Groß Raden : Drechseln wie die Altvorderen

Wie hält man so ein Hakenmesser richtig in der Hand? Die gebürtiger Waliserin Katy Schütte zeigt der 19-jährigen Leony Scheper aus Celle. Fotos: Roland Güttler
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Wie hält man so ein Hakenmesser richtig in der Hand? Die gebürtiger Waliserin Katy Schütte zeigt der 19-jährigen Leony Scheper aus Celle. Fotos: Roland Güttler

Mitglieder der Jugendbauhütte Wismar fertigen auf historischem Gelände in Groß Raden Schalen und andere Dinge wie einst die Slawen

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24. Juni 2016, 12:03 Uhr

Holzbearbeitung per Wippdrehbank oder mit Haken- und Ziehmesser sowie Beil… „Schwer“, so der knappe Kommentar der 19-jährigen Schwerinerin Paula van der Straeten, die gestern auf dem Freigelände des Archäologischen Freilichtmuseums Groß Raden per Beil die Außenseite einer großen Erlen-Schale bearbeitet. Schwer, ungewohnt und mühevoll…

Mihail Schütte aus Nieperfitz im Wendland, seines Zeichens freischaffender Dozent für historische Holzbauarbeiten, gibt Tipps. „Seit Jahren bin ich auch für die Wismarer Jugendbauhütte tätig“, sagt der Mann, der mit dem Bearbeiten von Holz wie zu Zeiten der Slawen oder Wikinger für sich eine „berufliche Nische“ gefunden hat. Zusammen mit seiner aus Builth Wells in Mittel-Wales stammenden Frau Katy Schütte betreute er von Dienstag bis gestern in Groß Raden 15 junge Leute des aktuellen Jahrgangs der Wismarer Jugendbauhütte.

Die gebeilte Werkspur, wie der Fachmann die Bearbeitung per Beil nennt, ist eine der hohen Künste im historischen Handwerk. Die Meister von einst erkenne der Fachmann sofort bei Funden an der „großspurigen Beilspur“, so Michail Schütte. Paula van der Straeten hatte ein anderes Ziel: Fertig werden mit der total ungewohnten Tätigkeit.

Praktisch erfahren, wie die Altvorderen ohne elektrische Hilfe Alltagsgegenstände wie Schalen oder Schöpflöffel fertigten, das führt die Wismarer Jugendbauhütte inzwischen seit vier Jahren auf dem Museumsgelände in Groß Raden durch. Und am Ende wird aus einem Stück Erle z. B. eine selbst gedrechselte Schale. Die von Anna Batchenko aus Kiew sieht schon sehr schön aus. „Danke“, sagt die Ukrainerin zum Lob in einem sehr guten Deutsch. Sie habe die Sprache in dreieinhalb Jahren gelernt. „Englisch als einzige Fremdsprache war mir zu wenig.“

Was ihre fast fertige Schale betrifft, so will sie die „mit nach Hause nehmen“. Als ein Andenken für die 25-jährige Ukrainerin, die in ihrer Heimat Architektur studiert hat, an ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Deutschland. Das geht noch bis Ende August.

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