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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. November 2017 | 06:11 Uhr

Golchen : Doppelrolle in richtiger Balance

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Jörg Klingohr aus Golchen erhielt für Bauer Korl den Kulturpreis des Landkreises – ist aber genauso Psychologe und Unternehmer.

svz.de von
erstellt am 04.Dez.2015 | 16:22 Uhr

Gern spielt er mit seiner Doppelrolle und amüsiert prompt die Zuhörer. Beim Wirtschaftsstammtisch im Mecklenburger Hof in Brüel sagte Jörg Klingohr zu Gastgeberin Gabriele Schumacher-Poschmann, eigentlich müssten sie zu dritt auf dem roten Sofa sitzen. Denn Bauer Korl habe seinen Platz in der Mitte. Und als dem Golchener der Ludwig-Reinhard-Kulturpreis des Landkreises Ludwigslust-Parchim überreicht wurde, gab er zum Besten, wenn Bauer Korl gewusst hätte, dass er einen Preis erhält, wäre er natürlich auch gekommen. Die Auszeichnung wurde Klingohr genau für diese Comedyfigur verliehen (wir berichteten).


Zu Vorträgen in andere Bundesländer


Obwohl über die Grenzen von MV hinaus bekannt, habe er sich sehr über den Preis vom Landkreis gefreut. Für ihn verbinde sich damit ein einfaches Wort: Anerkennung. Eine Laienspielgruppe erfahre mitunter mehr Aufmerksamkeit. Es werde gesagt, Bauer Korl ist kommerziell, verdient sein Geld damit und braucht deshalb keinen solchen Preis. Doch Klingohr hält entgegen: „Kultur braucht natürlich in erster Linie Erfolg beim Publikum, aber auch wirtschaftlichen Erfolg.“

Viele könnten schlecht umgehen mit Wertschätzung für andere, weil sie befürchteten, sich dadurch selbst kleiner zu machen. Doch dafür gebe es überhaupt keinen Grund. Auf Klingohrs Initiative wurde 2005 im vorherigen Landkreis Parchim der Förderpreis für Kunst- und Kulturarbeit mit Kindern und Jugendlichen ausgelobt und 2012 vom neu entstandenen Landkreis Ludwigslust-Parchim übernommen. Die Verleihung findet einmal im Jahr auf dem Golchener Hof statt.

Er sehe kein Problem, die richtige Balance zwischen Jörg Klingohr und Bauer Korl zu finden, erklärt der 50-Jährige selbstbewusst. Andere wohl eher, wenn sie in ihm nur den Comedian sehen und nicht zutrauen, ernsthaft zu sein. Zu Vorträgen werde er vornehmlich in andere Bundesländer geholt, erzählt der Diplom-Psychologe und bemüht nachdenklich das Sprichwort von dem Propheten, der im eigenen Land nichts gilt.

Auf diesem Gebiet arbeitet er heute hauptsächlich für Unternehmen, erstellt Gutachten über die Eignung von Führungskräften, außerdem über schwer vermittelbare Jugendliche. Vor Jahren hat Klingohr das für die Arbeitsagentur gemacht, berufliche Perspektiven von Menschen ausgelotet. Diese Arbeit habe ihm selbst ganz andere Blickwinkel verschafft und ihn in die Lage versetzt, sich in schwierige Biografien hinein zu denken. Und auf einmal tritt Bauer Korl mit seiner markanten Hornbrille in den Raum. Satirisches, Kurioses aus diesen Biografien fließe bei der Comedyfigur ein, erklärt deren Schöpfer und wehrt sich dagegen, dass ihm Nostalgie unterstellt werde. „Ich ärgere mich über vieles, was in der DDR passiert ist. Und wirklich will die kaum jemand wieder haben.“ Bauer Korl stehe nicht dafür, DDR-Politik gerade zu rücken, aber dafür, dass die Lebensleistung der Menschen nicht unter den Tisch falle. Deshalb rede er über die LPG. „Für manchen mag das Politik sein, doch die LPG gehörte hier nun mal zum Leben“, so Klingohr. Und Bauer Korl solle helfen, „mehr gemeinsame Identität und Eigenliebe“ zu entwickeln, stolz zu sein. „Wir lieben uns nicht genug. Bauer Korl zeigt aber, dass wir uns mögen können, auch wenn wir nicht perfekt sind.“

Das Niveau bei Bauer Korl werde vom Publikum bestimmt. Wenn er merke, dass es nicht mitgeht, „weil vielleicht Hintergrund fehlt oder das Tagesinteresse anders ist“, reagiere er prompt, sagt der Comedian. „Ich genieße es, seit zehn Jahren bei Veranstaltungen keine Aufregung oder Nervosität zu spüren. So viel Routine habe ich mir erarbeitet.“ Bauer Korl sei inzwischen ein Teil von ihm, ein Ventil zum Alltag. „Bauer Korl gönne ich mir, wenn andere ins Fitnessstudio gehen.“

Die Doppel- ist genau genommen eine Dreifachrolle, denn um seine Comedyfigur hat Jörg Klingohr, wie er sagt, „eine Unternehmensgruppe“ aufgebaut, die auf vielfältige Weise in die Region ausstrahle. In 20 Jahren sei hart erarbeitet worden, was andere nur mit Förderung geschafft hätten, sagt das Mitglied des Unternehmerverbandes. Jetzt finden auf dem Golchener Hof wie jedes Jahr zu dieser Zeit reihenweise Weihnachtsfeiern von Betrieben statt, diesmal mit dem Schweriner Weihnachtszirkus – Unterhaltung und Spaß für insgesamt rund 1000 Gäste.

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