Gemeinde Weitendorf : Dorfstraßen erhalten neue Namen

An der Kreuzung in Sülten geht die Dorfstraße in alle vier Richtungen. Es soll nach dem Willen der Gemeindevertretung übersichtlicher und eine Verwechslung mit dem gleichen Straßennamen in anderen Dörfern vermieden werden.  Fotos: Rüdiger Rump
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An der Kreuzung in Sülten geht die Dorfstraße in alle vier Richtungen. Es soll nach dem Willen der Gemeindevertretung übersichtlicher und eine Verwechslung mit dem gleichen Straßennamen in anderen Dörfern vermieden werden. Fotos: Rüdiger Rump

Die Gemeindevertretung Weitendorf will die dringende Empfehlung von Innenministerium und Landkreis umsetzen: Die Einwohner sollen mitbestimmen, doch am wenigsten Gegenliebe findet das Vorhaben im Ortsteil Sülten.

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29. Juni 2016, 05:00 Uhr

Drei Dorfstraßen und zwei Mal Hofplatz in der Gemeinde Weitendorf – das soll sich bald ändern. Denn es könne leicht zu Verwechslungen kommen, sind sich die Gemeindevertreter einig. Erst kürzlich sollte ein Rettungswagen zum Hofplatz in Sülten, fuhr aber laut Navigationsgerät zu dem in Weitendorf. „Zum Glück ohne schlimme Folgen“, sagt Gemeindevertreter Bernd Trede. Die seien aber gar nicht auszudenken, wenn jede Minute zähle.

Für die Dorfstraßen in Kaarz und Schönlage gebe es seines Wissens schon Alternativen, auch für den Hofplatz in Weitendorf. Sorgenkind in der Hinsicht bleibe der Ortsteil Sülten, um den sich Trede kümmert. Hier treffe die angedachte Umbenennung der Dorfstraße auf keine Gegenliebe, wie eine Einwohnerversammlung im Juni ergeben habe. Es seien zwar Vorschläge genannt worden, „aber am liebsten soll es bei Dorfstraße bleiben“, so Trede, der sich gründlich mit der Thematik befasst und sie in der Gemeindevertretung erläutert hat. Eine Überlegung sei auch gewesen, den Namen dort zu belassen, wo die meisten Menschen in der Straße wohnen. Aber bei gut einem Dutzend von Dorfstraßen im Bereich der Postleitzahl 19412 sei auch das zu kurz gedacht. Am besten sollte jetzt ein Schnitt gemacht werden, „und dann haben wir erstmal Ruhe“.

Jede Gemeinde dürfe ihre Straßen benennen wie sie will, habe er erfahren. Bekomme aber jemand nicht rechtzeitig Hilfe, weil der Krankenwagen die falsche Straße ansteuere, könne die Gemeinde in Haftung genommen werden, erklärt Trede. Innenministerium und Landkreis empfehlen daher dringend, mehrfach vorkommende Straßennamen umzubenennen. Neben postalischen Belangen seien eindeutige Adressen auch insbesondere für Polizei, Rettungsdienst sowie Brand- und Katastrophenschutz von erheblicher Bedeutung. „Etwaige Entscheidungen gegen eine unverwechselbare Bezeichnung der Straßen im Gemeindegebiet könnten unter Umständen zu einer Gefährdung von Leib, Leben und Eigentum sowie gegebenenfalls auch zu Amtshaftansprüchen gegen die Gemeinde führen“, heißt es in einem Schreiben des Innenministeriums, das uns vorliegt. Nach einer vom Landkreis angefügten Übersicht gibt es in den Dörfern des Amtes Sternberger Seenlandschaft 23 (!) Dorfstraßen, davon 14 unter der Postleitzahl 19412, neun unter 19406.

Einer Frau, die wir an dem Vormittag als einzige in der Sültener Dorfstraße antreffen, will das mit der Verwechslungsgefahr nicht einleuchten. Wenn hinter der Postleitzahl der Name des Dorfes stehe, sei das doch eindeutig, meint sie. Doch Eckardt Meyer, Leiter des Sternberger Ordnungsamtes und der freiwilligen Feuerwehr, sieht das anders: „Rettungskräfte werden heute per Digitalfunk zum Einsatzort gelenkt. Und der sucht sich nach der Postleitzahl automatisch die Straße, das ist eine Maschine. Wenn dann eine ganze Reihe erscheint, kann es in der gebotenen Eile schnell zu einer Verwechslung kommen.“ Der Post oder anderen Kurierdiensten, die mitunter von weit her kommen, könne es genauso ergehen. Zudem koste dem Bürger die Ummeldung etwa in Personalausweis oder Kfz-Zulassung nichts, fügt Meyer an.


Namensvorschläge auch aus alten Chroniken


Der Versuch von Sültenern, zumindest für die Straße von der Kreuzung bis zur Kirche den Namen beizubehalten, würde all dem zuwider laufen. „Außerdem würde die Dorfstraße dann mit Nummer 8 beginnen“, sagt Bernd Trede. Die Hausnummern sollten ohnehin in einem Zuge mit
geordnet werden. Er werde „in alten Chroniken stöbern“, damit es drei, vier Vorschläge gebe. Über die sollten die Einwohner befinden – ohne Dorfstraße. Die neue Bürgermeisterin Andrea Sielaff will die Vorschläge mit unter die Leute bringen und die Gemeindevertretung dann bei ihrer Entscheidung der Mehrheit folgen. Sicher gebe es da „kein Rundum-glücklich-Paket“, macht Bernd Trede sich keine Illusionen.

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