Neukloster : Drechseln ist ein teures Hobby

Hobbydrechsler Ulf Rönnfeldt aus Neukloster beim Drechseln einer Rüsterschale an der Hinterachse eines ZT 303. Fotos: Kerstin Erz
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Hobbydrechsler Ulf Rönnfeldt aus Neukloster beim Drechseln einer Rüsterschale an der Hinterachse eines ZT 303. Fotos: Kerstin Erz

Ulf Rönnfeldt aus Neukloster fertigte 50-Zentimeter-Schale auf besondere Art / Hinterachse eines ZT 303 diente als Drechselmotor

svz.de von
15. September 2015, 12:00 Uhr

Ulf Rönnfeldt, 52 Jahre jung, ist selbstständiger Hausverwalter in Neukloster und hat ein langjähriges Hobby. Seit seinem 16. Lebensjahr drechselt er. „Ja, wie das so zu DDR-Zeiten war: Mein Vater hatte Möbel restauriert und dazu auch Teile drechseln müssen. Ich habe das dann von ihm gelernt“, so Rönnfeldt. „Von 1990 bis 2004 habe ich dann aber das Drechselwerkzeug gar nicht mehr angefasst, denn in der Zeit bin ich nur dem Beruf und damit dem Geld hinterhergejagt. Wie wohl alle gleich nach der Wende.“

Seit 2005 betreibt er nun sein Hobby ausfüllend. In erster Linie fertigt er Schalen, Vasen, Dosen, Kerzenleuchter – eben „alles, was die lieben Frauen so mögen“. Aber auch Nussknacker, Weihnachtspyramiden, Bergmann und Engel entstehen unter seinen geschickten Händen. „Na, ja und die schönsten Sachen holt sich meine Frau, der Rest wird verschenkt, verkauft oder ist eine Auftragsarbeit.“ Dann drechselt er aber auch auf Bestellung für Tischler, die für Restaurierungsarbeiten Sonderteile benötigen, z. B. Treppendoggen.

Als der 20-jährige Björn Sauer vom Storchenhof in Reinstorf seinen alten ZT 303 aus den 80er-Jahren aufarbeitete, brauchte er neue Knöpfe für die Schalthebel des Traktors. Auch die hatte der Hobbydrechsler angefertigt und zwar aus einem ganz besonderen Holz: „Als man in Neukloster das alte Amtsschreiberhaus von 1703 abriss, durfte ich mir die Eichenbalken des Fachwerks holen. Aus einem Stück dieses 300 Jahre alten Holzes entstanden also die Teile. Dieser Trecker ist der Einzige, der solche wertvollen Schalthebelknöpfe hat und er wird auch der Einzige bleiben“, schmunzelt Ulf Rönnfeldt.

Für seine Arbeiten hat der Mann aus Neukloster eine inzwischen komplett eingerichtete Werkstatt mit vier Drechselbänken. „Da ist schon viel Geld reingeflossen“, meint er, „denn, Drechseln ist eines der teuersten Hobbys. Dabei zeigt er einen Drechselmeißel, etwa 50 Zentimeter lang. „Der kostet knapp 100 Euro. Und davon habe ich so einige…“


Verrückte Idee erinnerte fast an „Wetten, dass…“


Nun diesen Großen und Teuren benötigt er auch für große Stücke. Für eine 50 Zentimeter große und 20 Zentimeter hohe Schale z. B. Die drechselte er nämlich auf ganz besondere Weise auf dem kürzlichen Treckerfest der Familie Sauer in Reinstorf (SVZ berichtete).

„Diese verrückte Idee stammt eigentlich aus Österreich“, erklärt er. „Zwei Drechsler haben als Weltrekord eine im Durchmesser 4,20 Meter große Schale auf der Achse eines riesigen John-Deere-Traktors gedrechselt. Da haben wir, Björn Sauer, sein Vater Uwe Sauer und ich gedacht, das versuchen wir hier auch mal im Kleineren.“ Sein Drechselmotor wurde also der von Björn Sauer aufgearbeitete ZT 303. Dazu hatte der 20-jährige Landwirt die Räder abmontiert. Rönnfeldt ließ sich einen Flansch drehen, welcher zusammen mit einem Backenfutter auf einer Seite der Hinterachse aufmontiert wurde. Daran konnte der Drechsler das große Stück Holz befestigen. Danach schmiss Björn Sauer den Motor an und Rönnfeldt legte los. „Das, was die Leute zum Treckerfest hier zu sehen bekamen, war wohl einmalig zumindest in MV, wenn nicht sogar in Deutschland“, ist Uwe Sauer überzeugt. Diese Schale fertigte der Drechsler aus einem zehn Jahre alten Stück Rüster. „Leider kommt der ZT nicht auf die nötigen Umdrehungen, die ich hierfür brauche. Die Schale wird doch ganz schön rau, muss also nachgeschliffen werden“, erklärt der Hobbydrechsler. Trotzdem machte ihm diese Vorführung viel Spaß. Vor allem freute er sich über das große Interesse der Zuschauer und für ihn war das einmal eine willkommene Abwechslung innerhalb seines Drechselhobbys.  



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