Umweltpreise : Doppelt ausgezeichnet

Die Ausgezeichneten: (v.l.) Anja Hansen, Hans Diederichs und Marika Schuchardt, Hans-Joachim Hogrefe (nicht auf dem Foto).
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Die Ausgezeichneten: (v.l.) Anja Hansen, Hans Diederichs und Marika Schuchardt, Hans-Joachim Hogrefe (nicht auf dem Foto).

Preis der UN-Dekade für Rotmilanprojekt. Bienenstraße erhält den Umweltpreis MV.

svz.de von
17. November 2017, 20:45 Uhr

Der Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet (LSE) mit Sitz in Kobrow II kann sich innerhalb weniger Wochen gleich über zwei Auszeichnungen freuen. Bereits im September erhielt das Team, zu dem neben Geschäftsführer Hans Diederichs auch Marika Schuchardt, Hans-Joachim Hogrefe und Anja Hansen gehören, zusammen mit acht Partnern in sieben Bundesländern den Preis der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ für das Projekt „Land zum Leben“, das sich für den Schutz des Rotmilans einsetzt. Gerade erst in der letzten Woche wurde der LSE mit dem Umweltpreis MV für sein Projekt „Erlebnisreich Bienenstraße“ ausgezeichnet.

Das Verbundprojekt zum Rotmilan von der Deutschen Wildtierstiftung, dem Deutschen Verband für Landschaftspflege, dem Dachverband Deutscher Avifaunisten und weiterer Projektpartner hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Rückgang der Population des majestätischen Greifvogels aufzuhalten. In der Begründung der Jury für die Auszeichnung hieß es: „Das Projekt trägt in neun Regionen bundesweit dazu bei, die Lebensräume und das Nahrungsangebot für den Rotmilan zu verbessern und zu erhalten. Es leistet damit einen wesentlichen Beitrag für den Schutz dieser bedrohten Art.“ Die Zahl der Brutpaare ist in den letzten Jahren um ein Drittel gesunken. Der Bestand des nur in Europa vorkommenden Rotmilans wird heute auf maximal 22 000 Brutpaare geschätzt, über die Hälfte lebt in Deutschland und davon zehn Prozent in MV.

„Deshalb haben wir hier auch eine so große Verantwortung“, erklärt Marika Schuchardt im Gespräch mit der SVZ. Die Landschaftsarchitektin und Umweltplanerin ist seit 2014 beim LSE und hauptsächlich für das Rotmilanprojekt zuständig, das seit 2013 läuft – und das mit voller Power. Sie sammelt, zum Teil mit Hans Diederichs zusammen, Daten zu dem Greifvogel, macht die Horste ausfindig, kartiert diese und kontrolliert regelmäßig Belegung, Brutverlauf und Bestandsentwicklung. 2015 konnten zum ersten Mal mit Hilfe von Baumkletterern Jungvögel beringt und bei denen, die groß genug waren, Flügelmarken angebracht werden.

Das rund 300 Quadratkilometer große Gebiet, das der LSE untersucht, umfasst weite Teile des Naturparks Sternberger Seenland bis an den Dobbertiner See. Aus der Bestandsaufnahme sollen Maßnahmen abgeleitet werden, die dem Rotmilan wieder mehr Lebensraum und damit seine Existenz sichern.

Jungtiere kehren nicht zurück

„Wir gehen derzeit von 11 bis 15 Brutpaaren und etwa 10 Jungtieren pro Jahr aus“, erläutert Schuchardt. Leider sei der Bestand jedoch seit dem Beginn des Projekts 2013 nicht gewachsen. „Durch die Flügelmarken, die auch vom Boden aus zu erkennen sind, wissen wir, dass unsere Jungtiere im Frühjahr nicht wieder zurückkommen“, berichtet Hans Diederichs.

