikönigstreffen zu veranstalten. „Das ist eine manifestierte Reaktion auf Intoleranz und den Versuch, die Freiheit der Kunst zu beschneiden“, erklärt Herbert Pils unumwunden.

Die Idee habe Kreise gezogen. Verantwortliche im Schweriner Zoo seien gleich „voll begeistert“ gewesen, dass die „Claramanie“ weiter lebt. Die 2007 gestartete Aktion hat ihren Anteil beigetragen, dass im Juli vorigen Jahres zum 60. Jubiläum des Tierparks die neue Nashornanlage eingeweiht werden konnte. Sie findet inzwischen ihre Fortsetzung mit der „Leomanie“, die den mit etwa fünf Millionen Euro veranschlagten Bau einer neuen Löwenanlage unterstützen soll.

Daher werden sich am Freitag neben „Nandy“, die erst in Neuhof ihren Namen erhielt, nicht nur bunte Nashörner vor dem Schloss tummeln, sondern auch Löwen aus Kunststoff, kündigt der Hausherr an. Wie viele es letztlich sein werden, könne er beim besten Willen noch nicht sagen. „Wir erhalten täglich Anrufe von Interessenten. Auch wer spontan kommt, ist herzlich willkommen.“

Genauso verhalte es sich mit den Kunstschaffenden. Fest stehe lediglich, dass der international bekannte Klarinettist Theo Jörgensmann aus Brüel eigens für die Veranstaltung ein zum Thema passendes Stück komponiert habe. Damit begleite er die Hamburgerin Anna Maria Schlemmer, die unter dem Pseudonym Anna Fabuli auftritt, bei der Uraufführung eines Schattentheaterstücks. Der Schweriner Gerhard Köhler arbeite an musikalischen Überraschungen. Auch auf Papierarbeiten von Helga Treutler aus Schwerin sowie den Wariner Autor Christoph von Fircks oder Egon Stöbe aus Jülchendorf mit gekonnten Fotos dürfen sich die Besucher freuen.


Kunstwerke werden amerikanisch versteigert


„Wir haben es jedem Kunstschaffenden überlassen, das zu machen, was ihm zu dem Thema einfällt, kritisch oder provozierend genauso wie
politisch“, sagt Susanne Pils-Bochdansky. „Wir lassen uns selbst überraschen. Die Veranstaltung lebt viel von Improvisation.“ Jeder Künstler stifte eine Arbeit für eine amerikanische Versteigerung, bei der mit etwas Glück ein Kunstwerk für wenig Geld zu ergattern sei. Der Reinerlös gehe an den Schweriner Zoo.

Beginn ist am Freitag um 14 Uhr, das Ende offen. Auch für Speis und Trank werde gesorgt, u. a. durch den Fischwagen aus Lehmhusen.

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