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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. Oktober 2017 | 12:06 Uhr

Holzendorf : Dornröschenschlaf an der B 192

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Gelände des einstigen Kreisbetriebes für Landtechnik in Holzendorf bei Dabel ähnelt einer Schutthalde. Anwohner sorgt sich um Umweltschutz.

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erstellt am 12.Jan.2017 | 11:43 Uhr

Wer durchs Gestrüpp auf das Gelände des einstigen Kreisbetriebes für Landtechnik (KfL) in Holzendorf bei Dabel blickt, kommt sich fast wie bei „Dornröschen“ vor. Nur, dass das hier kein Märchen ist und sich hinter der Dornenhecke auch kein Schloss befindet, sondern die Ruinen der einstigen Hallen und Werkstätten.

Auf dem mehrere Hektar großen Gelände liegen derzeit überall Abbruchreste und Schutt. Seit 21 Jahren mittlerweile wartet der einstige DDR-Kreisbetrieb auf einen modernen Prinzen, sprich Investor.

Diese kamen und gingen in Holzendorf. So sollten die beiden Hallen etwa „für logistische Zwecke“ genutzt und auf den Dächern eine Photovoltaikanlage installiert werden. Das scheiterte u.a. daran, dass es für das KfL-Gelände bauplanungsrechtlich keinen Bestandsschutz mehr gab.

2008 ersteigerte die Gemeinde Dabel das Areal selbst für das Mindestgebot von 6552,16 Euro. Man wollte den Schandfleck beräumen. Doch die dafür beantragten Fördermittel wurden nie genehmigt.

Und so war Bürgermeister Herbert Rohde froh, den Klotz am Bein wieder los zu werden. Im Oktober 2013 erwarb der Schweriner Jens-Peter Pischke das Grundstück für 10 000 Euro. „Meine Gespräche mit ihm wecken in mir die Hoffnung, dass der Schandfleck aus Holzendorf endlich verschwindet“, so Rohde vor über drei Jahren gegenüber SVZ. Die Gemeinde hätte vor allem für die touristische Erschließung ein offenes Ohr.

Auch diese Hoffnungen lösten sich in Luft auf. Das Gelände gleicht aktuell einer Schutthalde. Wolfgang Bohnau, dessen Grundstück in der Holzendorfer Dorfstraße unmittelbar angrenzt, sorgte sich am „Heißen Draht“ um den Umweltschutz. „Es ist hier zum Himmel schreiend: Nichts ist abgedeckt, der Boden ist nicht geschützt, so dass was wegsickern kann“, so Bohnau, der sich um sein Brunnenwasser sorgt, mit dem er „die Tiere tränkt und das Gemüse im Garten gießt“. Er habe sich ans Ordnungs- bzw. Umweltamt gewandt, „aber es kümmert sich keiner“, so Bohnau.

Den Behörden sind häufig die Hände gebunden. Der Eigentümer kann auf seinem Grund und Boden nach der Rechtslage machen, was er will – wenn keine Gefahr ausgeht. Und zum alten Holzendorfer KfL-Gelände liegt beim Parchimer Umweltamt des Landkreises „aktuell nichts vor“, erfuhr SVZ auf Nachfrage.

Allerdings muss der Eigentümer seiner Sicherungspflicht nachkommen. Bei einem Tor ist der Draht so weggebogen, dass laut Bohnau hier Kinder durchschlüpfen, um in den alten Hallen zu spielen. Nicht nur wegen des katastrophalen Bauzustandes der Gebäude ist das gefährlich.

„Ich fahre sofort hin“, so Pischke gestern, als SVZ ihn mit dem Sachverhalt konfrontierte. Ansonsten passiere hier aber „erst mal gar nichts. Ich wollte was anfangen, aber nächsten Tag hatte ich gleich das Ordnungsamt da“, erklärt er. Mehr wolle er dazu nicht sagen, außer, dass er das Ganze „wieder verkaufen“ wolle, „vielleicht“…  

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