Denn Rotmilane sind Zugvögel und fliegen im Herbst nach Spanien oder Südfrankreich. „Einige wurden in Schleswig-Holstein gesichtet“, so Diederichs. Warum es einigen jungen Raubvögeln dort besser gefällt und was mit den anderen während des Winters passiert, können Schuchardt und Diederichs bisher noch nicht sagen. „Die Ökologie ist ja so komplex“, weiß Schuchardt. „Da spielen so viele Faktoren eine Rolle. Wir sind ja erst einen Wimpernschlag da und untersuchen.“

Auf jeden Fall spielen Feinde und das gesunkene Nahrungsangebot eine Rolle. Der aus Nordamerika eingewanderte und sich immer stärker vermehrende Waschbär räumt ganze Nester aus, auch der Marder und der Mäusebussard machen Stress. „Das größte Problem ist jedoch, dass so viel Mais und Getreide angebaut wird“, meint Schuchardt. Der Rotmilan, der sich vor allem von Mäusen, aber auch von jungen Elstern, Regenwürmern und Heuschrecken ernährt, könne durch die Höhe der bei den Landwirten so beliebten Nutzpflanzen nicht mehr aus der Luft seine Beute auf dem Boden erkennen. „Wenn ich mit Schulklassen Projekte mache, gehe ich mit denen gern in ein Mais- oder Getreidefeld, lasse dort mein Schlüsselbund fallen und fordere die Schüler auf, es zu suchen, ohne sich zu bücken“, erzählt Marika Schuchardt. Das Schlüsselbund sei bis jetzt nie gefunden worden.

Beratung der Landwirte wichtiger Arbeitsbereich

„Um dem entgegen zu wirken, versuchen wir die Landwirte dafür zu gewinnen, Luzerne oder Roten Klee anzubauen“, sagt Hans Diederichs. Denn diese Pflanzen wachsen nicht so hoch und haben andere Erntezeiten. Das portionsweise Ernten und das Mähen der Felder von innen nach außen würde ebenfalls helfen. So können die Kleintiere fliehen. Das Anlegen von so genannten Blühstreifen sei ebenfalls eine Maßnahme, und die helfe unter anderem auch den Bienen, besser Nahrung zu finden.

Bienenstraße ist „mustergültig“

„Der Anbau von Luzerne und Klee wird auch durch die Agrarumweltmaßnahmen des Landes gefördert“, informiert Hans Diederichs, der von Hause aus konventioneller Landwirt ist und deshalb ganz genau die Bedingungen und Bedürfnisse seiner Kollegen kennt. Die Beratung von Landwirten zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Rotmilan, Bienen und Co ist deshalb sein Kerngeschäft, gemeinsam mit Hans-Joachim Hogrefe.

Immerhin 150 Hektar wandelten die Landwirte der Region seit 2015 daraufhin in Blühstreifen um, das Saatgut dafür wird gefördert.

Diese Beratung greift ineinander mit dem zweiten Projekt, für das das LSE ausgezeichnet wurde, die Bienenstraße (SVZ berichtete). Für die Bienenstraße ist Diplom-Biologin Anja Hansen zuständig.

Den Preis, der mit 7000 Euro dotiert war, erhielt das „Erlebnisreich Bienenstraße“, weil es „in kurzer Zeit eine beeindruckende Zahl von Partnern mit dem Ziel mobilisiert hat, ein aus den zahlreichen Stationen der Bienenstraße bestehendes umfassendes touristisches Konzept zu entwickeln und umzusetzen, das in mustergültiger Weise Initiativen von Einzelpersonen, Vereinen und Unternehmen aus den Bereichen Regionalvermarktung, Tourismus Umweltbildung sowie nachhaltige Landnutzung miteinander verbindet.“ Die Bienenstraße soll von Schwerin-Mueß bis nach Plau am See führen.

„Von den 7000 Euro möchten wir gern digitale Stockwagen an verschiedenen Punkten aufstellen“, informiert Anja Hansen. „Damit können wir ständig das Nahrungsangebot überwachen und sofort reagieren, wenn das Gewicht der sogenannten Bienen-Beuten sinkt.“ Denn dann hungern die Bienen.



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